Wir sind gerade im Auto und fahren durch den Grand Canyon Nationalpark. Eigentlich sollte ich mich lieber auf die Gegend hier konzentrieren, aber dabei ist die Gefahr zu groß, etwas zu vergessen niederzuschreiben. Außerdem schüttet es wie aus Eimern und die Sicht ist ein wenig einschränkt. Trotzdem haben wir gerade unser erstes Tier gesehen: Einen Elch! Er lag am Rücken am Straßenrand und hat geschlafen. Glaube ich… wir haben uns soeben kurz beratschlagt, welchen Namen wir ihm geben sollen und sind zu dem Entschluss gekommen, dass er eigentlich eine Frau war und Mercedes hieß. Nachdem der Regen genauso schnell wieder verschwunden ist, wie er aufgetaucht ist, beeile ich mich jetzt, den heutigen Tag niederzuschreiben, um mich doch wieder der Gegend widmen zu können.
Der Tag begann um kurz vor 8, als es an der Tür klopfte und Carina und MJ davor standen. Fix und fertig angezogen und bereit fürs Frühstück, das gestern unter Michael’s Protest eigentlich erst für halb 9 angesetzt wurde. Nachdem die zwei Schnuffis und ich noch im Bett lagen, schickten wir die beiden mal voraus um den Frühstücksraum auszukundschaften. Noch bevor wir mit Packen und Katzenwäsche fertig waren, klopfte es wieder und die beiden meinten, dass es wohl besser wäre, wo anders frühstücken zu gehen. Gesagt, getan, die Koffer wieder verstaut und auf zum ersten Starbucks auf unserem Trip. Mit einem kleinen Stück Kuchen (knackige 495 Kalorien!) und einem Kaffe bzw. Kakao im Bauch ging auch schon die Reise Richtung Grand Canyon los. Nachdem der Wind immer noch ziemlich heftig war und das Thermometer irgendwas um die 5°C anzeigte, entschlossen wir uns, in einem der Souvenir-Shops in Williams noch ein paar warme Pullover zu kaufen. An so etwas hat beim Packen in Wien schließlich niemand gedacht! Später stellte sich heraus, dass das die bisher am besten investierten 30$ waren!
Am Weg Richtung Grand Canyon sank das Thermometer weiter und weiter. Beim Visitors-Center angekommen, trauten wir unseren Augen nicht. Es schneite! Verdammt nochmal, es schneit! Schnee! Fuckedifuckfuck! Schnee! Aber egal… ich war bekleidet mit T-Shirt, Weste, dem gerade gekauften dicken Route 66-Pulli und einer Jacke. Warm war mir trotzdem nicht! Und den anderen ging es nicht anders. Nach einem kleinen Spaziergang hatten wir endlich freien Blick auf den Canyon. Verfi**t noch eins, ist das geil! Unglaublich, wie riesengroß diese Schluchten sind. Hier wird das Wort „groß“ neu definiert! Ich kann es mit Worten nicht beschreiben, welche Eindrücke man hier erlebt. Wir standen am East Rim und blickten in den Grand Canyon hinein. Wir entschieden uns kollektiv gegen den berühmten Skywalk, die Aussichtsplattform am South Rim, wo man durch einen Glasboden über 1000 Meter in die Tiefe schauen kann. Der Grund dafür ist ein Einfacher: Pure Abzocke. Das Ticket selbst kostet zwar nur um die 25$, man wird aber zusätzlich noch mit irgendwelchen weiteren Tickets zwangsbeglückt, wodurch man auf insgesamt ungefähr 75$ kommt. Durch den starken Wind wäre ein Hubschrauberrundflug vermutlich auch nicht möglich gewesen, aber auch so hat der Canyon einen massigen Eindruck in unseren Köpfen hinterlassen! Rund um den Canyon sind eine Menge „View Points“, also Aussichtsplattformen, von denen wir noch einige besichtigt haben. Am Weg zu einem dieser Points schrie Markus „Heee, schauts, da rennt ein Gecko herum!“, zwei Sekunden später war er sich aber nicht mehr so sicher. „Hätte aber auch ein Hendl sein können!“. Ein weltberühmtes Geckohendl wars! Mit den Tieren hat Schnuffi es heute generell nicht so. Er meinte auch „Wenn ich da so steh, fühl ich mich frei wie ein Igel!“. Igel sind schließlich bekannt für ihre Freiheit und Stärke. Nicht umsonst trägt die österreichische Fahne auch mit Stolz den Nationaligel. Gemeint hat er eigentlich „Eagle“, also den Adler, aber mittlerweile wird jeder noch so kleine Versprecher von uns mit hartem Spott bestraft. Wir haben uns darauf geeinigt, dass jede Frage oder Anrede von Fremden, die nicht verstanden wird mit einem Grinser und einem freundlichen „Yes, please“ beantwortet wird.
Der weitere Weg führt uns jetzt nach Page und zum Antelope-Canyon. Sofern sich nicht mal wieder eine Planänderung ergibt.
Nachtrag:
Es ist tatsächlich bei dem Plan, nach Page zu fahren geblieben. Eine nette, nicht all zu große Stadt inmitten der Ausläufer der Canyons. Hier ist alles in nettem Rot gehalten. Die Steine, die den Straßenrand säumen, die Hügel rund um die Stadt und sogar ein Großteil der Häuser. Auffällig ist hier die Vielzahl an Kirchen, wo eine neben der anderen steht. First Baptist Church, Protestians Church, Catholic Church und viele mehr. Zu Abend gegessen wurde bei „Jack in the box“, die wohl am wenigsten weiterzuempfehlende Fast-Food-Kette. Die Burger schmeckten ein wenig wie die Chefmenü-Variante für die Mikrowelle. Wir schlafen heute Nacht im Motel Super 6. Ich hoffe, dass der Name hier nicht Programm ist. Sicherheitshalber werde ich heute wieder mit Ohropax schlafen. Und vielleicht auch noch mit Augenbinde. Sicher ist sicher! Nach einem Kaffee bei Starbucks wurde es endlich Zeit für den ersten Besuch bei Walmarts. Endlich wieder eine Auswahl angefangen bei Keilriemen, über Grabgestecke und Elektromotoren für Boote, bis hin zu Schuhen und Gewand. Hier arbeiten übrigens fast nur die Nachfahren der Navajo-Indianer. Ich dachte eigentlich bisher, dass die alle mit erdbraunen Kostümen, Schellen um die Fußgelenke und Federschmuck am Kopf herumlaufen. Nein, nicht hier. Hier haben sie ein Walmart-T-Shirt an und sind fett. Zwei Stunden später und die Geldbörse wieder um 70$ erleichtert ging es zurück ins Hotelzimmer, wo die gekauften Sachen jetzt verstaut werden müssen. Was gekauft wurde, wird noch nicht verraten, denn dabei handelt es sich unter anderem um diverse Utensilien für unseren großen Auftritt in Las Vegas!
Ich wünsche euch nun einen schönen guten Morgen beziehungsweise meinen Compadres und mir eine gute Nacht!
Chris




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