Von Zimtschnecken, Furzkissen und Surströmming

Offensichtlich war der gestrige Tag anstrengender als gedacht, da wir allesamt bis knapp 08:00 Uhr schlafen konnten. Aber wozu den Wecker stellen, wenn wir doch auf Urlaub sind? Das inkludierte Frühstück ließ keine Wünsche offen: angefangen bei einer riesigen Auswahl an Wurst und Käse, über frisches Obst, bis hin zu warmen Palatschinken und Waffeln zum Selbstmachen war alles dabei. 

Omnomnomnom

Nachdem der Wetterbericht bescheidene 17 Grad bei durchgehender Bewölkung vorhersagte, packten wir nach dem Essen die Pullis und Jacken ein und machten uns auf den Weg Richtung Haga, dem ältesten Stadtviertel Göteborgs. Da wir keinen Stress hatten, ließen wir uns Zeit, spazierten mal links, mal rechts, machten zwischendurch Pause auf den Spielplätzen, bis wir schließlich unser Ziel erreichten.

Quasi eine Pflichtaufgabe ist es, den teilweise recht steilen Weg rauf zur Skansen Kronan zu absolvieren. Es handelt sich hierbei um eine Festungsanlage, die zur Verteidigung gegen einen möglichen dänischen Angriff auf Göteborg gebaut wurde. Die Nachbarn waren also nicht immer Freunde. Heute erinnern nur noch einer der Wachtürme und ein paar Kanonen an diese Zeit. Da der Turm gerade renoviert wird und er ohnehin von einem privaten Betreiber ausschließlich für Veranstaltungen vermietet wird, hielt sich das Spannungslevel in Grenzen. Aber zumindest die Aussicht von oben auf die Stadt war es wert, die vielen „mir ist so heiß“s und „ich kann nicht mehr“s in Kauf zu nehmen. 

Skansen Kronan mit der namensgebenden Krone am Dach.

Mittlerweile ließ sich übrigens auch die Sonne blicken und es war angenehm warm. Das war natürlich optimal, denn unser nächster Weg führte uns zum kulinarischen Highlight dieser Gegend: Die riesigen Zimtschnecken im Café Husaren. Mit 500 Gramm sind die tellergroßen Hagabullen genannten Diabetesbeschleuniger die größten der Welt und entsprechend bekannt. Wir hatten Glück und konnten uns einen Tisch im Freien sichern, den Anita verteidigte, während ich mit den Mädels die Spezialität für knapp 12€ von der Theke holte. 

„Meeeein Gott, ist es im Kaffeehaus immer so langweilig?“

Das Resümee fiel gemischt aus: Anita und ich fanden sie ganz okay, Emilia meinte, dass die von unserem Bäcker besser wären und Julia schmeckte sie gar nicht. Zu dritt schafften wir gerade mal eine halbe Schnecke und so packten wir den Rest für später ein. 

Am Rückweg zum Hotel entdeckten die Kids einen weiteren Spielplatz, auf dem sie sich austobten bis es zu regnen begann. Das schwedische Wetter kann ganz schön launisch sein. In der einen Minute knallt die Sonne runter, in der nächsten schüttet es und man braucht Pulli und Jacke, um nicht zu erfrieren.  

Huuuuiiiii! Solange lustig, bis einer speibt.

Da wir einen alternativen Rückweg nahmen, um nicht immer dieselben Straßen entlang zu laufen, und der Regen schnell wieder verschwand, kamen wir an der Fischkirche vorbei, die wir gestern schon vom Boot aus sahen. Wir betraten die Kirche (die in Wirklichkeit eine Handvoll Fischhändler beherbergt und in der Mitte zahlreichen Gästen Platz bietet, die frischen Fische mit einem Glas Wein hinunterzuspülen) und ich überlegte, ob ich eine Dose des berühmt-berüchtigten Surströmmings mitnehmen sollte. Noch hab ich mich nicht getraut, primär aus Angst, dass die Dose mit dem gärenden und äußerst übel riechenden Herings im Flugzeug explodieren könnte und ich somit den gesamten Inhalt des Koffers gleich direkt in Wien Schwechat entsorgen müsste.

