Dem Tode so nah…

Wir sitzen gerade zur Abwechslung im Auto und fahren über böse Serpentinen vom Yosemite-Nationalpark Richtung San Francisco. In den Rechtskurven habe ich herrlich viel Platz in der dritten Sitzreihe, nur um in der nächsten Linkswendung beinahe von dem ganzen Gepäck neben mir erdrückt zu werden. Unser Nissan Armada sieht war um einiges geiler aus als der Chrysler Town & Country letztes Jahr, aber in puncto Komfort kann er keineswegs mithalten. Mittlerweile bin ich davon genervt, ins Auto zu steigen.

Die Nacht verlief ruhig und ohne besondere Vorkommnisse. Hätte jemand in unser Zimmer einbrechen wollen, hätte er sich entweder in den beiden Tagesdecken vor der Tür verheddert, oder er wäre mir beim Einstieg durch das Fenster direkt ins Gesicht gestiegen, da das Bett direkt daneben stand. Als es alle auf kleinstem Raum geschafft haben, sich wieder fertig zu machen und die Taschen wieder zu packen, führte uns der Weg Richtung Yosemite Nationalpark. Gefrühstückt wurde unterwegs bei Burger King. Nach ungefähr 3,5 Stunden Fahrt haben wir die Einfahrt endlich erreicht und die 20 Dollar Gebühr gelöhnt. Das Thermometer zeigte irgendwas um die 5°C an, der Schnee bedeckte die Oberfläche und der Hauch wurde nach den ersten paar Minuten wandern deutlich sichtbar. Kurz nach dem Parkplatz wartete schon der erste riesige Sequoia-Baum, der Giant Grizzly. Wahnsinn, was diese Bäume für einen Umfang und eine erstaunliche Höhe haben.

Weiter am Trampelpfad wandernd, zeigte uns ein Wegweiser die Richtung zum Museum und dem bekannten Fallen Tunnel Tree. Aus den angeschlagenen 1,2 Meilen wurde eine ungefähr zweistündige Wanderung auf einem nicht befestigten, mit Schnee und Matsch bedecktem schmalen Weg. Vor uns: Nichts. Hinter uns: Nichts. Das einzige Lebewesen, das wir während der Zeit gesehen haben, war ein kleines Eichhörnchen und ein Vogel. Wir malten uns schon die diversesten Szenarios aus, wie wir wohl sterben würden. Verhungern? Abstürzen? Oder vielleicht von einem der vielen Grizzlys gefressen werden? Wir vermuteten, dass einer der Bären absichtlich den Pfeil am Wegweiser umdrehte, um uns in seine Höhle zu locken. Außerdem schickte er uns noch einen kleinen Vogel, der uns ebenfalls auf die falsche Fährte bringen sollte. „Ha, Bär, nicht mit uns! Wir lassen uns von deinen miesen Tricks nicht beeindrucken! Such dir ein paar Franzosen!“
So wanderten wir also bergauf, bergab nach links und rechts und über umgefallene Bäume. Besser gesagt, Carina, unsere Drecknudel des Tages, kletterte darüber, der Rest ging einfach drum herum. Wieder sauber gemacht, sahen wir endlich ein paar andere Menschen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir uns sicher, doch nicht sterben zu müssen. Zumindest nicht heute! Auf dem matschigen und dadurch glitschigen Weg verlor man schnell den Halt und rutschte auf den Steinen herum. Ratet mal, wer ausgerutscht ist und sich den Knöchel so verknackst hat, dass er nicht mehr weitergehen konnte und von den anderen beim Rückweg gestützt werden musste!? Falsch! Keiner von uns, aber irgendwem ist das sicher schon passiert. Ich muss einfach mehr Dramatik in den Blog bringen, sonst klingt ja immer alles nur nach Friede, Freude, Eierkuchen!
Noch ein paar weitere Riesenbäume fotografiert und bestaunt neigte sich unsere ausgedehnte 3-stündige Abenteuerwanderung über Stock und Stein am Parkplatz wieder dem Ende zu. Unsere Mädels verfluchten die Burschen schon bei der Hälfte des Weges, da sie nicht auf eine Bergwanderung eingestellt waren. Wir auch nicht, aber wir ließen uns nichts anmerken. Auch nicht die komplette Ahnungslosigkeit, ob wir denn überhaupt jemals wieder einen Wegweiser, geschweige denn Menschen sehen würden.
Neben den „Giant Sequioas“ hat der Yosemite Nationalpark außerdem noch eine Vielzahl an kleinen und großen Wasserfällen zu bieten, die wir mit dem Auto abfuhren.

Am Weg zu einem dieser Wasserfälle liefen vor uns zwei kleine, graue Tiere über die Straße. Weder scheu, noch beeindruckt von den vorbeifahrenden Autos blieben sie am Straßenrand stehen. Wir rätselten, ob es kleine Wölfe oder große Füchse sein könnten, bis wir herausfanden, dass es sich hierbei um Kojoten handelte. Bisher kannte ich die Tiere nur aus der Zeichentrick-Serie mit dem Roadrunner. Möp möp! Oder die nett anzusehenden Mädels aus dem Film Coyote Ugly. Kurze Zeit später tauchten auch schon die nächsten Wildtiere auf, die hier einfach neben der Straße fressen und sich vom Straßenlärm nicht stören lassen. Diesmal waren es ein paar Rehe, die sich beinahe arrogant fotografieren ließen.

Der Weg führt uns jetzt in irgendeine Stadt, von der wir selber noch nicht wissen, wie sie heißen wird. Die erstbeste Übernachtungsmöglichkeit wird’s heute wohl werden. Wir liegen gut in der Zeit, denn ab morgen haben wir unser Hotel in San Francisco gebucht.

Nachtrag:
Wir sind nun im Motel 6 in Oakdale angekommen und schauen uns das Lady Gaga Konzert im Lokal-TV an. Der nächste Arsch der Welt. Schön langsam komme ich von dem Gedanken nicht los, dass es an der Westküste ganz schön viele Ärsche der Welt gibt. Oakdale – The gate to Yosemite National Park!

Und übrigens: Happy Birthday, Berni! 🙂

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