Es ist kurz nach 21 Uhr und wir sind bereits am Zimmer. Die Müdigkeit hat heute so ziemlich ihren Höhepunkt erreicht. Warum das Ganze? Mehr dazu später!
Das Abendessen fiel gestern ein wenig umfangreicher aus als sonst. Grund dafür war, dass uns der Koch, der auf der Terrasse am Grill stand, persönlich bediente und uns das frisch gegrillte Hühnerfleisch an den Tisch brachte. Vielleicht lag es daran, dass wir zeitiger dran waren als sonst und somit noch nicht so viele Leute im Restaurant waren, vielleicht aber auch daran, dass wir das Fleisch so erwartungsvoll angestarrt haben.
Der erste Weg nach dem Abendessen führte uns in die Mall of the Emirates, um noch schnell weiße kurze Pyjama-Hosen, die man optimal unter unseren Kleidern als Sichtschutz tragen kann, zu kaufen. Diesen Punkt abgehakt setzten wir uns wieder in die Metro, Gold-Class versteht sich, wir hatten schließlich unseren 1.Klasse-Tagespass, den wir ausnutzen mussten und fuhren wieder zum Burj Khalifa bzw. der Dubai Mall. Grund dafür war das abendliche Wasserspiel. Kurz vor halb 10 angekommen, fingen die Wasserstrahlen pünktlich an, im Takt von Lionel Richie’s All night long zu tanzen. Dadurch, dass es unendlich viele Düsen sind, die das Wasser bis zu 150 Meter in die Luft schießen, ist es ein spektakuläres Bild. Wir rechneten eigentlich damit, dass der ganze Platz rund um die Dubai Fountains, wie sie eigentlich heißen, voll sein wird, doch auch hier kaum Leute. Anscheinend ist derzeit hier alles andere als Hochsaison. Sofern es hier überhaupt eine Saison gibt. Wir warteten noch die zweite Show um 22 Uhr ab und machten uns dann wieder auf den Weg Richtung Shuttle-Bus zur Metro-Station. Diese Idee hatten allerdings nicht nur wir. Auch der ganze Rest der Dubai Mall wollte mit dem Bus weg. Doch nicht nur mit dem Bus, auch mit dem Taxi. Der Busterminal befindet sich mitten in der Parkgarage des Einkaufszentrum, ebenso die Abhol-Stellen der Taxis. Aus diesem Grund brauchten wir für den Weg von der Haltestelle aus der Parkgarage länger als für die gesamte Strecke zur Metro am Vormittag. Nachdem wir sie endlich verlassen haben, blieb der brechend volle Bus bei einer Station ewig lange stehen. Fragende Gesichter machten sich breit, bis sich herausstellte, dass ein Kontrolleur die Tickets kontrollierte. Und das geht natürlich nicht im Fahren. Nach zwei Schwarzfahrern gab er sich zufrieden, stieg mit ihnen aus und die Fahrt ging endlich weiter. Eigentlich wollten wir noch ein Stück in die andere Richtung zum Finanz- und Handelszentrum der Stadt fahren, was wir aufgrund des hohen Zeitverlusts dann doch auf einen anderen Tag verschoben haben.
Der heutige Tag begann gemütlich. Zuerst Frühstück, dann ab an den Pool ein wenig vorschlafen und Energien für den Rest des Tages aufzuladen. Wir buchten heute Früh nämlich eine Stadtrundfahrt inklusive kurzer Bootsfahrt am Dubai Creek. Pünktlich um 14:45 wurden wir von einem Kleinbus vom Hotel abgeholt. Eigentlich dachten wir, dass es eine auf Deutsch geführte Tour ist, doch der Fahrer sprach nur Englisch. Und das nicht all zu gut. Wir klapperten ein paar Hotels ab und sammelten weitere Gäste ein, bis er uns schließlich mitteilte, dass unsere Reiseführerin gleich kommt und wir in den großen Bus umsteigen sollen. Also doch nochmal Glück gehabt. Unsere Reiseführerin war vor fünf Jahren aus der Ukraine nach Dubai gekommen, um hier Touristen die Stadt zu zeigen. Auf dem Weg zum ersten Stopp erzählte sie uns, dass ungefähr 25% aller weltweit verfügbaren Kräne in Dubai stehen. Kein Wunder, denn hier sind an jeder Ecke Baustellen. Außerdem meinte sie, dass die Öl-Reserven in Dubai noch für die nächsten 5-8 Jahre reichen würden. Deshalb wird hier auch überall so lange gebaut, bis noch Geld da ist. Als Zukunfts-Investition also. In Abu Dhabi hingegen reichen die Öl-Quellen noch locker 150 Jahre. Also wird es hier vermutlich in den nächsten 10 Jahren ordentliche Unstimmigkeiten geben. Wer weiß, vielleicht sogar Krieg?! Aber davon ist hier glücklicherweise noch nichts zu bemerken. Warum auch?
