Es ist gerade 17:20 nach der österreichischen Zeit und wir sitzen im Flieger. So wie eigentlich schon den ganzen Tag. Langsam wird es echt unangenehm. Die Anzeige am kleinen Bildschirm im Sitz meines Vordermanns zeigt an: Flight Time Remaining – 07:09. Das steht allerdings Gott sei Dank schon seit wir eingestiegen sind. Wir befinden uns gerade über Grönland. Genauer gesagt 10668 Meter über Grönland, Geschwindigkeit 827 km/h, die Außentemperatur beträgt angenehme -54°C.
Der Wecker läutete heute früh (oder besser gesagt mitten in der Nacht) um 03:55. Nach einem letzten Check, ob alles Notwendige auch ordnungsgemäß verstaut wurde und einem Happen Apfelstrudel war es auch schon Zeit für die Verabschiedung von meiner Freundin und Familie. Kurz und schmerzlos – vermutlich die einfachste Lösung! Die zwei Michis, Carina und Markus warteten schon ums Eck mit dem Taxi, also konnte der Trip endlich beginnen. Um kurz nach 5 Uhr standen wir also am Flughafen in Wien Schwechat. Für so eine unchristliche Zeit waren schon verdammt viele Menschen am herumwuseln. Die einen waren gähnend mit einem Coffe-to-go-Becher und riesigen Augenringen unterwegs, die anderen putzmunter und topmotiviert für den bevorstehenden Urlaub. Ich hatte Augenringe und war trotzdem motiviert. Konnte mich nicht so recht für eine Seite entscheiden.
Nach der Gepäckaufgabe war wiedermal das altbekannte Warten an der Reihe. Es galt, über zwei Stunden im Cafehaus totzuschlagen, ehe um 07:55 unser Flieger Richtung London startete. Ich bin nun schon mit einigen Fluglinien geflogen und musste feststellen, dass British Airways definitiv die hässlichsten und am unvorteilhaftesten gebauten Stewardessen hat! Aber im Grunde ist es mir ja egal, wer mir mein Essen bringt. Beziehungsweise in diesem Fall das „Essen“. Es gab als kleinen Snack ein Brötchen mit Haferflocken drauf, einem Patzen Tomatenmark und labbrigen Speck drin. Es schmeckte nach… keine Ahnung. Es schmeckte einfach nach irgendwas… Ja, ich denke „irgendwas“ trifft es am besten. Nicht gut, nicht schlecht. Kurze Zeit später leuchtete auch schon wieder das Anschnallzeichen auf und wir waren im Anflug auf London. Dadurch, dass in London Heathrow (laut Michael „IIISRO“ ausgesprochen) alles gut beschildert ist, konnten wir schnell unseren Bus zum nächsten Terminal finden. Wir hatten noch gute zwei Stunden Zeit, also war es Zeit für eine Rauchpause. Waren es letztes Jahr noch die Raucher in der Überzahl, so ist es dieses Jahr genau andersrum: Vier Nichtraucher und ein Raucher. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass auch dieser Bonus mir gehört. Beim Übersichtsplan nicht fündig geworden, habe ich mich an einen IIISRO-Mitarbeiter gewandt, der mir erklärte, dass es auf diesem Flughafen keine Raucherzonen gibt. Mir schlief das Gesicht ein. Langsam mit dem Gedanken abgefunden, noch ungefähr 10 Stunden ohne Glimmstengel auszukommen, musste noch etwas zum Essen her. Einfache Sandwiches reichten fürs Erste und dann ging es auch schon wieder zum nächsten Gate, wo unsere zweistöckige Boeing 747-400, beziehungsweise die Busse, die uns zu ihr brachten, auf uns wartete. An der First-Class vorbei zurück in den Bereich des Pöbels – die Economy Class. Die Beinfreiheit hält sich in Grenzen, aber zumindest wird man gut unterhalten und versorgt. Aus meinem Plan, sich so viele Filme wie möglich anzusehen wurde bisher noch nichts. Aber ein paar Stunden habe ich ja noch. Bis jetzt hab ich es nur geschafft, mir Tron Legacy und eine Folge der Simpsons reinzuziehen. Das Audio-Programm, mit dem man eigene Playlists nach Belieben erstellen kann, umfasst alles, was das Herz begehrt. Angefangen bei den Black Eyed Peas, über Chase and Status, Duffy, bis hin zur Swedish House Mafia. Zum Essen gab es „Chicken Cajun with pasta and leaf spinach“, also auf Deutsch gewürztes Hendl mit Nudeln und Grünzeug. War besser, als es ausgehen hat.
