Alligatoren links von uns, rechts von uns… und in uns!

Wir sitzen gerade in der leeren Hotellobby/Bar/Rezeption und suchen uns das Programm für morgen zusammen. Also die anderen, denn ich muss mich schließlich um den Blog kümmern!

 

Nachdem wir gestern unseren Mini-Free-Drink in der Happy Hour des Hotels verzehrt haben, wollten wir noch eine Runde ums Hotel drehen. Der erste Weg führte uns zu Best Buy, einer Elektronik-Kette vergleichbar mit Media Markt oder Saturn. Leider war der Shop schon zu, also machten wir wieder kehrt und deckten uns im Supermarkt CVS mit Ohropax ein, um die Nacht ruhig überstehen zu können. Außerdem habe ich mir einen kleinen Shaker gekauft, mit dem man angeblich Frozen Drinks machen kann. Ich weiß genau, dass es nicht funktionieren wird und ich das Teil nie verwenden werde, aber ich habe es trotzdem gekauft. Zeitweise brennen auch meine Bullshit-Sensoren durch. Aber hey, wenn es vielleicht doch funktioniert, kann ich jeden Abend meine eigenen Frozen Daiquiris machen. Ein Hoch auf meine Leber! Die Sackerl im Hotel abgeliefert, führte uns der nächste Weg auf den Ocean Drive, die weltberühmte Straße, die direkt am Strand liegt. Hier befindet sich eine Bar neben der anderen, vor denen die meist gutaussehenden Mädels um Kundschaft buhlen. Zwischen die Lokale haben sich einige Souvenirshops gezwängt, die allesamt größer sind, als sie von außen aussehen. Der Ocean Drive ist laut, schrill und grell. Und teuer. Hier kostet eine Portion Paella schnell mal 105 Dollar. Aber nachdem das etwas Spanisches ist, essen wir das sowieso nicht mehr. Selbst im Auto haben wir immer den Radiosender gewechselt, sobald jemand spanisch gesprochen hat. Blöderweise besteht Miami zu 55% aus spanisch-sprechenden Menschen. Wenn wir das vorher gewusst hätten…
Wie bereits erwähnt, hat auch Fat Tuesday eine Niederlassung direkt am Ocean Drive, was wir natürlich ausnutzen mussten. Doch als wir drin waren, folgte die herbe Enttäuschung. Keine Musik, nur ein paar Spanier, die im Chor gemeinsam mit den Kellnern irgendwelche Parolen gebrüllt haben, keine eigenen Sammelbecher, also kurz gesagt, nicht sehr einladend. Aus diesem Grund sind wir auch ohne Getränk wieder abgerauscht. Wir brauchten noch etwas zum Abendessen und entschieden uns für „The Clevelander“, eine Mischung aus Tanzbar und Restaurant. Ausgezeichnete Chili-Cheese-Fries (Pommes Frittes, darüber Chili und Käse) um 9 Dollar. Zwar nicht billig, aber für die Lage und die Größe der Portion doch angemessen. Und gefrorene Drinks gabs noch dazu. Anfangs machten wir noch Witze darüber, wozu in einer Gegend wie dieser überall Heizschwammerl standen, doch während dem Essen merkten wir warum das so war. Abends kühlt es nämlich ziemlich ab und der teils starke Wind erledigt das übrige. Somit wird es mit kurzer Hose und T-Shirt schnell mal ein bisschen frisch.
In Miami haben wir ständig das Gefühl, nur nichts falsch machen zu dürfen, mit niemanden Augenkontakt herstellen und schon gar nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen. Hier kommt es auch schonmal vor, dass man mit einem herzlichen „Fuck you“ aus einem vorbeifahrenden Auto beschimpft wird. Warum auch immer. Vielleicht zu wenig von Mami’s Liebe erfahren. Oder pure Coolness. Vielleicht liegt es aber auch einfach nur daran, dass das spanische Volk ein ganz eigenes (ungutes) ist. Ich weiß es nicht.
Nach dem Abendessen war es Zeit fürs Bett, wo ich auch dank Ohropax relativ schnell einschlafen konnte. Nicht, dass Anita so viel zu erzählen gehabt hätte, der Hauptgrund war, den Straßenlärm nicht zu hören. Das funktionierte zumindest teilweise, doch die Ohropax versagten, als plötzlich das Telefon neben meinem Kopf losheulte. Wer war es? Michi. Und was wollte sie? Uns mitteilen, dass in ihrem Zimmer gerade eine fette Kakerlake den Spiegel hochgelaufen ist. Mhm..danke für die Info! Die Ohrstöpsel waren sicher eine gute Entscheidung, auch wenn sie nicht alles filterten. Immer wieder hörte ich die dröhnende Musik aus vorbeifahrenden Autos, die die Fensterscheiben zum vibrieren brachten. Und auch in diverse lautstarke Diskussionen wurde man involviert, ob man wollte oder nicht. Zeitweise wünschte ich mir, dass einer der beiden endlich die Knarre zieht und den anderen zum Schweigen bringt. Aufgrund dieser Vorstellung habe ich dann auch genau das geträumt, dass ich Zeuge eines Mordes wurde. Und was habe ich im Anschluss gemacht? Richtig! Michi angerufen und ihr davon erzählt!
Geplant war für heute ein Strandtag. Nur Markus wollte lieber im Zimmer bleiben und fernsehen. Er wollte schlicht und einfach keine seltsamen Leute mehr sehen. Schließlich lies er sich dann aber doch dazu überreden mitzukommen. Glücklicherweise waren noch kaum Menschen hier, was das Herumliegen angenehm machte. Nach knappen drei Stunden braten lassen, hielten wir die Hitze nicht mehr aus und so wanderten wir ins Hotel, um den Sand abzuwaschen, der sich überall festgesetzt hat. Ja überall, auch dort, wo man es nicht erwartet hätte. Als Nachmittagsprogramm wurde eine Fahrt in die Everglades gewählt, da wir eine Airboat-Tour durch das Sumpfgebiet zuvor ausgelassen haben. Warum das so ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht, aber heute war ohnehin der optimale Tag dafür. Ungefähr eine halbe Stunde außerhalb von Miami befand man sich bereits mitten im Sumpf, der erste Alligator neben dem Highway wurde gesichtet und die Anbieter der Airboat-Touren warben bereits um Kundschaft. Wir entschieden uns für „Floridas Best“. Diesen Zusatz trägt aber vermutlich jeder Anbieter.

