Die Straßen von San Francisco

Wir sitzen gerade im Hotel „Inn on Broadway“ in San Francisco und trinken unsere erste Francisco’er Bierrunde. Besser gesagt Markus und Michael trinken Bier, ich irgendwas rotes mit Alkohol, die Mädels gönnen sich einen Cocktail aus der Flasche. Es riecht nach einer Mischung aus Putzmittel und Marihuana. Wie eigentlich in der ganzen Stadt hier. Nur dass größtenteils das Gras dominiert. Die Rezeptionsdame lachte mich aus, als ich fragte, ob der Weed-Konsum hier legal ist oder zumindest akzeptiert wird. Das Internet ist hier so langsam, dass sich die Blogbeiträge in den nächsten Tagen leider ein wenig in Grenzen halten werden, da das Laden der Seite ungefähr 10 Minuten dauert. Ebenso das Abrufen eines einzelnen Mails. Deshalb wird dieser Blog heute auch ohne Fotos auskommen müssen. Wie trostlos…ebenso trostlos ist das Wetter. Den ganzen Tag über war es eine Mischung aus stärkerem und dann wieder leichterem Nieselregen. Der Wind und die Kälte taten ihr übriges dazu.

Der Tag begann mit einem Frühstück bei Starbucks. Zur Abwechslung mal. Michi und Carina kauften bereits ihr 3042734. Häferl für ihre Sammlung. Für jeden Ort und jeden Staat in dem wir waren eines. Eigentlich wollte ich das Frühstück für Schwesterchen und Schwager übernehmen, doch genauso wie beim Abendessen gestern bei Taco Bell streikte auch heute meine Kreditkarte wieder. Also bei Visa angerufen, festgestellt, dass meine Karte eigentlich in Deutschland ausgestellt wurde und ich deshalb dort anrufen soll. Mein Handy funktionierte dort übrigens auch nicht. Perfekte Voraussetzungen also, um einer eventuellen Kartensperre entgegenzuwirken. Ich frage mich nur, ob die Easybank tatsächlich erstmal geschätzte 100 Transaktionen abwartet, bis sie draufkommen, dass da ja was aus einem falschen Land abgebucht wird und es sich um einen eventuellen Betrug handeln könnte. Ich hoffe, dass sich das in den nächsten Tagen klären lässt, sonst sieht’s nicht so rosig aus mit meinen Einkäufen. Den ersten Hunger gestillt und schwer genervt von meiner Kreditkarte setzten wir unsere Reise Richtung San Francisco fort.
Nach guten zwei Stunden Fahrt lies sich langsam die Golden Gate Bridge inmitten einer dichten Nebelsuppe erahnen. Alcatraz ebenso. Unser erster Gedanke war „Scheiße, sind diese Straßen steil. Hoffentlich packt unser Auto diese ungewohnten Steigungen!“. Es packte es tatsächlich und so erreichten wir unser Hotel bald. Unsere Zimmer im gebuchten Hotel waren noch nicht fertig aufgeräumt, was uns zu einem ersten Besuch der Fisherman’s Wharf, der Küstenstraße mit all den Piers bewegte. Auf der Rückseite einer alten Lagerhalle entdeckten wir ein altes Kriegs-U-Boot, das wir eigentlich besichtigen wollten. Doch dann sahen wir dahinter noch ein anderes, viel größeres Kriegsschiff. Magisch davon angezogen löhnten wir die 10 Dollar pro Person und schon waren wir drin. Der Mann an der Kassa gab uns einen deutschen Guide, der nicht sehr hilfreich war. Darin standen Dinge wie zum Beispiel „Mannschaftsmitglieder berichteten, das ihre Gewehr feindliches Flugzeuge engagierten und daß es das Ziel mindestens von einem Torpedo und von 2 Bomben war“ oder „Zu den Oberdecken steigen Sie 2 Flüge zum Brückendeck“ oder „Gehen Sie heraus durch der achtern Steuerbordtür“. Interessante Formulierung! Wir vertrauten nicht auf den Plan und bewegten uns auf eigenem Wege durch das Schiff. Sämtliche Matrosen-Kajüten, verschiedene Decks und die riesigen Waffen konnten besichtigt werden und waren frei zugänglich. Am interessantesten war aber auf jeden Fall der Maschinenraum mit der riesigen Kurbelwelle. Hier wurden auch einige Szenen für den Film Titanic gedreht. Nachdem Markus und ich die langen Sprechrohre vom Maschinenraum zur Brücke ausprobierten, kam ein alter, grauhaariger