Vom Sandsturm in den Schneesturm – Arizona meets Utah

Wir fahren gerade durch Utah, rechts von uns der Mystic River, linkerhand einige Felsen. Zwischendurch tauchen immer wieder ein paar abgezäunte Bereiche mit ausgehungerten Pferden, ebenso dünnen Kühen und Rentieren auf. Die Regentropfen und Schneeflocken prasseln abwechselnd auf die Windschutzscheibe und die Temperaturen entsprechen nicht unbedingt denen, die man sich in einem Urlaub vorstellt: 5°C. Aber immerhin nicht im Minusbereich. In den Wäldern und auf den Bergen rundherum liegt der Schnee völlig unbeeindruckt von unseren Wünschen nach Sonne. Noch während ich den ersten Absatz geschrieben habe, hat sich das Wetter beinahe in einen Schneesturm verwandelt. Aus den Bose-Radioboxen schallt lautstark das Intro von AC/DC’s Hells Bells. Das könnte locker als Anfangsszene eines Endzeitthrillers durchgehen. Und die Hauptdarsteller sind wir. Ohne Wintergewand. Und natürlich auch ohne Winterreifen!

So gegen halb 8 waren wir wiedermal putzmunter, was uns zu einem frühen Aufbrechen bewegte. Am Plan stand heute der Antelope Canyon, bekannt durch seine ausgewaschenen Höhlen. Noch vor dem Frühstück fuhren wir zum ansässigen Tour-Anbieter und legten in Summe 160$ für knappe zwei Stunden Unterhaltung ab. Fürs Frühstück wurde McDonalds gewählt. Zwar ohne Burger, aber trotzdem mit fettigen Frühstücks-Happen. Aber wenigstens ohne Pommes! Gebucht wurde die Tour für 09:30 Uhr, also machten wir uns auf den Weg zu den zu Personentransportern umgebauten Jeeps. Sechs Jeeps mit jeweils 14 Leuten setzten sich in Bewegung Richtung Antelope Canyon.

Nach einer viertel Stunde Fahrt passierten wir die von Navajo-Indianern kontrollierte Einfahrt, die Fahrerin, so wie eigentlich fast alle hier auch eine Navajo, stieg aus und aktivierte den Allradantrieb. Kurze Zeit später wussten wir warum. Wir verließen die reguläre Straße und bahnten uns unseren Weg durch das ausgetrocknete Flußbett des Colorado Rivers. Der Boden war bedeckt von rotbraunem feinen Wüstensand, der durch die Autos vor uns aufgewirbelt wurde. Allein die Kulisse beim Hinfahren war sehenswert. Beim Eingang angekommen gab uns unsere Fahrerin eine kurze Einweisung und Erklärung zum Canyon, bevor es auch schon hinein ging. Bisher dachte ich, dass die Bilder bei der Google-Suche nach „Antelope Canyon“ nachbearbeitet und zu Marketing-Zwecken verschönert wurden, doch jetzt kann ich sagen, dass es dort tatsächlich so aussieht. Eigentlich handelt es sich bei diesen Schluchten um schmale Gänge und Kammern, von denen manche nur ungefähr 50 Zentimeter breit sind. Die Wände sind alle unterschiedlich rund ausgeschwemmt und die Formen bilden eine Vielzahl an verschiedenen Figuren. Mit ein bisschen Phantasie erkennt man das Profil von Abraham Lincoln, einen Bären, der versucht aus dem Canyon zu klettern, einen Adler oder einen Löwenkopf. Durch die Kombination des von oben einfallenden Lichts und die rote Oberfläche der Wände sieht es von manchen Blickwinkeln so aus, als würden lodernde Flammen im inneren des Canyons emporsteigen. Laut der Fahrerin, die auch gleichzeitig die Führung für unsere kleine Gruppe leitete, ist der gesamte Canyon jedes Jahr im Juli und August geflutet. Irgendwie unvorstellbar. Nach einer Vielzahl an Fotos ging es über die holprige Wüste wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Das über der Wüste aufziehende Gewitter blieb uns glücklicherweise erspart.


Die Nacht war relativ kalt, weshalb unsere zwei Prinzessinnen noch schnell zu Walmart mussten, um einen neuen Pyjama zu kaufen. Es wurde jeweils ein wunderschöner Flanell-Schlafanzug, wo selbst Al Borland von „Hör mal wer da hämmert“ neidisch werden würde. Anschließend wurde der gestrige Tipp von Florian umgesetzt und wir machten uns auf den Weg Richtung Horseshoe Bend, was ohnehin nur knappe 5 Minuten von unserem aktuellen Standort entfernt lag. Das Auto am Parkplatz ordentlich abgestellt, rechneten wir eigentlich fix mit einer weiteren Eintrittsgebühr beziehungsweise Navajo-Steuer, wie sie hier gerne genannt wird, doch hier muss nichts bezahlt werden. Mittlerweile sind uns die Indianer nicht mehr ganz so sympathisch, weil sie für alles Geld wollen. Irgendwie aber auch nachvollziehbar. Der Weg führte uns zur ersten Informationstafel, die uns auf einen 1,2 Kilometer langen Fußmarsch vorbereitete. Allerdings war der Weg kein gerader, sondern führte uns bergauf und -ab. Was noch erschwerend dazu kam war der Untergrund, denn auch hier war alles voll mit dem rötlich-braunen, feinen Sand, was mit der Zeit ziemlich anstrengend wird. Doch am Ziel angekommen war es die Anstrengung wert. Der Horseshoe Bend ist eine 190° weite Biegung des Colorado-River, der hier in ungefähr 200m Tiefe friedlich an uns vorbeifließt. Wahnsinn, was die Natur in dieser Gegend zu bieten hat. Grand Canyon, Antelope Canyon, Horseshoe Bend und der noch folgende Bryce Canyon.

