Welcome to the Grand Canyon State – Arizona!

Wir fahren gerade auf der Interstate 40, der Straße, die die Ost- mit der Westküste verbindet. Oder umgekehrt. Links und rechts von uns befindet sich die Mojave-Wüste. Und sonst nichts. Ab und zu mal eine kleine Tankstelle mit einem integrierten Fast-Food-Restaurant und einem LKW-Rastplatz. Im weiteren Hintergrund sind die ersten Vorreiter der Canyons zu sehen. Wahnsinns Kulisse!

Beim inkludierten kontinentalen Frühstück tauschten wir die Erlebnisse der letzten Nacht aus. Wir haben festgestellt, dass hier irgendwas nicht stimmen konnte, was die Toilettenbenutzung angeht. Unsere Damen rangierten auf Platz 1 mit jeweils drei Unterbrechungen in der Nacht, um ihr kleines Geschäft zu verrichten. Markus schaffte es mit zweimal auf Platz 2, Michael und ich kamen auf jeweils eine Pipipause. Seltsame Sache. Mir fällt gerade auf, wie uninteressant das eigentlich ist. Aber egal, jetzt habe ich es schon geschrieben! Und wenn wir schon bei den Klo-Geschichten sind: Nach dem Frühstück war noch eine letzte Entleerungsrunde in Barstow angesagt. Michael machte seinem Namen gleich am dritten Tag wieder alle Ehre! Michi Jank, Toilet Destroyer. He is back! Stronger than ever! MJTD reloaded – Jetzt im Kino!
Er hat die Toilette zwar nicht zum Einbruch gebracht, aber für eine Verstopfung hat es trotzdem wieder gereicht. Mittlerweile reagiert er aber ruhig und routiniert auf solche Vorkommnisse und braucht seine Frau nicht mehr als Krisenbewältigungshelferin.

Am Parkplatz suchten wir im Navi noch nach Calico, der Geisterstadt, die uns gestern von Violetta (danke nochmals an dieser Stelle!) empfohlen wurde, haben sie aber leider nicht gefunden. Nachdem ohnehin noch die Geisterstadt Rhyolite auf uns wartet, haben wir uns dazu entschieden, Richtung Seligman bzw. Flagstaff, dem Tor zum Grand Canyon aufzubrechen. Der Tank war schon ungefähr zur Hälfte leer, also auf zur nächsten Tankstelle. Das Tanken bereitete uns bereits letztes Jahr schon einige Male Probleme, da es einfach zu kompliziert scheint für europäisch-denkende Leute. Michael und Markus versuchten es gemeinsam und sie scheiterten kläglich. Natürlich hätte man auch in den Shop gehen und jemanden um Hilfe bitten können. Aber das wäre ein Zeichen von Schwäche! Ich hätte es auch nicht gemacht! Männer fragen nicht, Männer probieren! Wenn es nicht klappt, ist eben die scheiß Tankstelle schuld und nicht die eigene Unfähigkeit. Alte Männer-Regel! Also ging es ohne Sprudel weiter auf die Interstate 40, die ein ganzes Stück weit parallel zur weltberühmten Route 66 verläuft. Wir nahmen die Autobahnausfahrt Newberry, um ein paar Fotos von der bekannten Straße zu machen.

Direkt bei der Ausfahrt war auch eine Tankstelle, bei der das Tanken glücklicherweise einfacher war. Mit den Tankstellen ist es ähnlich wie mit den Armaturen in den Duschen hier. Jede muss anders bedient werden. Bei dem einen Wasserhahn muss man drücken, beim anderen ziehen, bei einem dritten muss man sich dreimal im Kreis drehen und die ersten zwei Strophen der Nationalhymne singen. Fehlerfrei!

Wieder alle Mitfahrer eingepackt ging es weiter auf der Interstate, mitten durch die Mojave-Wüste. Umgeben von Steinen, verhältnismäßig vielen Pflanzen und Sträuchern. Ab und zu waren ein paar Güterzüge zu sehen, die geschätzte 150 Anhänger mit vier Loks zogen. Michi versuchte einmal, die Anhänger zu zählen, doch bei 35 hat sie aufgegeben. Mit den Worten „So weit kann ich nicht mehr zählen, das sind sicher 100!“. Naja, die Schule ist ja auch schon lange her. Eigentlich wollte sie damit ausdrücken, dass sie die Zuganhänger nicht so weit sieht, weil die Züge so lange sind, hat es aber falsch formuliert.

Mittlerweile hat auch der Fressmarathon im Auto wieder begonnen. Wir sind schließlich bestens ausgerüstet: Gummibärchen, Schoko-Cookies, Kinderschokolade, Nachos und vieles mehr. Der Nachteil an den Nachos mit Käse- oder Chilligeschmack ist, dass sie die Finger dank des „natürlichen“ Gewürzes orange einfärben, was mit einfachem Abwischen natürlich nicht runter geht. Aber egal, schließlich sind wir auf Urlaub. Und das Auto gehört auch nicht uns, also wieso nicht einfach in den Sitz wischen?! Der Nachteil an der Schokolade ist, dass die Riegel mehr flüssig als fest sind. Schuld daran sind die steigenden Temperaturen draußen. Endlich zahlt sich die kurze Hose aus, nachdem wir bisher die Jean inklusive Jacke bevorzugten.

