Gefällt uns Sydney wirklich??

Üüüääh, was sind wir müde. Wir sind gerade in unserem Hotel angekommen und sehen uns erst mal ein wenig im Zimmer um. Fertig. Mehr als eine halbe Sekunde braucht man für den zwölf Quadratmeter kleinen Käfig nicht. Das Zimmer ist zwar nicht groß, aber dafür wenigstens schön teuer. Und WiFi kostet extra. Willkommen in Sydney!
Doch warum sind wir eigentlich so müde? Ganz einfach, denn der Wecker hat schon um 06:30 geklingelt. In Urlaubszeit ist das so ca. mitten in der Nacht! Da wir die Distanz ein wenig unterschätzt hatten, blieb uns nichts anderes übrig als so zeitig aufzubrechen. Eigentlich wollten wir in den Otway Nationalpark zu einem Baumkronenweg fahren und dort ein wenig herumwandern, doch Robyn, die gesprächige und freundliche alte Dame bei der Touristeninformation in Port Fairy meinte, dass es kurz vor Apollo Bay einen 
Leuchtturm gibt, wo man auf dem Weg dort hin viele Koalas sehen kann. Nachdem ihr gestriger Tipp mit dem Rundgang auf Griffith’s Island schon Gold wert war, vertrauten wir ihr auch diesmal. 
Es stand für uns ohnehin außer Frage, ob wir für die Strecke von Port Fairy nach Melbourne den Freeway nehmen oder doch auch retour wieder über die Great Ocean Road fahren würden. Einen Freeway gibt es überall, die GOR nur hier! Es dauert zwar insgesamt knapp drei Stunden länger, aber die sind es allemal wert! Nach ein paar letzten Stopps bei einigen Aussichtspunkten bogen wir in die Straße zum Cape Otway Leuchtturm und es dauerte nicht lange, da hinderten uns auch schon ein paar Autos an der Weiterfahrt. Der Grund war nicht schwer zu erraten, denn im Baum vor uns saß ein kleiner, kuscheliger Koala! 







Nach gefühlten dreihundert Fotos gingen wir aufmerksamen Blickes zum Auto zurück und entdeckten immer mehr Koalas in den Bäumen sitzen und schlafen. Wir fuhren ein Stück weiter Richtung Leuchtturm, bei dem wir nur hielten zwecks Pipipause. Auch am Weg zurück zur GOR sahen wir noch einige Koalas von den unten stehenden Touristen unbeeindruckt herumhängen. Wäre ich ein Koala, würde ich sie vermutlich mit meinem Poopoo bewerfen. Einfach weil ich es kann!

Wir ließen die Koalas hinter uns und schlängelten uns über die Serpentinen der Great Ocean Road in Richtung Apollo Bay, wo wir ja bereits übernachtet hatten. Beim ersten Tankstopp stellte sich die Frage, ob wir überhaupt Benzin oder Diesel benötigten, da im Tankdeckel klugerweise nichts vermerkt war. Aber was soll’s, No Risk, No Fun! Der Tankwart bestätigte uns in unserer Meinung und so probierten wir es mit Benzin. Nachdem wir bis Melbourne gekommen sind, dürfte es die richtige Wahl gewesen sein.
Da wir nicht gefrühstückt hatten, von ein paar Schnitten und Keksen irgendwann im Auto abgesehen, und es langsam Mittag wurde, überlegten wir ob wir nicht gleich in Apollo Bay Mittagessen sollten, entschieden uns dann aber doch dafür, nach Lorne weiter zu fahren, da wir das noch nicht gesehen hatten. Wir wurden schnell fündig und konnten unseren Hunger stillen. Das Highlight waren auch dort die vielen Kakadus, die die volle Aufmerksamkeit der Besucher genießen, obwohl es eigentlich verboten ist, sie zu füttern. 
Wir genossen noch das letzte Stück der Great Ocean Road, bevor es endgültig auf den Highway ging und Melbourne immer näher rückte. Die Spuren wurden mehr, der Verkehr wurde dichter. Alles kein Problem. Hätte unsere Navi-App nicht völlig andere Vorstellungen von „Flughafen“ gehabt als wir. Es lotste uns nämlich zu irgendeiner Straße, wo uns plötzlich die „Einfahrt verboten“-Schilder quasi erschlugen. Zu unserer Verteidigung ist zu sagen, dass aufgrund einer Großbaustelle rund um den Flughafen kaum etwas angeschrieben ist, weshalb wir uns auf das Navi verließen. 
Nach den diversesten Umwegen, falschen Abzweigungen, kurzer Retourfahrt auf den Freeway und dreifachem Kurvenschneider haben wir es schließlich doch noch geschafft, unsere Karre wieder los zu werden. Die Rückgabe erfolgte genauso problemlos wie die Übernahme. 
Wir suchten alle Informationen bezüglich Abflug zusammen und waren beeindruckt (oder eher entsetzt?) als wir sahen, dass die Flieger zum Teil im 15-Minuten-Takt Richtung Sydney starteten. Wir hatten also vier Stunden Zeit, bis unser Flug startete, also suchten wir uns ein sonniges Plätzchen, genossen die letzten Strahlen der Melbourner Sonne und überlegten was wir in Sydney alles besichtigen wollen.
Als sich unsere Wartezeit langsam dem Ende näherte marschierten wir durch die Sicherheitskontrolle und vertrieben uns die Zeit in den Shops. 
Der Flug selbst war so kurz, dass es sich nicht mal auszahlte, sich anzuschnallen. Kaum in der Luft, wurde auch schon was zum Essen serviert. Eher was zum „Essen“. Es gab Hühnchen mit irgendwas und Falafel mit irgendwas. Der Typ neben mir wählte zweiteres, sah in die Schachtel und tauschte sofort gegen das Hühnchen aus. Hätte ich auch so gemacht. Aber viel besser hat das auch nicht geschmeckt. 