Nun werde ich mich wieder mit voller Aufmerksamkeit dem Flug widmen. Schließlich haben wir nur mehr 5:59 Stunden Reisezeit! Ich befürchte fast, wir sind hier oben in einem Raum-Zeit-Kontinuum gefangen. Wir bewegen uns rasend schnell weiter, die Zeit vergeht aber nicht. Ich werde nun geistig Theorien aufstellen, warum die Zeit nicht vergeht, wenn man voller Vorfreude ist. Oder warum so viele Leute Tomatensaft im Flieger trinken. Oder warum immer hinter mir jemand mit unruhigen Knien sitzen muss.
Nachtrag:
Wir haben nun endlich unser Hotel, das Radisson Airport Los Angeles, erreicht. Mittlerweile sind wir seit über 24 Stunden auf den Beinen und trotzdem zeigt meine Armbanduhr gerade mal 19:30 an. Der Flug zehrte an den Nerven und am Sitzfleisch aller. Nur Schnuffi genoss die lange Herumsitzerei auf den engen, harten, unbequemen Sitzen. Zumindest versuchte er, sich das einzureden. Obwohl wir 40 Minuten zu spät von IIISRO weg geflogen sind, kamen wir 15 Minuten früher in LAX an. Die Sicherheitskontrolle gestaltete sich diesmal schlimmer als letztes Jahr in New York. Insgesamt haben wir über zwei Stunden verloren, um die Fingerabdrücke abzugeben, das Gepäck zu holen und dann den Pass nochmals kontrollieren zu lassen. Ich tippe mal darauf, dass daran lag, dass hier scheinbar nur Mexikaner arbeiten, die ja nicht gerade als arbeitsfreudigstes Volk bekannt sind. Nachdem wir all diese überaus wichtigen und sinnvollen Kontrollen hinter uns gebracht haben, führte uns der erste Weg hinaus aus der Ankunftshalle, um das erste Mal L.A.-Luft zu schnuppern. Uns schoss nur ein Gedanke in den Kopf: „Fuck, wir sind hier falsch! Wir sind in Taiwan gelandet!“. Egal, wo man hin sah, waren nur Asiaten oder Chinesen. Aber mir war das in diesem Moment egal, denn nach 17 Stunden hatte ich das erste Möglichkeit, dem Nikotinmonster wieder Futter zu geben. Vermutlich wäre das nun der beste Zeitpunkt aufzuhören aber ich bin nunmal stur und uneinsichtig. Steinbock eben…
Der Shuttle-Bus holte uns ab und brachte uns zu Alamo, unserem Autovermieter. Was würden wir wohl diesmal für ein Auto bekommen? Der Angestellte meinte, der von uns im Voraus gebuchte Wagen wäre viel zu klein für all das Gepäck, das wir bereits bei uns hatten. Ein Upgrade hätte allerdings schlappe 480$ gekostet, also bliebs dann doch bei dem, der gebucht wurde: Ein Nissan Armada in Schwarz. Allradantrieb, 8 Zylinder, der Spritverbrauch gleicht dem eines Klein-LKW.
Nach dem ersten amerikanischen Abendessen oder eigentlich drittem Frühstück nach österreichischer Zeit bei Burger King wird es nun Zeit, sich mal ins Bad zu begeben und die Katzenwäsche durchzuführen. Morgen wartet schon der erste Themenpark auf uns: Knott’s Berry Farm.
Das wars also vom ersten und vermutlich anstrengendsten Tag unseres Trips!
Liebe Grüße, Chris
PS: Ich hoffe das mit den Fotos funktioniert diesmal..



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