Das Schild am Straßenrand meldete soeben „Welcome to Arizona – The Grand Canyon State“, also werde ich jetzt Ausschau nach den großen Bergen, Schluchten und Plateaus halten.

Nachtrag 1:

Wir sind soeben von Seligman, der wohl nettesten und authentischsten Stadt an der Route 66 aufgebrochen. Vielen, vielen Dank an meine ehemalige Arbeitskollegin Patricia, die uns diesen Tipp gegeben hat. Hier stehen eine Menge alte unrestaurierte Autos herum und die Häuser sehen aus wie vor unzähligen Jahren. In Seligman wird das Leben noch so dargestellt wie in der guten alten Zeit. Einige Shops bieten Souveniers rund um die Route 66 an. Straßen- und Autoschilder, Flaschenöffner, T-Shirts, Aschenbecher und so weiter. Die typischen Merchandising-Artikel eben. Ein Shop hat es uns ganz besonders angetan. Er bestach schon allein durch die österreichische Fahne, die plakativ vor dem Geschäft im stürmischen Wind heroisch wehte. Wir entdeckten sofort das Buch über Österreich, das am Tresen stand. Nach einer kurzen Runde durch den Shop und einem Pläuschchen mit Frank, dem Chef des Hauses, bediente er meine vier tapferen Kumpanen mit Kaffee. Er präsentierte uns das vorher gesehene Austria-Buch und bat uns, so wie schon viele andere Österreicher vor uns, eine Botschaft darin zu hinterlassen, was wir natürlich auch gerne taten. Ich erzählte dem Hausherren, dass eine Freundin ebenfalls schon hier war und uns von diesem Shop erzählt hat. Er nahm eine Ansichtskarte, kritzelte eine kleine, persönliche Nachricht auf die Rückseite und bat mich, ihr diese Karte mitzunehmen. Also Patricia, ich hab ein Mitbringsel für dich!
Wir plauderten gemeinsam eine Weile darüber, wie rüpelhaft Russen sind, warum hier immer der Wind geht und über unsere Heimat. Frank erzählte uns, dass er einen monatlichen Newsletter verschickt, wo er alle seine Erlebnisse an seine Kunden weitergibt. Wir haben uns natürlich eingetragen, weil es sicher eine Menge ist, was seine Frau Lynne und er täglich so erleben. Nach einem gemeinsamen Foto mit Frank ging es ans Zahlen. Michi und ich kauften jeweils um über 70$ ein und auch Carina schlug zu. Sie zahlte in bar mit frischen Scheinen, die wir in Österreich von der Bank erhalten haben. Frank wunderte sich ein wenig und fragte auf Englisch, ob Carina denn eine Gelddruckmaschine zu Hause hat. Unglücklicherweise verstand sie aber, ob er ihr auch etwas auf eine Karte schreiben sollte und antwortete mit einem ernsten und erfreuten „Ja, ja, natürlich!“. Sein Blick war genial und er fragte, ob sie ihm nicht auch ein paar Scheine drucken könnte. Erst dann verstand sie, was er eigentlich gemeint hat. Carina versuchte mich schon zu bestechen, dass ich diese Anekdote im Blog auslasse, aber wir wollen euch schließlich nichts verheimlichen!

Jetzt sitzen wir also wieder im Auto und haben unseren Plan geändert. Der nächste Stopp ist doch nicht Flagstaff sondern Williams, nachdem Frank uns diese Stadt empfohlen hat. Man darf gespannt sein.

Nachtrag 2:

Der Tipp von Frank war echt klasse! Williams ist eine supernette Stadt, die ähnlich wie Seligman im Stil vergangener Tage ist. Es wirkt fast ein wenig, als wäre man auf irgendeinem Filmset in den Universal Studios. Zu unserem Glück war gestern und heute ein Zug-Festival oder so etwas in die Richtung, wo man mit einer uralten Dampflok fahren konnte. Leider verpassten wir die letzte Fahrt um eine Stunde. Der Umgangston ist hier ein wenig rauer als anderswo. Am Anfang machten wir uns noch lustig über die Schilder „Schusswaffen verboten“ beim Eingang mancher Restaurants. Hier laufen tatsächlich einige mit einer Waffe am Gürtel herum. Irgendwie ein komisches Gefühl! Abendessen gab es heute auf mexikanische Art. Steaks und Enchilladas vom Feinsten. Nur für Michi waren sie ein wenig zu scharf. Das Essen brennt definitiv mindestens zweimal. Einmal beim essen und einmal beim… ihr wisst was ich meine. Nach einem kleinen Spaziergang durch die Stadt ließen wir den Abend bei einem Bier im Saloon gegenüber dem Hotel ausklingen. Endlich wieder Corona trinken, was laut Michael ja immer noch ein Tuckenbier ist. But who cares?
Der Satz, dass sich die kurze Hose endlich auszahlt muss ich übrigens hiermit wieder revidieren. Eigentlich wäre es ja ganz angenehm hier, wenn es nicht so extrem stürmisch wäre. Wir haben die Klimaanlage im Zimmer derzeit als Heizung im Einsatz. Aber was uns noch viel mehr Angst macht ist die Wettervorschau für morgen im Grand Canyon. 11°C Maximaltemperatur, -6°C Minimum. Was für eine Freude. Ich denke, wir müssen morgen Früh noch eine Shopping-Tour einlegen und uns mit dicken Pullovern eindecken. Und vielleicht auch Winterreifen…