Ich bin ja der Meinung, dass man auf so kurzen Flügen überhaupt nichts zu essen braucht. Getränke ja, Essen nein. Jedenfalls befanden wir uns schon im Landeanflug, bevor die Stewardessen und Stewards überhaupt mit dem abservieren fertig waren und setzten nach etwas über einer Stunde Flugzeit sicher in Sydney auf. 
Mit dem Zug und der Metro führen wir zur King’s Cross Station, der nächsten zu unserem Hotel. Wir waren ein wenig überrascht, denn vom easy going wie es in Melbourne herrschte war hier nicht viel zu sehen. Hier rauchte man in der U-Bahn Station, man schrie herum, man ließ den Mist einfach fallen. Aber gut, es war Freitag Abend, 22 Uhr, also beste Zeit um fortzugehen. 
Wir verließen also die Station und fanden uns am Gürtel Sydneys wieder. Hunderte Menschen, alles blinkte und leuchtete, eine Tittenbar neben der anderen. Hier ein Gentlemen Club, da ein Adult Store, auf der anderen Seite versuchten die Türsteher Leute zu den Showgirls zu locken. Wir fragten uns, ob das wirklich Sydney sein soll. Aber andererseits möchte ich als Tourist auch nicht Freitag Nacht am Schwedenplatz ankommen, wo sich Wien nicht unbedingt von seiner besten Seite zeigt.
Das Hotel zu finden war nicht schwer, auch an den Schlüssel zu kommen war schnell erledigt. Da die Rezeption nicht mehr besetzt war lag dieser in der Schlüsselbox vor dem Haus sicher verwahrt. Die Zimmernummer 37 ließ vermuten, dass unseres im 3. Stock liegt. Es gab nur ein Problem: Es gab keinen Aufzug! Ich warf einen kurzen Blick auf mein „Caution! Heavy!“-Schild, das mir die Flughafen-Tante auf meinen Koffer geklebt hatte, seufzte kurz und fand mich damit ab, ihn durch das enge Stiegenhaus zu schleppen. 
Wie bereits erwähnt ist das Zimmer das bisher kleinste und auch teuerste. Aber das ist in Sydney normal. Eigentlich wollten Anita und ich morgen zur Feier des Tages fein dinieren und leben wie die Könige, da wir eine Woche Hotels ohne ihn feiern wollten. Doch wir haben die Rechnung ohne Sydney gemacht. Denn hier hängt er. Unbarmherzig und ekelhaft. Hässlich und klebrig. Ständig drauf und dran sich nur bei der kleinsten Unaufmerksamkeit an dich zu kleben wie eine zweite Haut. Er kann deine Angst riechen: Der Duschvorhang!
Von meiner Betthälfte aus habe ich einen optimalen Blick zu dem Spalt zwischen Kühlschrank und Arbeitsplatte in der „Küche“, auf dem es sich nachts scheinbar diverse Tiere gemütlich machen. Auch dieser kleine Freund war dabei:

Anita gab auch ihm einen Namen, da auch er einen verdient hatte: Ugly Stan. Wenig schmeichelhaft. Zurecht.
Nun werden wir den Straßen- und Feierlärm ausblenden und unseren verdienten Schlaf genießen. Und morgen wird sich Sydney hoffentlich schon wieder von einer ganz anderen Seite zeigen.

2 Antworten zu „Gefällt uns Sydney wirklich??”.

  1. Ugly Stan…gefällt mir.

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  2. Es kann nur besser werden… =)

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