Whoop Whoop – Welcome to New York City
25. Mai 2010
Ich bin hundemüde. Wir sind nach einem langen Tag endlich (wieder) im Hotel angekommen. Die Uhr zeigt kurz nach 01:00 an und die Augenlider sind schon verdammt schwer. Trotzdem werde ich mich bemühen, euch den heutigen Tag nacherleben zu lassen.
Der Tag begann mit der Abreise aus Trenton, was ungefähr eine Autostunde von New York entfernt liegt. Umso näher man der Stadt kommt, desto mehr Spuren haben die Highways hier. Acht Spuren in eine Richtung sind keine Seltenheit. Und trotzdem stockt der Verkehr pausenlos. Es ist wie auf der Südost-Tagente in der Stoßzeit. Nur jederzeit. Und auf jeder Straße. New York ist das reinste Verkehrschaos. Jeder hupt, drängelt, schimpft. Von der bisher erfahrenen Gelassenheit der Amerikaner ist hier weit und breit nichts mehr zu sehen. Durch die Hochhäuser, die hier scheinbar wie die Schwammerl aus dem Boden gewachsen sind, verliert das Navigations-System ständig den Empfang, was uns den Weg zum Hotel nicht gerade erleichtert hat. Spuren gelten hier nicht. Ampeln ebenso wenig. Und deshalb kam es, wie es kommen musste. Fast drei Wochen mit dem Mietauto unterwegs, kein einziger Kratzer. Nichtmal eine Stunde in New York unterwegs und schon ein Unfall. Eine typische Amerikanerin (mehr breit als hoch) ist uns beim Abbiegen seitlich in die Front gefahren. Ihrer Meinung nach waren natürlich wir schuld, obwohl unser Auto still stand. Ist klar. Vermutlich die starke Anziehungskraft unseres Chryslers… Nach einem kurzen Check, ob etwas kaputt ist machte uns die Polizistin, die zufällig an der Kreuzung wo der Unfall passierte stand, lautstark klar, dass wir weiterfahren sollen, um den Verkehr nicht noch mehr ins stocken zu bringen. Gott sei Dank sah man bei unserem Mietauto fast keinen Schaden, der abgesplitterte Lack auf der Stoßstange des anderen Autos interessierte uns wenig. Nach unzähligen Malen abbiegen haben wir es dann schließlich doch geschafft, die Ankunft im Holiday Inn Manhattan View. Wir haben ein wunderschönes Zimmer. Im zweiten Stock. Mit Aussicht auf einen Parkplatz. Mit einem Bett. Ich schlafe heute zur Abwechslung in einem Schlafsessel…
Unser Toilet-Destroyer kann nicht nur Dinge innerhalb kürzester Zeit zerstören, sondern auch wieder reparieren. Also schnell die aus der Verankerung gesprungene Stoßstange wieder auf den rechten Platz gerückt und schon war nichts mehr von unserem kleinen Zusammenstoß zu merken. Nach der Rückgabe des Autos (es wurde nichts beanstandet!) machten wir uns mit der U-Bahn auf den Weg zum Times Square. Ein Wahnsinn, was sich in der New Yorker Innenstadt tut. Hier leuchtet und blinkt einfach alles. Rund herum Hochhäuser auf deren Fassaden riesige Leuchtreklamen und LED-Screens montiert sind. Sogar die Beschriftung des U-Bahn-Abgangs blinkt in großen Lettern. Man weiß nicht, wo man zuerst hinsehen oder was man zuerst fotografieren soll. Die Speicherkarten der Digitalkameras sind heute ordentlich beschäftigt gewesen. Vermutlich hat sich die Anzahl der Gesamtfotos in nur einem Tag verdoppelt.
Die erste Attraktion in New York war das Wachsfiguren-Museum von Madame Tussauds. Wenig spektakulär. Eigentlich dasselbe wie überall anders auch. Enttäuscht war ich vom „Scream“-Bereich, der angeblich extrem furchteinflößend sein soll. Laut Fräulein Shu Shu. Sie und Carina haben zwar gebrüllt, als würde sie jemand umbringen, aber im Grunde genommen war es nur ein dunkler Raum, wo zwei Mal jemand hinter der Ecke vorgesprungen ist. Gut gefallen hat mir hingegen der 10-minütige 4D-Film. Kein Wunder.. es war schließlich ein Film über Spongebob auf der Suche nach dem Burger-Gurkerl.
Gegessen wurde heute im T.G.I. Fridays. Aber nicht in irgendeinem. Die Preise haben uns verdeutlicht, wo wir gerade sind: Direkt am Times Square am Broadway. Chicken Fingers mit Pommes um schlappe 18 Dollar. Aber mit solchen Preisen muss man hier rechnen. Zigaretten kosten übrigens durchschnittlich 8 Dollar pro Päckchen. Ich werde mich wohl für die nächsten zwei Tage zum Kreis der Nichtraucher zählen.
Es ist unbeschreiblich, was es am Broadway und rundherum alles gibt. Ein M&M-Store, der sich über drei Stöcke zieht. Hier gibt es alles mit den runden Figuren. Angefangen bei den Schokolinsen in allen möglichen Farben, über Bettwäsche, Salz- und Pfefferstreuer, bis hin zu Seifenspendern. Ein Toys’r’us erstreckt sich ebenfalls über mehrere Stockwerke und hat in der Mitte ein eigenes Riesenrad! Kein kleines mit 5m Durchmesser, wie man es sich vielleicht eher vorstellen kann. Nein, nicht hier in New York! Wenn, dann muss es schon etwas Großes sein!
Langsam wurde es dunkel und wir haben uns dafür entschieden, sich die Umgebung von oben anzusehen. Wo ginge dies also besser, als vom Empire State Building? Für 20 Dollar pro Person kann man bis zum 86. Stockwerk fahren, um die Aussicht zu genießen. Ich kann es nur wiederholen: Unglaublich! Endlos lange Lichterketten, ein Skyscraper neben dem anderen, überall blinkt und bewegt sich etwas.
Nach einer Runde auf der Plattform traten wir mit der U-Bahn wieder die Heimreise ins Hotel an. Doch mit welcher Linie müssen wir fahren? Welche bringt uns schnell und sicher ins wohlverdiente Bett? Mit einem Plan in der Hand und einem dämlichen, unwissenden Touristen-Ausdruck im Gesicht standen wir mitten am Bahnsteig und schauten uns um. Freundlich sind die Amerikaner selbst hier in einer Großstadt wie New York, denn innerhalb kürzester Zeit kam ein Einheimischer auf uns zu und fragte, ob er uns helfen kann. Dank seiner Hilfe haben wir dann den richtigen Zug gefunden. Ein anderer, nicht ganz so freundlicher Einheimischer wartete ebenfalls gerade auf die U-Bahn. Ein Psycho durch und durch. Zwischendurch mal ein wenig gegen die Mistkübel getreten, ein bisschen unverständliches Zeug geschimpft und alle anderen Fahrgäste mit verachtenden Handgesten verflucht. Es kann eben nicht alles toll sein an Amerika. Endlich an der richtigen Station angekommen ging es ohne links und rechts schauen ins Hotel. Glücklicherweise nur ungefähr 3 Gehminuten. Alleine möchte ich diesen Weg von der Station hierher nicht zurücklegen. Dafür ist mir mein Leben dann doch zu kostbar…
Guten Morgen Wien, gute Nacht New York!
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