Soll ich oder soll ich nicht?

Viel größeres Highlight für die Kids war allerdings ein Fachgeschäft für Scherzartikel und Faschingskostüme, an dem wir natürlich nicht vorbei gehen konnten. Das Portfolio reichte von bunten Perücken, über Furzkissen (Emilias großer Traum: einmal eines zu besitzen!) und Fake-Kackhaufen (Julias größte Sorge: dass die echt seien!), bis hin zu aufblasbaren Penissen für den Polterabend (Anitas größter Trau.. ach, lassen wir das!). Es gab alles was kein Mensch brauchte, aber trotzdem irgendwie lustig war. 

Okay, an einem Geschäft, in dessen Auslage eine Puppe mit einem Hummer-Kostüm steht, kann man ja eigentlich gar nicht vorbei gehen.

Im Hotel angekommen, war es dringend Zeit, dass ein wenig Ruhe einkehrte, da wir schon knapp acht Kilometer auf den Beinen zurückgelegt hatten. Dadurch, dass die Stadt eine angenehme Größe hat, sind die meisten Ziele bequem zu Fuß erreichbar. Generell fielen uns heute einige Dinge in Göteborg auf: 

• Es gibt viele Hunde aber wenig Kacke. 

• Es gibt viele Räder aber wenige Autos. 

• Es gibt viele Straßen aber wenige Ampeln. 

• Und es gibt viele Touristen, aber wenige davon sind keine Deutschen. 

Fürs Abendessen mussten wir nochmals raus und die Kids entschieden sich für Tacos. Am Weg zum Hauptbahnhof, der keine 200 Meter vom Hotel entfernt liegt, wurden wir von Fundraisern angesprochen, ob wir nicht etwas spenden wollen würden. Zumindest denke ich, dass sie uns darum gebeten haben, denn mein Schwedisch ist ein wenig eingerostet. Scheinbar sehen unsere Kinder aber so schwedisch aus, dass wir von den lokalen Spendensammlern als Landsmänner erkannt und entsprechend behandelt werden.

Der Hauptbahnhof Göteborgs, der sowohl von Zügen, als auch von Bussen genutzt wird.

Leider war auch das heutige Abendessen ein kleiner Reinfall, denn es schmeckte nicht sonderlich. Vor allem Julia war mit der Wahl ihres Kindertellers nicht sonderlich zufrieden und verweigerte, was aufgrund der stark gewürzten Soße auch kein Wunder war. Das wirkte sich natürlich wiederum negativ auf die Stimmung aus. Und schon waren wir wieder beim selben Thema wie gestern: Hunger + Müdigkeit + zu viel Programm = Mental Breakdown! Die Gleichung ist ja offensichtlich recht einfach, aber scheinbar haben wir es noch nicht geschafft, die einzelnen Variablen so in den Griff zu kriegen, dass der Tag für alle gleichermaßen schön endet. Aber ein paar Tage haben wir ja noch, um das zu optimieren. Ob es uns gelingen wird, steht noch in den Sternen. Aber ihr werdet es auf jeden Fall hier erfahren…

Das Beste daran war das Glas Sauvignon Blanc.
„Julia, komm, hör auf zu trotzen, wir gehen wei… Achso, das bist ja gar nicht du!“

4 Antworten zu „Von Zimtschnecken, Furzkissen und Surströmming”.

  1. Avatar von sublimehappilye31a6ada3e
    sublimehappilye31a6ada3e

    Ich kann es nur wiederholen, deinen Blog zu lesen ist ein Genuss! Liebe Grüße, Eveline

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen lieben Dank, das freut mich 🥰

      Like

  2. Avatar von Dominik (Riedmayer)
    Dominik (Riedmayer)

    Jetzt habe ich es eeeendlich geschafft, einen Blog von dir auf deiner leiwanden URL zu lesen…

    Hatte es wirklich SIIIEEEBZEEEEEEHHHHHHN Grad? 🤔

    Schööönen Urlaub noch! 🤩

    Gefällt 1 Person

    1. Das kann kein Zufall sein, oder? 🤭
      Vielen Dank! 🤩

      Like

Hinterlasse einen Kommentar