Für 22 Dollar wurde eine 40-minütige Tour durch die Everglades versprochen. Nach einer kurzen Runde durch die etwas klein gehaltenen Gehege, in denen sich riesige Alligatoren hoffentlich wohl fühlen, war auch schon Boarding-Time. Unser Guide machte noch Witze, dass das seine erste Tour wäre. Wir lachten. Noch! Keine fünf Minuten unterwegs sahen wir auch schon den ersten mittelgroßen Alligator im Wasser treiben. Eine Vielzahl weiterer folgten, im Gegensatz zu der Tour vor zwei Jahren, wo wir genau einen gesehen haben.  Unglaublich, wie schnell diese Boote werden können, obwohl sie nur von einem verdammt lauten Ventilator angetrieben werden. Eigentlich wollte Tim, unser Guide einen kleinen Stopp einlegen, um uns etwas über das Naturschutzgebiet zu erzählen. Blöderweise war die Stelle ein bisschen zu seicht und wir strandeten. Zuerst wurde noch versucht, mit Hin- und Herwackeln wieder freizukommen, doch das half alles nichts. Also musste Tim aussteigen und von außen helfen, weiterzukommen. Auch erfolglos. Erst als ein anderer Tourist ausstieg und mithalf, kamen wir nach ungefähr 20 Minuten Stillstand mitten im Nirgendwo wieder frei.

Ich denke, dem Helfer wurde auch ein wenig anders, als wir weiterfuhren, denn keine fünf Meter neben der Stelle, wo die beiden im Wasser standen, schwamm der nächste Alligator herum. Am Weg zur Anlegestelle tauchte direkt vor uns einer auf. Zu nahe um auszuweichen oder stehen zu bleiben. Also was macht man in so einem Fall? Natürlich drüberfahren. Es rumpelte kurz, aber ich denke, dass es der Gator überlebt hat. Anschließend hatten wir noch die Möglichkeit, mit einem dreijährigen Jungtier für Fotos zu posieren. Neben dem Anbieter war ein kleiner Shop, kombiniert mit einem Restaurant, bei dem es außergewöhnliche Speisen gab. Also haben wir zu viert eine Portion panierte Froschschenkel und Alligatorenschwanz bestellt. Beides war fritiert und wir zögerten ein wenig, die ersten Bissen zu machen.