Mann mit dicker Brille völlig außer Atem angelaufen, um uns die diversesten Dinge zu erklären. Eigentlich mehr als wir wissen wollten. Interessant war es, keine Frage, aber irgendwie wurden wir ihn nicht mehr los, bis er uns schließlich vom Maschinenraum über das obere Deck bis zum Gift-Shop begleitete. Man merkte, dass er Spaß an seinem Job hatte und gerne Geschichten aus der alten Zeit erzählte. Das Ziel bei der Konstruktion dieser Versorgungs-Schiffe war es, sie schneller zu bauen, als sie der Gegner versenken konnte. Im Durchschnitt brauchten sie nur 60 Tage, um eines davon zu bauen. Wahnsinn für so ein riesiges Schiff! Und das in 18 Höfen, wo die Schiffe gleichzeitig zusammengebaut wurden. Laut Frank (bei uns heißen alle hiesigen Frank!) war das schnellste Schiff in vier Tagen fertig! In vier Tagen!! Einmal im Jahr bricht dieses Schiff, das eine Bauzeit von immerhin 44 Tagen hatte, zu einer eintägigen Tour durch die Umgebung der San Francisco Bay auf. Dieses Jahr ist es am 22. Mai soweit. Mal wieder ein paar Tage nachdem wir hier sind. Shit happens!
Die Lagerhalle hinter der die Schiffe angelegt haben, entpuppte sich als Spielhalle. Allerdings nicht als normale, sondern eine mit Spielautomaten aus vergangener Zeit, wo sich die Leute noch von einfachen Autorennen, Kraftmessern und tanzenden Affen (die so genannte Bimbo-Box) beeindrucken ließen. Aber irgendwie zog auch uns die Halle in ihren Bann. Es war schön, so etwas nostalgisches zu sehen. Die meisten „Attraktionen“ kosteten nur 25 Cent, was uns zusätzlich animierte, ein paar davon auszuprobieren. Michi versuchte ihre Geschicklichkeit beim Autofahren, Markus lies eine Puppe in einem drehenden Taschenkino tanzen, Carina und Michael lieferten sich ein heißes Auto-Rennen beim Um-die-Wette-Kurbeln und ich entschied mich für 3D-Bilder vom großen Erdbeben und Brand von San Francisco. Und das in einem Prater von vor 100 Jahren.
Durch die ungeplante Besichtigung der S.S. Jeremiah O’Brien, dem Kriegsschiff und der Spielhalle verloren wir ungefähr in Summe drei Stunden. Der Hunger machte sich langsam breit, also suchten wir uns eine angemessene Location. Was wäre angemessener für Männer als Hooters? Ich muss mich schon wieder entschuldigen, Anita, aber du weißt: Die Recherche! Brüste soweit das Auge reicht, hoch geschnallt unter dem engen Top, nur die halben Arschbacken von den knappen Höschen bedeckt und ein Lächeln auf den Lippen, dass jeder Mann schwach wird. Von diesem Anblick abgelenkt wählten wir unsere Speisen, die durchaus zu empfehlen sind!
Gestärkt gingen wir zum berühmten Pier 39, wo es sich die Seelöwen bequem gemacht haben. Ein heilloses Durcheinander von unzähligen braunen und schwarzen Kreaturen, die laut grunzend um einen Platz auf einer der Plattformen kämpften. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Tiere wirklich so laut brüllen. Irgendwie nahmen wir eine gewisse Grundaggression der Seelöwen wahr, da sie ständig am herumkämpfen und beißen waren. Das liegt scheinbar in deren Natur. Aber ich wäre auch angepisst, wenn ich ständig in der Kälte herumliegen und mich von lästigen Touristen fotografieren und anschreien lassen müsste.
Nachdem die Dämmerung bereits eingesetzt hat, entschieden wir uns dazu, den Weg ins Hotel anzutreten. Unglaublich, wie anstrengend die Steigungen bei diesen Straßen werden können. Um so näher wir dem Hotel kamen, desto stiller wurden wir. Nicht, weil uns der Gesprächsstoff ausgegangen ist, sondern weil uns sonst die Luft zum Bergsteigen ausgeblieben wäre. Wenig verwunderlich, dass man hier kaum fette Leute sieht. Manche Wahnsinnige laufen hier sogar bergauf. Jedem das seine. Ich werde mich jetzt wieder meinem „Mike’s Harder Fruit Punch“ widmen. Kalorienbombe deluxe!

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