Es ist kurz vor 22 Uhr Ortszeit und wir sind endlich im Hotel angekommen. Die steilen Straßen nagen an unseren Füßen und an der Kondition. Vorallem die Schienbeine sind vom vielen bergab gehen bereits schwer beleidigt. Da die Wände in diesem Hotel sind scheinbar nur wenige Millimeter dick, sonst könnte ich mir nicht erklären, wieso man jeden Schritt der Nachbarn neben und ober einem hört. Bin ich froh, eine Großpackung Ohropax mitgenommen zu haben.
Begonnen hat der Tag in der Bagel-Factory beziehungsweise bei Starbucks. Bereits in Wien haben wir die Tickets für Alcatraz gebucht. Abfahrt: 10:30. „Wir haben ja noch genug Zeit“ dachten wir uns und wanderten langsam bergab Richtung Meer. Leider haben wir die doch recht weite Distanz unterschätzt und so mussten wir den Schritt gegen Ende ein wenig beschleunigen. Trotzdem noch rechtzeitig am richtigen Pier angekommen, waren wir nach kurzer Wartezeit auch schon am Schiff. Nach guten 20 Minuten Fahrt wird man auf der Insel freundlich begrüßt und kann sich dann frei bewegen. Der erste Weg führte uns in die Mannschaftsunterkünfte, wo ein paar Mini-Ausstellungen ihren Platz gefunden haben. Als nächstes war der Zellenblock dran. Praktischerweise hat man die Möglichkeit, sich kostenlos einen Audio-Guide (auch in Deutsch) auszuborgen. Diese kleinen Teile bekommt man einfach um den Hals gehängt, die Kopfhörer aufgesetzt und schon wird man durch den gesamten Zellenblock gelotst und bekommt eine Menge interessanter Informationen. Gesprochen (beziehungsweise nachvertont) wurden der Guide von ehemaligen Gefängniswärtern und Insassen des Hochsicherheitsgefängnisses, das früher ausschließlich für Militärgefangene und später auch als Staatsgefängnis verwendet wurde, ehe es 1963 aufgrund der hohen Unterhaltskosten geschlossen wurde. Hier wurden Verbrecher weggesperrt, die wegen allen möglichen Vergehen verurteilt wurden. Mord, Raub, Steuerhinterziehung oder Kidnapping. Auch berühmte Namen finden sich auf der Liste der Häftlinge. George „Machine Gun“ Kelly oder Al Capone, der berühmte Gangster zum Beispiel saßen einen Teil ihrer Strafe in den nur 1,5 mal 2,0 Meter großen Zellen ab. Aber wenn sie sich gut benahmen, konnten sie einen angenehmen Aufenthalt haben mit Ausgang im großen Freigelände, Musikhören über den eigenen Radiokanal oder diversen Spielen. Waren sie nicht artig, wurden sie in Einzelhaft genommen. Die Zellen waren dort zwar größer, dafür gab es kein Licht, keinen Freigang und auch sonst nichts. Einige haben auch versucht zu flüchten mit den unterschiedlichsten Methoden. Drei Häftlinge konnten entkommen, wurden aber nie wieder gesehen, weshalb vermutet wurde, dass sie im eiskalten Meer mit den tückischen Strömungen (die übrigens deutlich zu sehen sind, wenn man auf das Meer blickt) ertrunken sind oder von den dort lebenden Haien gefressen wurden. Da ist halt die Frage was angenehmer ist…
Nach einer kleinen Runde rund um die Insel, die neben einem Leuchtturm auch ein eigenes Kraftwerk besaß, machten wir uns auf den Weg zum Dock, wo kurze Zeit später das Schiff anlegte und uns wieder nach San Francisco brachte. Wie in jeder größeren Stadt gibt es auch hier die zweistöckigen Sightseeing-Busse, von denen wir uns einen aussuchten und eine riesige Runde durch die ganze Stadt drehten. Bergauf und bergab, links und rechts. Interessant ist hier, dass es viele verschiedene Grätzel gibt, wo alles, was zusammengehört auch auf einem Fleck ist. Beispielsweise die vielen Hochhäuser im Financial District. Die Skyline hier kann mit der von New York locker mithalten, auch wenn das restliche SanFran nahezu Skyscraper-frei ist. Besonders idyllisch geht es beim Alamo Square zu. Hier stehen die vielen berühmten, schmalen Häuser, von denen auch ein paar in der Anfangsszene der früheren Fernsehserie „Full House“ zu sehen sind. Weiter ging es über die Golden Gate Bridge. Das Wetter passte heute endlich mal. Zumindest war der Himmel blau und die Sonne schien. Eigentlich wäre es ja recht warm gewesen, hätte bloß der Wind aufgehört zu blasen wie Kelly Trump in ihren besten Tagen. Gerade als wir über die weltberühmte Brücke bretterten dachten wir, uns frieren sämtliche Körperteile ab. Mark Twain sagte damals vermutlich nicht umsonst, dass sein kältester Winter ein Sommer in San Francisco war. Auf der anderen Seite der Golden Gate machten wir zum ersten Mal Nutzen vom Hop-on-hop-off-Angebot der Buslinie und wärmten uns auf den von der Sonne aufgehitzten Granitsteinen rund um das Denkmal für die Streitkräfte der Vereinten Nationen auf. Auf den nächsten Bus wieder aufgestiegen setzten wir unsere Rundfahrt fort und wollten eigentlich mit einem der bekannten Cable Cars Richtung Lombard Street fahren, der Straße mit den meisten Kurven. Leider machte uns die elend lange Menschenschlange einen Strich durch die Rechnung, weshalb wir zu Fuß die steilen Hügel erklommen haben. Ich kann es nur nochmal sagen: Wahnsinn, wie steil diese Straßen sind! Nach ungefähr einer halben Stunde erreichten wir schließlich den bekannten Abschnitt der Lombard Street mit acht Kurven auf nur einer Blocklänge. Bei einem Gefälle von 16%. Klingt zwar nicht sonderlich steil, aber glaubt mir: Es ist steil!
Wir hatten noch ein wenig vom Tag übrig und deshalb entschieden wir uns dazu, noch einen Abstecher nach Chinatown zu machen, wo über 30.000 Chinesen wohnen. Entweder waren wir schon zu spät dran oder es gibt hier keine Geschäfte mehr. Kaum ein paar Meter in Chinatown gegangen, kamen schon drei Chinesendamen auf uns zu und wollten uns in ihr Restaurant lotsen. Sie haben es auch geschafft. Wir dachten uns, eine Alternative zu Burgern kann mal nicht schaden. Außerdem aßen wir die ohnehin schon heute mittags. Das Essen war generell recht lecker, nur die Frühlingsrollen waren nicht sonderlich toll. Sie schmeckten nach Zimt. Warum auch immer. Statt einem Pflaumenwein bekamen wir zum Abschluss ein kleines Becherchen mit Grünem-Tee-Eis. Schmeckte trotz der ekelhaften Farbe erstaunlich gut!
Vollgefressen und ohnehin schon müde traten wir schlussendlich den Heimweg an. Morgen hält sich die viele Wanderei in Grenzen. Zumindest laut Plan. Aber bisher haben wir uns nicht sonderlich streng an den Plan gehalten….
Hinterlasse einen Kommentar