Wir begannen mit den Froschschenkeln. Normalerweise sagt man ja zu allem, dass es wie Hühnchen schmeckt. Bei Froschschenkeln stimmte es zumindest ein bisschen. Sie schmeckten wie eine Mischung aus Hühnchen, Suppe und Fisch. Nicht wirklich das Gelbe vom Ei, also gingen wir zu den Alligatorenschwänzen über, die aussahen wie frittiertes Popcorn. Ich weiß nicht, ob es nur an dem Restaurant lag, oder ob das Kroko-Fleisch einfach ein wenig zäh ist. Es wurde irgendwie immer mehr im Mund und weigerte sich lange, den Weg vom Mund in den Magen zu finden. Mit Zitrone beträufelt schmeckte es zwar nicht schlecht, aber auch nicht sonderlich gut. Je nachdem, ob man ein feines oder ein knorpeliges Stück erwischt hat. Vom Geschmack her ist es irgendwie mit nichts anderem zu vergleichen. Vorallem nicht mit Hühnchen. Nach ein paar Stückchen stand fest, dass man es gekostet haben, aber nicht unbedingt als neues Lieblingsessen deklarieren muss. Bereits vor dem Restaurant sahen wir, dass ein Stück weiter vorne scheinbar irgendwas in Brand stand.

Zuerst dachten wir an Brandrodung, um Platz für neues zu machen. (Ich fragte gerade meine Gefährten, ob man roden mit H oder ohne schreibt und Markus stellte die Theorie auf, dass man es ohne H schreiben muss, da man Hoden ja auch ohne H schreibt und das klingt schließlich gleich. Interessante Denkweise!). Je näher wir kamen machte es immer mehr den Eindruck, dass es ein ungewollter Waldbrand war, dessen Rauchwolken verdammt weit in den Himmel ragten. Selbst der übertragungswagen der Local News war vor Ort.
Um den Tag noch auszunutzen, suchten wir den nächsten Best Buy, da es ja gestern nicht hatte sein sollen. Ein wenig enttäuscht mussten wir noch ein letztes Mal einem Walmart einen Besuch abstatten, um uns mit den letzten Mitbringseln auszustatten, die diesmal hauptsächlich aus M&Ms und anderen Fressalien bestanden. Der Großteil der Angestellten konnte kaum Englisch, sondern nur Spanisch. Entweder sie können es wirklich nicht, oder sie wollen es einfach nicht. Hungrig vom vielen einkaufen kehrten wir noch bei Wendy’s ein, um die besten Burger der Welt zu speisen. Wobei, im spanischen Wendy’s war er nicht ganz so lecker. Wir hatten noch eine gute 3/4 Stunde Heimfahrt vor uns, was uns dazu bewegte keinen weiteren Stopp mehr einzulegen. Morgen steht eine Stadtrundfahrt auf dem Programm. Mal sehen wie uns der Rest von Miami gefällt!

Schönen Start in die Arbeitswoche wünschen wir!

4 Antworten zu „Alligatoren links von uns, rechts von uns… und in uns!”.

  1. Hallo zusammen,
    also ich wäre sicher nicht ausgestiegen. Glaub mich hätt der Schlag getroffen wenn ich dann plötzlich einen kleinen lieben Gator neben mir gesichtet hätte.

    Ostern am Strand und wir hatten Ostern mit Schneefall ;-(((. Ungerecht die Welt.

    Hab´s den Ärger über euren gestrichenen Rückflug schon verdaut? Ändert sich jetzt eigentlich eure Ankunftszeit?

    Viel Spaß noch.
    LG Susi

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    1. Hallo!

      Ja Ostern am Meer hat schon was. 🙂
      Wir kommen jetzt am Freitag um 10:05 in Wien an und nicht erst wie geplant am Abend.

      Liebe Grüße von allen aus Miami
      Michi

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  2. Also ich würde meinen daß ihr diesmal einen richtigen Abenteuerurlaub macht!Paßt auf euch auf und kommt gesund zurück!Liebe Grüße Rita

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  3. Hü..Hü..Hü..Hühnchen??? 😉

    Sehr mutig von euch, Krokodil zu kosten…

    Dein Beitrag war sehr unterhaltsam! Irgendwie gemein, sich am Leid anderer zu erfreuen..aber: Kann passiern! 😛

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