Liebe Grüße und einen angenehmen Start in die Arbeitswoche,

Chris und die zwei Pärchen

11 Antworten zu „Welcome to the Grand Canyon State – Arizona!”.

  1. Schön das ihr gut angekommen seid und schon einige nette Tager verbracht habt. Ich muss schon sagen, so macht der Montag Morgen im Büro wieder Sinn. Ich hab mich herrlich amüsiert beim lesen eurer Erlebnissen. Chris, du hast wirklich nicht´s verlernt am schreiben, es fesselt einem jedesmal. Carina & Michi: unseren Gastkindern geht es prächtig.
    Viel Spaß weiterhin.

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    1. Vielen Dank 🙂

      Liebe Grüße!

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  2. Dem kann ich mich nur anschließen…
    Obwohl ich etwas neidisch bin, da ich arbeiten gehen muss und noch geschätzte 50 Arbeitstage habe, bis mein Urlaub endlich in Sichtweit ist… 😦

    Freu mich jetzt schon auf die vielen Fotos, die hoffentlich gemacht werden und die täglichen Berichte!!

    Liebe Grüße und Bussal, anita

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    1. Auch die werden noch vergehen 🙂

      Dickes Bussi!

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  3. Hallo Ihr Lieben!
    Endlich ist es wieder so weit,der Tag beginnt mit Priortäten setzen.
    Kaffee machen für die Kollegen,oder PC aufdrehen um eure Erlebnisse mitzuverfolgen.
    Die nächsten 3 Wochen gibt´s später Kaffee(die Kollegen werden´s aushalten)! Wobei im Büro fast jeder mitliest.
    Die Berichte sind wieder einmalig super geschrieben,ein dickes Lob dem Chefredakteur.
    Habt noch jede Menge Spaß,Chris hoffentlich keine Zahnschmerzen und Michi keine weiteren Verstopfungs Katastrophen.

    Alles Liebe und herzlichen Dank für die Muttertagsgrüße, Bussi an alle die Oldis

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    1. Hehe, das freut mich zu hören, dass unseretwegen die Prioritäten verschoben werden! 🙂

      Und ich kann Gott sei Dank Entwarnung geben: Ich habe keine Zahnschmerzen! Mit ein wenig Vorsicht beim Essen geht das schon… hoffe ich zumindest! 😉

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  4. Avatar von Michaels Altvorderer
    Michaels Altvorderer

    Hallo ihr Fünf, schön dass es euch gut geht und dass ihr Spass habt.
    Die Berichte zu lesen ist fast als wenn man dabei wäre. Aber leider eben nur fast. Ein Lob an den Schreiberling.
    Das Problem mit dem MJTD ist einfach zu beheben, lasst ihn einfach nicht so viel fressen. Das hat schon vor 25 Jahren mit den Windeln bestens geklappt.

    Bitte fragt Carry ob ich mir die Maschine leihen darf bis sie zurückkommt. Aber nur wenn sie auch Euro druckt.
    Viel spaß noch

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    1. Hahahaha! Mussten alle ziemlich lachen bei deinem Kommentar! Ich hoffe, dein Sohnemann nimmt es sich zu Herzen, aber solange es nicht in einem 5er-Zimmer passiert, ist es ja halb so schlimm! 😉

      Danke fürs Lob! Freu mich sehr darüber 🙂

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  5. Yes Strakaboy 🙂 hab ich ja gesagt 🙂 Seligman ist super und zählt zu meinen lieblings süssesten Orten der Welt :-)… und das ihr Calico nicht gefunden habt, echt eine Schande und schade zugleich :-(… aber what the fuck…

    Auf die Karte aus Selgiman bin ich ja gespannt 🙂 ein Mitbringsl für mich juhuuuu das wichtigste auf deinem ganzen Trip :-))).. hast du etwa gesagt, dass ich seligman empfohlen habe?

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    1. Ja, der Tipp war definitiv Gold wert! Vor allem weil er scheinbar touristisch nicht soo bekannt sein dürfte!

      Ich hab dem Verkäufer dort erzählt, dass du gesagt hast, dass es hier ein Geschäft gibt, wo eine österreichische Fahne hängt und dann haben wir das Austria-Buch durchsucht, ob ihr euch auch eingetragen habt, wurden aber nicht fündig. Und dann hat er einfach ne Ansichtskarte genommen und drauf geschrieben 🙂

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  6. Hi Christian, ich freu mich jeden Tage, wie offensichtlich viele andere auch, auf Deinen Reisebericht …. weiterhin viel Spaß und gute Fahrt, Eveline

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