Das erste Teilstück unserer Route führte uns auf die berühmte Palmeninsel. Innerhalb von nur sieben Jahren wurde die gesamte Insel in Form einer Palme aufgeschüttet und bebaut. Am Ende der Palme, dem Wellenbrecher befindet sich das berühmte Atlantis-Hotel, das größte Dubais. Insgesamt gibt es derzeit noch zwei andere Hotels auf der Palmeninsel, in naher Zukunft sollen es um die 20 sein. Nach ein paar Fotos ging die Fahrt zurück aufs Festland. Am Weg dorthin erfuhren wir, dass zwei weitere Palmeninseln geplant sind, aber derzeit gestoppt wurden. Die einzigen fertiggestellten Aufschüttungs-Projekte im Meer sind derzeit eben The Palm und die Inseln, die aus der Luft aussehen wie eine Weltkarte. Die ist allerdings noch nicht bebaut. Ein weiteres, zukünftiges Projekt ist, das Universum nachzubauen, also sämtliche Planeten unserer Galaxie in Form von künstlichen Inseln im Meer. Wo könnte es so etwas geben, wenn nicht hier? In der Nähe des Burj al Arab, dem einzigen 7-Sterne-Hotel der Welt, war der nächste Halt, um ein paar Fotos zu schießen. Nach ein paar weiteren Stopps bei einem relativ uninteressanten Einkaufszentrum, dem Burj Khalifa und einem kleinen Hafen fuhren wir ins Dubai Museum, wo das frühere Leben interessant dargestellt wurde. Der Eintritt war zwar inklusive, kostet aber auch sonst lächerliche 3 Dirham, also ungefähr 60 Cent. Als nächstes war der Stopp beim Dubai Creek dran. Aussehen tut das Ganze wie ein natürlicher Fluss, in Wirklichkeit ist es aber nur ein Arm des Meeres, wo eine Vielzahl an alten Handelsschiffen ihre Waren hauptsächlich aus dem Iran anliefern. Mit dem Abra, einem kleinen, ein wenig wackeligen Wassertaxi aus Holz, überquerten wir den Creek und standen direkt am Gewürzmarkt. Der Duft war kaum zu ignorieren und brannte sich sofort ins Gehirn, wo er mit einem stechenden Schmerz auf sich aufmerksam machte. Eine Mischung aus Weihrauch, diversesten Gewürzen und Benzin. Die Händler buhlen natürlich um Kundschaft und dadurch wird man von allen Seiten angequatscht, man solle doch ins Geschäft kommen. Manche stehen drauf, wir fanden es nur nervig und versuchten, mit niemandem Blickkontakt herzustellen, um ja nicht angeredet zu werden. Hier wird mit umgebauten Schubkarren die mehr oder weniger wertvolle Fracht von A nach B transportiert. Der eine fährt mit einem guten Duzend Kartons herum, wo Teppiche rausblitzen, andere mit einigen neuverpackten Samsung-Fernsehern. Alles normal hier. Kurze Zeit später marschierten wir zum direkt angrenzenden Gold-Markt, wo die Verkäufer noch aufdringlicher waren als bei den Gewürzen. Die Auslagen glänzten vornehmlich in Gold und Silber. Das meiste sieht ohnehin kitschig aus, aber das eine oder andere nette Stück wäre schon dabei gewesen. Selbst vor den Geschäften werden jegliche Waren angeboten. Da kommt es schon mal vor, dass man gefragt wird „Water? Coke? iPhone?“. Auch Uhren werden versucht, an den Mann zu bringen. Vornehmlich mit dem Zusatz „Copy“, also billige Fälschungen. Wir waren irgendwie froh, als der ausgemachte Treffpunkt näher rückte. Am Parkplatz des Marktes wurden wir wieder aufgeteilt und in die Hotels zurück gebracht. Alles in allem war es eine ausführliche und lange Tour. Immerhin knappe sechs Stunden unterwegs. Und das bei einer Affenhitze.
Morgen wird es spannend und hoffentlich ein wenig adrenalinreicher als bisher. Denn morgen verlassen wir Dubai und fahren nach Abu Dhabi. Und zwar in die Ferrari World! Ich bin gespannt, ob wir auch mit der schnellsten Achterbahn der Welt fahren können, denn von 10 Tagen ist sie geschätzte 12 außer Betrieb. Aber man wird sehen…
Nun wird es noch Zeit für einen weiteren wertvollen Beitrag der Rubrik „Wissenswertes über Dubai“:
– Dubai ist frauenfreundlich: Dass es hier eigene Bereiche für Frauen in der Metro und den Bussen gibt, habe ich ja bereits erzählt. Dass montags der Jumeirah Beach Park nur Frauen vorbehalten ist, wussten wir auch bereits, doch heute haben wir erfahren, dass es sogar spezielle Taxis für Frauen gibt. Diese haben ein rosa Dach und natürlich auch eine weibliche Fahrerin. Nur, dass sich die Frauen auch wirklich wohl fühlen.
– Dubai ist klimatisiert: Gut, dass die Hotels, Restaurants, Shopping-Malls usw. klimatisiert sind, ist jetzt kein großes Ding. Eigentlich eher Standard. Doch hier wurden selbst die Wartehäuschen von Bus-Stationen so konzipiert, dass sie klimatisiert werden. Okay, das ist auch noch nicht so spannend, aber Dubai plant in nächster Zukunft noch seltsamere Dinge zu klimatisieren. Zum einen sind das Radwege. Nachdem hier so viele Autos unterwegs sind, die natürlich die Umwelt belasten, möchte man mehr Leute dazu animieren, mit dem Rad zu fahren, was bei der Hitze natürlich nur ungern gemacht wird. Deshalb klimatisiert man einfach Radwege. So einfach ist das. Und vermutlich auch viel umweltschonender als die Autos. Wer’s glaubt…
Die zweite große Idee ist es, einen ganzen Strandabschnitt zu klimatisieren. Im Sommer hat es hier bis zu 50° und wer will das schon? Da kann man doch einfach die Luft, den Sand und sogar das Meer ein wenig abkühlen! Ob es diese Projekte wirklich jemals geben wird, sei dahingestellt, aber zuzutrauen ist den Leuten hier alles…
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