Welcome to paradise – Miami und Key West

Welcome to paradise – Miami und Key West

13. Mai 2010

Wir sitzen gerade mal wieder im Auto und fahren in Richtung Key West, dem angeblich weltschönsten Sonnenuntergang entgegen. Allerdings nur mehr zu dritt. Die Befürchtungen sind wahr geworden. Unsere Wege haben sich getrennt. Also fahren Markus, Michi und ich alleine weiter. Wie es dazu gekommen ist später.

Zeitig in der Früh stand die Abfahrt Richtung Miami auf dem Plan. 30 Minuten Fahrzeit sind mittlerweile gar nicht mehr erwähnenswert. Bei bevorstehenden Strecken unter 4 Stunden gibt’s auch kein „Waaaas? So lang?“ mehr. Der Mensch ist ein Gewöhnungstier. Bei den 30 Minuten blieb es aber nicht ganz, da Fräulein Shu-Shu neue Glupscherscheiben braucht. Gar nicht so einfach, hier in Florida Kontaktlinsen zu bekommen. Nach zwei erfolglosen Stopps sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass Dioptrin-Otto eben vorerst das Nasenfahrrad verwenden muss, sollten die letzten Linsen auch noch zerstört werden.

Angekommen in Miami standen erstmal die Münder offen. Riesige Hotelanlagen und Hochhäuser, eine feine Skyline. Daneben ein breiter, feinsandiger Strand. Es gab nur eine Möglichkeit: Auto abstellen und runter zum Meer. So etwas wie dort habe ich noch nie gesehen. Türkisblaues, klares Wasser, soweit das Auge reicht, Palmen, der Sandstrand und wir mitten drin. In the middle of fucking paradise!

Nachdem dort nirgends Umkleidekabinen oder was vergleichbares zu finden waren, mussten wir uns eben am Strand umziehen. Mit unserem Glück kam natürlich genau in dem Moment, als alle beim Umziehen waren ein Pick-Up vorbei. Aufschrift: Beach Patrol. Es blickten ihm entgegen: 5 nackte Hintern. Perfektes Timing! Aber Gott sei Dank fuhren sie an uns vorbei. Wieder alles ordnungsgemäß verpackt ging es ab in die Fluten. Die Wellen waren zwar gestern in Fort Lauderdale geiler, aber diese Strand-Meer-Kombination kann so schnell nichts mehr übertreffen! Nach dem Aufladen unserer Sonnentanks mit feinster Miami-Beach-Sonne war die wohl berühmteste Straße Miami’s das nächste Ziel: Der Ocean Drive. Links der Strand mit ein paar Bodybuilder, rechts ein feines Lokal bzw. Hotel neben dem anderen. Hier reihen sich die Lamborghinis, Corvettes und Mustangs, wie bei uns der Golf, Focus oder ähnliches. Scheinbar Allerwelt-Autos hier. Miami – der Spielplatz der Reichen und Schönen!

Die kurze Runde auf Star Island, dem Wohnort von Wrestle-Legende Hulk Hogan und anderen Berühmtheiten, endete allerdings rasch. Am Schranken. Die Wachleute erkannten unseren Celebrity-Status leider nicht. Amateure! Trotzdem waren einige nicht unbekannte Personen zu sehen. George Clooney und 50 Cent wurden gesichtet. Allerdings nur von Curly Sue. Wahrscheinlich macht ihr die Sonne langsam zu schaffen.

Auf und der Ziege nach“ hieß es danach wieder. 4 Stunden Fahrt nach Key West, dem südlichsten Punkt Amerikas. Wir wären vermutlich schon dort, wenn sich Michael nicht plötzlich eingebildet hätte, er müsse jetzt aussteigen und auf unser mobiles Zuhause verzichten. Aber er hatte einen triftigen Grund. Was wäre ein Florida-Besuch für einen Motorrad-Fan ohne ein wenig Harley-Cruising? Man kann es ihm schwer übel nehmen. Auch wenn ich es gerne würde. Wir sind schließlich schon fast eine Woche unterwegs. Und das ohne Streit! Gott sei Dank! Also noch schnell etwas anderes angezogen, die Ehefrau auf den Rücksitz geschnallt und ab gings. Auf der Harley über unzählige Brücken. Links und rechts das türkisblaue Meer. Im Gesicht der Wind der Freiheit. Ich werde ihn und seine Harley-Braut nachher darum bitten, dieses Gefühl in ein paar Worten zu beschreiben.