Geschwächt von der ungewohnt langen Wanderung über Sand und Stein wurden wir bei Pizza Hut fündig. Jetzt sind wir jedenfalls noch immer am Weg Richtung Bryce Canyon und die Fahrt wird vermutlich noch ein bisschen länger dauern, als uns das Navigatonssystem anzeigt. Durch den mittlerweile starken Schneefall ist die Sicht nämlich ziemlich eingeschränkt und der Schnee bleibt auf den Straßen liegen. Kein Wunder bei den Temperaturen bei mittlerweile 1,1°.

Nachtrag:
Der Bryce Canyon ist für uns gestorben! Ewig schade darum, aber der Schneefall wurde immer dichter und die Straßenverhältnisse immer schlechter. Bei der Einfahrt zum Bryce Canyon entschlossen wir uns kollektiv gegen den Eintritt. Erstens hätte man bei dem Schneesturm ohnehin nichts gesehen und außerdem liegt uns doch zu viel an unserer eigenen Sicherheit. Das Thermometer sank nach wie vor immer weiter und mit Sommerreifen möglicherweise über verschneite Serpentinen zu fahren erschien uns dann doch ein wenig zu riskant. Wir überlegten kurz, ob wir nicht in der Nähe übernachten und die Tour am folgenden Tag machen sollten, doch der Wetterbericht vermittelte uns nur eine Nachricht: Schnell weg, weit weg!

Aus diesem Grund hieß das neue Ziel… Achtung, jetzt kommt’s…. LAS VEGAS! Yiiiihaaaaaa!
Nach ein paar weiteren Meilen voll mit Schneefall verwandelte sich ebendieser langsam mit den sinkenden Höhenmetern in Regen und schließlich wieder in Sonnenschein und Temperaturen über 10°C. Die Gesamtfahrzeit betrug laut Navi ungefähr vier Stunden. Schnuffi muss heute besonders lobend erwähnt werden, da er die ganze Strecke tapfer als Fahrer auf sich genommen hat. Kaum über die Grenze von Nevada gefahren, empfingen uns schon die ersten Leuchtreklamen und Hinweistafeln auf Casinos mit Super-Win-Chance und XXL-Jackpot. Das erste Zeichen, dass Vegas nicht mehr ganz so weit entfernt sein konnte!
Nach einem kleinen Hügel am Highway begann der bereits durch die eingebrochene Nacht verdunkelte Horizont zu leuchten. Uns war klar, dass das das Lichtermeer von Las Vegas sein musste! Die Lichter wurden immer mehr und mehr und meine Vision von Vegas zerplatzte wie eine Seifenblase. Bisher dachte ich, dass Vegas ein kleiner überschaubarer Ort ist mit einem großen Strip in der Mitte und den weltberühmten Hotels auf beiden Seiten. Weit gefehlt! Lichter soweit das Auge reicht. Je näher wir der Stadt kamen, desto mehr Hotels konnte man erkennen. Zuerst erhob sich der Stratosphere Tower aus dem unendlich scheinenden Meer, dann das Wynn und Encore, das Treasure Island und so weiter. Wir wussten nicht, wo wir zuerst hinschauen sollen, da es einen einfach sprachlos macht! Ich hatte eine Gänsehaut, die im Gegensatz zu den letzten Tagen ausnahmsweise nicht von der Kälte kam! Das erste Hotel in Las Vegas, das Circus Circus, wurde schon von Wien aus gebucht, allerdings erst von Mittwoch bis Samstag, also brauchten wir noch ein Hotel für die erste Nacht. In einem der Coupon-Hefte fanden wir ein Best Western ein wenig außerhalb vom Strip. Ein verdammt großes Zimmer mit zwei gemütlichen Queen-Size-Betten. Und das um umgerechnet nicht ganz 12€ pro Person! Jetzt ist es aber an der Zeit, die Stadt erstmal ein wenig auf sich wirken zu lassen.

VEGAS, HERE WE ARE!

Eine Antwort zu „Vom Sandsturm in den Schneesturm – Arizona meets Utah”.

  1. Hallo alle

    Wie man sieht gehts Euch gut
    Der Bericht heute war etwas Spät und bringt daher unseren Arbeitsalltag durcheinander, aber es lohnt sich öfters nachzusehen.
    Viel Glück und Spaß in Vegas
    lg
    Erich

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