Gleich mal das Schlimmste vorne weg: Richard Lugner? Genauso tot wie das Streifenhörnchen? Ruhe in Frieden, du letztes Wiener Original! Such dir ein schönes Platzerl, von dem aus du deine cholerischen Anfälle und unterhaltsamen Aussagen weiterführen kannst. Du wirst in der österreichischen Medienlandschaft definitiv fehlen!
Die Nacht war trotz der harten Matratze (oder gerade deshalb?) sehr entspannend. Abgesehen von komischen Geräuschen gegen halb zwei in der Früh. Waren es die Kinder? War es der Regen, der auf irgendein Blech trommelte? Eine Maus in der Küche? Ich war mir eigentlich sicher, dass es ein Serienmörder war, der sich Zutritt zu unserem Apartment verschaffen wollte und mit den Hausbesitzern zusammenarbeitete. Und der Sprudel von gestern sollte uns gemeinsam mit den extra für uns gebackenen Muffins betäuben, dass wir uns nicht wehren könnten. Ha, nicht mit uns! Irgendwann wurde es mir dann aber zu blöd, im Türrahmen zu warten, bis Jason rein kommt um uns abzumurksen, also legte ich mich wieder aufs Ohr und schlief weiter wie ein Stein. Apropos Stein: hier noch ein Foto von den Felsbrocken, die gestern den Weg zum Hotel versperrt hatten und erst weggeräumt werden mussten:

Als ich aufwachte war fürs Frühstück schon alles vorbereitet und ich dachte mir „Hey, wenn’s hier schon eine Pfanne, Speck und Eier gibt, mach ich mir eben ein Champion-Frühstück“, was mit der Pfanne, die aufgrund ihrer Ausbeulungen eher ein Wok war, herausfordernd, führte aber doch zum Ziel.

Hervorragend gestärkt, wurden unsere gefühlten 700 Sachen aus den gefühlten 700 Zimmern wieder zusammen gesammelt, bis Julia meinte, es sei eine gute Idee, sich in Kerstins Zimmer einzusperren. Achtung, Spoiler: War es nicht! Zuerst versuchte Kerstin mit einer engelsgleichen Geduld, ihr zu erklären, wie die Türe denn wieder aufgehen würde, was leider nicht so ganz funktionierte. Nach ein paar Minuten hatten wir es dann aber gemeinschaftlich geschafft, sie wieder zu befreien und wir konnten uns schweren Herzens in Richtung Mont Tremblant bewegen.
Leider machte uns eine weitere Straßensperre einen Strich durch die Rechnung, heute weniger als drei Stunden fahren zu müssen. Unterwegs bremste das Auto vor uns plötzlich ohne ersichtlichen Grund ab. Ich hoffte ja auf eine Bärensichtung. Oder was anderes spannendes. Vielleicht hatte er auch ein Streifenhörnchen überfahren und wollte es uns zeigen? Vielleicht wurde wieder ein Streifenhörnchen zum steifen Hörnchen? Der ältere Herr stieg aus, kam zu uns und erzählte uns auf Französisch irgendwas. Erst nach seinem ersten Redeschwall konnten wir ihm sagen, dass wir nur Englisch sprächen und er versuchte zu erklären, dass die Straße ein Stück weiter gesperrt wäre. Mal wieder.
Irgendwie sind wir dann doch ein Stück weiter gekommen und da es bereits mittags war, kehrten wir in Anita’s Restaurantrechercheergebnis (Tipp für die nächste Runde Hangman!) Resto 601 in Notre Dame de la Merci ein und stärkten uns mit Suppe, Pizza und Spaghetti. Positivste Überraschung war, dass wir Plastikstrohhalme bekamen. Eine Erfindung, der ich tatsächlich nachtrauere.

Wie üblich aßen die Kids wie kleine Spatzen und unser neues System, einfach ein bis zwei Portionen weniger zu bestellen ging voll auf. Wir schätzten, wie lange es wohl diesmal dauern würde, bis die Kinder nach dem Mittagessen sagen, dass sie Hunger hätten:
- Emilia: 15 Minuten
- Julia: 16 Minuten
- Anita: 25 Minuten
- Kerstin: 30 Minuten
- Chris: 45 Minuten
Nachdem die Kids kurz nach dem Starten des Motors wieder eingeschlafen waren, kürten wir heute ausnahmsweise keinen Gewinner. Unterwegs kam es immer wieder vor, dass uns ein oranges Straßenschild förmlich anschrie, dass die Straße gesperrt wäre. Die Umleitungen waren teils gut ausgeschildert, teilweise gar nicht. Absolutes Lowlight war die Ausweichroute über eine Schotterstraße, bei der selbst mir übel wurde. Die Schlaglöcher waren so tief, dass sich Julia heißes Wasser einlassen und ein Private Spa daraus hätte machen können. Ich hatte ein wenig Angst um unser Auto. Also eigentlich nicht ums Auto, sondern vor der Rechnung, die wir präsentiert bekommen würden, sollten wir es schrotten. Abgesehen davon, dass es dank fehlenden Empfangs nicht möglich gewesen wäre, Hilfe zu rufen. Durch die ganzen Sperren haben wir in Summe dann statt unter drei, knappe viereinhalb Stunden gebraucht, was mich massiv nervte, da ich eigentlich nicht schon wieder so viel Zeit im Auto verbringen und sie sinnvoll nutzen wollte. Da machte dann selbst mir das Autofahren keinen Spaß mehr und ich war froh, mit einer Menge Verspätung endlich am Parkplatz des Mont Tremblant angekommen zu sein.