Nun werde ich aber selbst auch das Netbook schließen und diesen einmaligen Ausblick genießen. Sowas erlebt man vermutlich nur einmal im Leben. Und genau deshalb sollte man es auch richtig auskosten! Teil 2 wird dann abends im Hotel fertiggestellt.

Fortsetzung von Key West

Nachdem der Abend gestern etwas länger gedauert hat und das feine Mariott-Hotel ohnehin kein WLAN hatte, schreibe ich die Fortsetzung nun eben am Weg Richtung Everglades. Fräulein Shu-Shu-Curly-Sue, Prinzessin Navigator und ich im Auto, MJTD (Mike Jank, Toilet Destroyer) und seine Braut auf der Harley hinter uns.

Eines vorweg: Wenn es ein Paradies gibt, muss es in Key West sein! Eine Gegend, die man mit Worten schlichtweg nicht beschreiben kann. Auch nicht mit Fotos. Das hier muss man selbst erleben. Den Flair. Die Leute. Die Umgebung. Das Schild bei der Einfahrt zu Key West hat es verdient, diese Aufschrift zu tragen: Welcome to paradise!

Wie bereits erwähnt, ist der südlichste Teil der USA für den wunderschönen Sonnenuntergang bekannt. Nachdem das Hotel ein wenig außerhalb des Zentrums lag, mussten wir mit dem Taxi zum Mallory Square, wo das ganze am Besten zu beobachten ist. Alleine die Taxi-Fahrt ist hier ein Erlebnis. Nur zur Erinnerung: Wir sind zu fünft. Ein normales Taxi hat Platz für vier Gäste. Alles kein Problem hier. Das Motto des Taxi-Fahrers war „I don’t mind. If you don’t mind, get in“. Zu viert auf der Rückbank bequem gemacht, zeigte uns der Fahrer ein wenig die Sehenswürdigkeiten von Key West und gab uns ein paar Insider-Tipps. Taxifahren wird hier nach bestimmten Regionen und pro Person abgerechnet. Egal, wie lange man im Auto sitzt. Er erklärte uns noch, was das Geheimnis an der Partygegend Key West ist: „This city believes in alcohol. Everyone can get some everywhere.“

Angekommen am Mallory Square direkt hinein ins Vergnügen. Zahlreiche Straßenkünstler unterhalten die Leute um sich ein bisschen (oder ein bisschen viel) Geld dazuzuverdienen. Maler an der einen Ecke, Wahrsager auf der anderen. Ein Mann, der eine Katze durch einen brennenden Reifen springen lässt. Artisten auf einer Hochleiter. Eine Mischung aus Straßenzirkus und Freakshow. Ein scheinbar sturzbetrunkener „Zauberer“ zeigte uns seine Künste mit zwei Kartentricks, die zwar nichts atemberaubendes waren, und aber trotzdem begeisterten.

Der Sonnenuntergang versteckte sich leider unter einer dicken Wolkenschicht, die wie aus dem Nichts aufgetaucht ist. Fast 2000 km gefahren und dann eine Wolke vor der Sonne? Ein wenig enttäuschend. Aber trotzdem schön! Die perfekte Fotokulisse noch schnell genutzt, gings zu einem der vielen Straßenstände um den Urlaub mit einem Cocktail zu feiern. Ein Großteil der Leute, die hier arbeiten sind ausgewandert. Viele auch aus Europa. Ein Pole, der unsere Drinks (im Grunde genommen halb Smoothie, halb Bacardi Dark Rum) gemixt hat, machte uns den Mund wässrig, als er uns erzählte, dass er hier gutes Geld verdiene. Mit Cocktails ausschenken. Mit Blick auf den Sonnenuntergang. Fünf Tage die Woche. Drei Stunden am Tag. Von 19 bis 22 Uhr. Wenn ich daran denke, dass mich zu Hause eine im besten Fall 40-Stunden-Arbeitswoche mit Blick auf einen LKW-Verladeplatz erwartet, würde ich am liebsten zu Weinen beginnen. Nur als Anmerkung für Mama Schnuffi: Ich arbeite in einer Spedition, also nichts mit Schriftsteller, Buchautor oder sonst etwas 🙂

