Ich sitze gerade im gemütlichen Fauteuille im Bellagio und genieße die Aussicht aus dem 28. Stockwerk. In der Glasplatte des Tisches spiegelt sich eine Vielzahl an Helikoptern, die über dem Hotel ihre Runden drehen, um Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der Blick durch das Fenster über die gesamte Raumhöhe reicht bis an die Berge, die Las Vegas umgeben. Leider bedeutet das auch, dass wir kein strip-seitiges Zimmer, mit Blick auf die berühmten Fontänen haben.
Gestern Abend teilten wir unsere kleine Gruppe in zwei Partien auf, da sich in Michael’s Knie wieder Wasser ablagert, was Schmerzen beim Gehen verursacht. Aus diesem Grund blieben Carina und er gestern im Hotel, plünderten das Buffett und ließen sich von den Zirkusartisten in der hauseigenen Manege unterhalten. Michi, Markus und ich setzten uns ins Taxi, um die Fremont-Street in Downtown zu besuchen. Um knappe 15$ erreichten wir in kurzer Zeit die „Altstadt“ von Vegas. Hier begann alles vor vielen Jahren, bis sich 1989 mit der Eröffnung des Mirage die Szene schließlich an den Strip verlagerte. In Downtown befinden sich berühmte Hotels und Casinos wie das Golden Nugget, Golden Gate oder das Four Queens. Auf einer Länge von fünf Blocks, was einer Länge von ungefähr 450 Metern entspricht, ist die Straße überdacht. Aber nicht mit einem normalen Dach, sondern mit einer Konstruktion aus über zwei Millionen LEDs. Zu jeder vollen Stunde findet eine andere, zirka zehnminütige Light-Show statt, bei der sogar die Casinos unterhalb die gesamte Beleuchtung ausschalten, um dieses Spektakel nicht zu stören. Wir sahen zuerst The Doors, dann Queen und gegen 23 Uhr schließlich Kiss. Alle drei äußerst sehenswert, wobei mir Queen am Besten gefallen hat.
In Downtown ist Vegas noch so, wie man es sich vorstellt. Es ist schrill, laut, hektisch, dreckig (nicht im Sinne von unsauber). Hier sind 95% der Leute betrunken. Die restlichen 5% sind Kinder. Vor vielen Casinos befinden sich Bars, an deren Theken sich halbnackte Frauen lasziv in Pose schmeißen und ihre Tanzkünste zum Besten geben. Ein Straßenkünstler buhlt neben dem anderen um Aufmerksamkeit und ein kleines Trinkgeld für Fotos. Hier steht Elvis, da Darth Vader, Ozzy Osbourne plaudert gerade mit einem Transformer und Captain Jack Sparrow posiert gemeinsam mit einem barbusigen Ur-Weib. Jeder mit einem neuen Tower mit Frozen-Drinks bewaffnet spazierten wir einige Male über die überschaubare Fremont Street und versuchten in manchen Casinos vergeblich unser Glück. Der Flair ist trotz der geringen Distanz zu all dem Glamour und Glanz am Strip ein ganz anderer. Hier wird klar, warum Las Vegas auch Sin City genannt wird. Nachdem ich das Angebot eines Schwarzen, ein wenig Kokain zu kaufen, abgelehnt habe, machten wir uns auf die Suche nach einem Taxi, um wieder in unser Circus Circus zu fahren, wo die Koffer darauf warteten, wieder gepackt zu werden.
Der heutige Tag begann wie die Tage zuvor mit dem Treffpunkt um 10, nur diesmal bereits mit Gepäck, da der Umzug ins weltberühmte Bellagio bevorstand. Michi und Markus entdeckten gestern, während der Rest am Pool relaxte, einen Shop namens Ross – Dress for less, eine Art Kik für Markensachen. Da wir erst ab 15 Uhr einchecken durften (dachten wir zumindest), schauten wir noch einen Sprung bei diesem Geschäft vorbei, was sich als teils gute, teils schlechte Entscheidung. Gute Entscheidung dafür, was wir gekauft haben. Schlechte Entscheidung für unsere Kreditkarten. Der nächste Stopp war das bekannte und auf so gut wie allen Souveniers aufgedruckte „Welcome to faboulous Las Vegas“-Zeichen am Ende des Strips. Nach Fotos in den diversesten Posen entschieden wir uns dazu, mal im Bellagio vorbei zu schauen. Glücklicherweise konnten wir bereits einchecken und unser Zimmer hier im 28. Stockwerk beziehen. Hier merkt man, was die Bezeichnung „Luxushotel“ heißt. Die Vorhänge lassen sich per Knopfdruck auf- und zuziehen, der Kasten ist von innen beleuchtet und die Minibar wird vollautomatisch verrechnet. Sobald man ein Teil aus dem kleinen Kühlschrank entfernt, wird es automatisch auf die Zimmerrechnung gebucht. Aus diesem Grund fassen wir hier einfach sicherheitshalber gar nichts an. Man weiß ja nie, was im Endeffekt vielleicht doch etwas kostet.
Nachdem das erste Staunen abgeklungen ist, marschierten wir zur Pool-Landschaft des Bellagio und ließen uns von der Sonne goldbraun backen. Das hoffe ich zumindest. Was wäre ein Urlaub ohne Sonnenbrand? So etwas wie Duschen mit Socken. Oder das Dschungelcamp ohne letztklassigen „Promis“. Das passt einfach nicht! Eigentlich wollten wir das Feeling bei einem leckeren Cocktail genießen. Die 14 Dollar schreckten uns zwar, hätten uns aber nicht davon abgehalten, wenn zumindest einer von uns eine ID, also einen Bildausweis mitgehabt hätte. Carina bekam bei der Bar ohne Ausweis nicht mal ein normales Diet Coke. In oder an einer Bar dürfen nur Leute über 21 bestellen. Egal was.
Nun drängen mich meine Mitbewohner schon wieder, mich für den letzten Abend in Vegas fertig zu machen. Heute wird nicht aufs Geld geschaut, heute steht der Spaß im Vordergrund. Und um selbst ein bisschen Glamour in die Stadt zu bringen, wird heute das beste Outfit ausgeführt. Ich habe mir heute extra eine original Donald Trump Krawatte gekauft. Bisher wusste ich nicht, dass er auch eine eigene Krawatten-Kollektion hat, aber man lernt nie aus. Das Tüpfelchen auf dem I bilden die nur für diesen einen Abend gekauften, eleganten Hüte. Vermutlich werden wir aussehen wie ein paar abnormale Vollidioten, die von allen anderen ausgelacht werden. Aber was ist in einer Stadt wie dieser schon normal?
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