Im Winter kommen die Reichen und Schönen hier her zum Skifahren und die Häuser sehen aus, als wären wir im Disneyland gelandet. Alles übertrieben kitschig, aber trotzdem schön anzusehen.

Vom Parkplatz aus führt eine kleine, kostenlose Steh-Seilbahn nach oben. Also halt eine Seilbahn in der man steht. Und während ich das schreibe fällt mir ein, dass man eigentlich in so gut wie jeder Seilbahn steht. Egal.. Wir dachten jedenfalls, dass sie zum Berggipfel führt, aber nach etwa 200 Metern war Schluss und wir wurden nur bis zum Fuße des Berges gebracht. Dort befand sich das eigentliche Drehkreuz aller Aktivitäten.





Da es bereits kurz vor 4 war, holten wir uns noch schnell Tickets für die Gondel. Eigentlich wollten wir rauf fahren und runter wandern. Solche Tickets wurden aber leider nicht verkauft, sondern nur entweder Berg- und Talfahrt oder nur Talfahrt. Ich hoffe mal, dass es im Winter andersrum ist, sonst bezweifle ich, dass sie den Sinn eines Skilifts verstanden haben. Jedenfalls fuhren wir mit der Gondel rauf, spazierten oben eine knappe Stunde herum und genossen den Ausblick.





Von Badeschlapfen aus manch besserem Hotel bis hin zu meinem (vielleicht leicht übertriebenen) Schuhwerk war bekleidungstechnisch alles vertreten.

Leider konnten wir keinen der Wanderwege absolvieren, wie es eigentlich geplant gewesen wäre, da die letzte Gondel um 17:00 Uhr talwärts fuhr. Hätten wir nicht so viel Zeit mit irgendwelchen Umfahrungen vergeudet, hätte alles super geklappt. Aber gut, die Unwetter und daraus resultierenden Schäden hatten wir schlichtweg nicht eingeplant. Von den Regenmassen selbst haben wir übrigens gar nichts mitbekommen (von ein paar kurzen, heftigen Schauern abgesehen), sondern nur von deren Auswirkungen.
Wieder unten angekommen wurden die Kids magisch von einer Trampolinanlage angezogen und nach ein wenig Diskutieren haben wir es ihnen erlaubt zu springen, also wollte ich die Tickets holen. Ganz so einfach war das aber nicht, denn man musste zusätzlich vorher einen Zeitslot buchen und der nächste freie war erst in über einer Stunde. Uns Erwachsenen war das zu lang, den Kindern natürlich nicht. Kurzform des Folgenden: Enttäuschung, Tränen, Drama, Eltern werden erweicht, kaufen also trotzdem Tickets, weil die zwei Hexen tatsächlich unglaublich brav sind, wenn’s um lange Autofahren geht. Kurze Randnotiz: Aufgrund eines kleinen Unfällchens bei der ersten Fahrt gibt es übrigens kein Tablet mehr beim Autofahren, also fällt die geplante Ruhigstellung damit aus und sie müssen sich selbst eine Beschäftigung suchen.
Jedenfalls dachte ich zuerst, die nette Dame an der Kasse hätte mich falsch verstanden und Sprungtickets für die ganze Familie gebucht, doch es waren tatsächlich nur zwei Eintrittskarten. Um den stolzen Preis von 48$. Für vier Minuten springen. Hätten wir das vorher gesehen, hätten wir uns das wohl gespart. Naja, wie auch immer. Hauptsache die Kinder waren glücklich. Wir hatten noch eine Stunde Zeit und überlegten, wie wir die Zeit rumbringen sollten. Die Mountain Carts waren eine perfekte Möglichkeit, also hin zum Ticketschalter und ab zur nächsten Enttäuschung. Man müsste jeweils mindestens zweimal fahren, was uns dann aber für die ganze Familie mit 28$ pro Person doch zu teuer war. Somit schickten wir Kerstin alleine auf die Piste und beobachteten sie beim Runterflitzen. Sie hatte auf jeden Fall sichtlich Spaß.


Unser gebuchter Zeitslot zum Hüpfen war für 18:00 Uhr, also waren wir rechtzeitig um 17:45 Uhr dort. Und mussten uns anstellen. Ohne dass die Bestätigung der Buchung kontrolliert wurde. Somit hätten wir also auch auf den Slot pfeifen und uns gleich direkt nach dem Ticketkauf anstellen können. Aber wie heißt es so schön? Nachher ist man immer klüger. Ich schätze, dass die gesamte Anlage bei dem Andrang und den Preisen an einem einzigen Tag refinanziert wurde.

Um 18:40 Uhr war es dann endlich soweit und Emilia und Julia konnten ihre vier Minuten Spaß genießen.

Glücklich – also die Kinder – fuhren wir die knappen 10 Minuten ganz ohne Straßensperre oder Zwischenfall in unser Hotel, das Microtel by Wyndham Mont Tremblant. Die Kids hatten noch Hunger, also holten wir uns beim Café direkt neben dem Hotel zwei Joghurts mit Früchten und für mich einen kalten XXL-Kaffee. Gut, dass man die seichte Suppe trinken kann wie einen Softdrink. Wir haben bereits darüber gesprochen, wer denn was von zuhause vermissen würde. Bei mir steht ein starker Kaffee definitiv sehr weit oben. Morgen werden wir es ein wenig ruhiger angehen und noch den hoteleigenen Indoor Pool nutzen, bevor es in die Hauptstadt Ottawa geht.
Wie gewohnt, hier noch ein paar Schnappschüsse:








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