Vom Mallory Square weg führt die Duval Street, einer Vergnügungsmeile mit einer Bar mit Live-Musik neben der anderen. Vergleichbar mit dem Bermuda Dreieck in Wien. Wobei… nein, das wäre die reinste Beleidigung für Key West.

Nachdem das letzte richtige Essen das Frühstück gewesen ist, machte sich langsam der Hunger breit. Also auf zu einem der kleinen Essensständen und Minirestaurants. Es ist unglaublich, wie gut und relaxed die Leute hier alle drauf sind. Ein Foto mit dem Koch musste natürlich noch sein. Er machte schließlich die besten French Fries und Chicken Fingers vermutlich in ganz Florida. Also einfach rein in die Küche, Foto gemacht, Handshake und weiter. Wenn man in Wien bei einer Würstelbude die Tür aufmachen würde und dem Koch sagt, man will ein Foto mit ihm, müsste man vermutlich mit einer wüsten Schimpforgie rechnen. Wobei, wer will schon ein Erinnerungs-Foto mit einem Wiener Würstelverkäufer…

Next Stop: Die weltbekannte Sloppy Joe’s Bar, wo einst Ernest Hemingway seine Drinks zu sich genommen hat. Am Weg dort hin saß ein schwarzer Mann auf der Straße, der auf leeren Kübeln getrommelt hat, als gäbe es kein Morgen. Obwohl er immer denselben Beat spielte, mussten wir gute 10 Minuten dort stehen und ihn einfach anstarren. Faszination pur. Zwischendurch kam ein anderer Tourist vorbei, der einfach so zu dem Beat angefangen hat mit Breakdance. Hier passt einfach alles zusammen!

Nach einem kurzen ID-Check also endlich hinein in Sloppy Joe’s Bar. Ich weiß nicht, wie oft ich dieses Wort nun schon verwendet habe, aber es passt hier auch wieder: Unglaublich! Wenn in einem Wiener Lokal dieser Art eine Live-Band spielt, würden vermutlich ein Großteil der Gäste nur sitzen und ab und an ein bisschen Applaus spendieren. Nicht hier. Im Paradies ist alles anders. Die Leute feiern, sind gut drauf, kein Stress. Nachdem wir uns an die Bar gestellt haben, kam ein Typ auf uns zu, der in das typische High-School-Football-Team-Liebling-aller-Mädchen-Klischee passte. Wir dachten, dass er uns Stress macht. Vielleicht mit einem Macho-Spruch wie „Hey, that’s my bar. Get the fuck out of here“. Was er wirklich gesagt hat, war „Hey, welcome to Key West!“. Handshake. Wo zum Teufel passiert dir sonst so etwas? In Wien muss man aufpassen, nicht den Falschen schief anzuschauen, um nicht blöd angemacht zu werden. Aber hier? Friede, Freude, Eierkuchen!

Bei der Band merkte man richtig, dass sie es allesamt genossen, die Leute zu unterhalten. Für sie ist es wahrscheinlich keine Arbeit, sondern das reinste Vergnügen. Wäre ich hier DJ, wäre es mit Sicherheit nicht anders!

Bei der Heimfahrt erklärte der nicht mehr ganz nüchterne Toilet-Destroyer dem Taxi-Fahrer die Welt. Wie alle hier, fragte auch er, woher wir kommen. Nachdem er es erfahren hat, meinte er, dass Wien den „worst coffee ever“ hat, der nach Seife schmeckt. Sagt einer, in dessen Heimat alles einen Chlor-Geschmack hat. Perlen vor den Säuen.

Leider vergeht die Zeit hier einfach viel zu schnell. Oder wir haben uns zu viel vorgenommen. In zu kurzer Zeit. Bis jetzt könnte man in jedem Ort, in dem wir waren, locker zwei Wochen und länger aushalten. Aber dafür reicht die Zeit nicht. Leider!

Nun hoffe ich, im nächsten Hotel wieder ein offenes Netzwerk zu finden, um euch den gestrigen Tag nacherleben zu lassen. Wie man an der Länge des Berichts sehen kann, haben wir jede Menge erlebt an nur einem Tag. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass hier so viele Dinge in sehr kurzer Zeit passieren. Einmal umgedreht, hat sich die ganze Welt hinter einem schon wieder geändert. Kurz nicht hingesehen, steht plötzlich ein Zauberer neben einem, gleich darauf ein komplett silberfarben angemalter Schausteller.

Wer bis hier mit dem Lesen durchgehalten hat, bekommt meinen besonderen Dank!

Bis bald!

Gastkommentar von Michael zum Thema Harley-Fahren in Florida:

Also erstmal möchte ich, ich denke mal stellvertretend für uns alle, meinen Respekt für den Blog aussprechen, wir selbst freuen uns immer schon darauf Chrisi’s Niedergeschriebenes zu lesen. …als wär man wirklich dabei gewesen… 🙂

Auf der fahrt Richtung „Most Southern Point“ tauchte plötzlich kurz nach Miami auf der rechten Seite ein Harleyverleih auf und ich hatte nur einen Gedanken: was gibt es geileres, als auf einer Harley, mit meiner Braut hinten oben, auf den Keys Richtung Sunset zu cruisen. Also kurz aufgeschriehen „Oida, bleib stehen, ich will mit einer Harley fahren!“

Gesagt getan, einmal kurz die Kreditkarte und den Führerschein gezückt und schon

war die Road King für 24 Stunden mein. „Ride it, like you stolen it“ rief mir der Verleiher noch hinterher und das war mein Stichwort. Also den fetten V2 angeschmissen, Carina hinten drauf gepackt und das fette Hämoridenmassagegerät raus auf den Highway bewegt. Es ist einfach fucking awesome auf den Brücken nach Key West, mit meiner Geliebten und meiner Frau 🙂 dahin zu cruisen und rundherum nichts anderes als türkisblaues Meer zu sehen. Eigentlich ist es unbeschreiblich und ich bin mir sicher, dass man diese unzähligen Erlebnisse und Eindrücke auch erst in good old Vienna zu realisieren anfängt. Geiler Roadtrip… Liebe Grüße an Alle, der Toilet Destroyer

Gastkommentar von Carina zum Thema Harley-Fahren in Florida:

Da Michael TD die Tastatur schon zum Rauchen gebracht hat, werde ich mich eher kurz halten. Ich sag nur Wahnsinn oder wie die Amerikaner so schön sagen it´s awesome!

Es ist einfach nur genial, wenn man auf die Harley aufsteigt, der Wind einem um die Ohren flattert und man beim Cruisen links und rechts bis zum Horizont nur türkisblaues Meer sieht. Das Welcome to paradise Schild ist keine Übertreibung, viel schöner kann es im Paradies bestimmt nicht sein!

2 Antworten zu „Welcome to paradise – Miami und Key West”.

  1. Avatar von Markus Schick
    Markus Schick

    In Worte kann mans vermutlich kaum besser beschreiben, unglaublich einfach!
    Achja heute „Abend“ steht die Video-Konferenz am Programm =)

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    1. Ich weiß leider nicht, ob das hinhaut. Im nächsten Hotel gibts nämlich kein WLAN 😦
      Aber trotzdem schonmal viel Spaß heut Abend! 🙂

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