Ich sitze gerade auf unserem Balkon im 38. Stock (ich muss es nochmal sagen: im 38. Stock!) mit herrlicher Aussicht auf die nächtliche Skyline von Dubai. Untermalt wird das ganze akustisch von 21-spurigen Straße, die vorbei fährt. Es ist zwar keine idyllische Stille, aber der Ausblick entschädigt! Und im Zimmer hört man davon ohnehin nichts. Andi liegt im Bett und sieht sich irgendwelche Schund-Sendungen auf ZDF, dem einzigen deutschsprachigen Sender hier, an.
Begonnen hat der Tag um 8 Uhr mit einem abwechslungsreichen und ausgiebigen Frühstücksbuffet. Sogar mit echten Semmeln. Leider habe ich die Hash Browns (bereits bekannt aus Amerika) für das heutige Frühstück zu spät entdeckt, aber wir haben ja noch ein paar Tage, um alles auszuprobieren. Um halb 10 erwartete uns der lokale, deutschsprechende Reiseleiter bereits in der Lobby, um uns in Dubai zu begrüßen und uns mit den wichtigsten Infos zu versorgen. Der Entschluss fiel darauf, den ersten Tag gleich in den Shopping-Malls zu verbringen. Und zwar in der weltgrößten – Mall of the Emirates. Irgendwie war es dann aber doch enttäuschend. Die magere Ausbeute waren ein T-Shirt und eine Flasche Mountain Dew. Jawohl, hier gibt es Mountain Dew! Es gibt generell viele Sachen, die man aus Amerika kennt: Dunkin‘ Donuts, Fatburgers, Starbucks, Papa John’s Pizza, Applebee’s, die ekelhafte Hershey’s Schokolade und vieles mehr. Was in dieser Mall zu erwähnen ist, ist der Ski-Dome. Richtig! Eine Schihalle mitten in der Wüste! Auf der auf -4° gekühlten Piste tummeln sich eine Menge Leute mit Schis und Snowboards, die mit einem eigenen 4er-Sessellift nach oben transportiert wird. Irgendwie krank! Der nächste geplante Stopp war die Dubai Mall beim Burj al Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt. Leider ist die U-Bahn-Station ungefähr einen Kilometer vom Eingang zur Mall entfernt. Der Fußmarsch dorthin in der Hitze war die Hölle. Hier herrschen knappe 40°, die pralle Sonne und eine Luftfeuchtigkeit, die einen umbringt. Nach guten 10 Minuten Herumirren im Parkhaus haben wir endlich den Eingang zur Dubai Mall gefunden, wo sich die Haare um Stehplätze stritten. Der Temperaturunterschied zu draußen beträgt gute 20°. Die Geschäfte waren auch hier nicht wirklich unterschiedlich zu unseren Einkaufszentren, nur dass einige teurer sind als bei uns. Was auffällt sind die vielen Dessous-Shops, wo leichtbekleidete Schaufensterpuppen die Waren anpreisen. Generell wird hier viel mehr Haut gezeigt als erwartet. Selbstverständlich laufen auch einige mit Burka herum, doch die Zahl der Frauen mit Miniröcken und High-Heels ist ebenso hoch. Wir drehten unsere Runden in der Mall, vorbei an einem riesigen Eisring, Wasserfällen und dem Außenbecken, wo jeden Abend eine Wasser- und Lightshow a la Bellagio stattfindet. Am Ticketschalter für die Aussichtsplattform am Burj al Khalifa staunten wir nicht schlecht, als Preise von 400 Dirham, also ungefähr 80€ angeschrieben waren. Nach genauerem Betrachten stellte sich heraus, dass dies nur für den Eintritt am selben Tag gilt. Kauft man die Tickets für einen anderen Tag, zahlt man nur 100 Dirham. Also kauften wir die Tickets für Montag, 10:30. Andi hat jetzt schon die Hosen voll und hat überlegt, ob ihm das überhaupt die 100 Dirham wert ist.
Andi hat sich ja schon im Vorhinein informiert, was die bekannten weißen Kleider, die die Männer hier tragen kosten. Zu Hause konnte ich es ihm noch ausreden, sich so eines zu kaufen, doch irgendwie ließ er doch nicht davon ab und so machten wir uns nochmal auf den Weg zur Mall of the Emirates, die ohnehin am Heimweg lag. Für insgesamt ca. 15 € kauften wir uns also tatsächlich solche Kleider. Natürlich mit allem was dazugehört, inklusive passenden Kopftuch. Ich nehme an, dass es ungefähr gleich (entschuldigt den Ausdruck) behindert aussieht, wenn wir mit diesen Kleidern herumwandern, wie wenn ein Chinese am Stephansplatz mit Lederhose umherirren würde. Nach einem ersten Anprobe bestätigte sich mein erster Eindruck: Es sieht einfach nur strange aus. Aber irgendwie auch lustig. Um den Preis kann nicht viel verhaut sein dachten wir uns. Und wenigstens kann man es auch als Faschingskostüm verwenden. Fehlt eigentlich nur mehr ein riesiger Harem. Besonderen Gruß und dickes Bussi an meine Freundin Anita an dieser Stelle!
Die Kleider inklusive Zubehör eingepackt machten wir uns auf den Weg Richtung Hotel. Bei unserer U-Bahn-Station, die direkt vor dem Hotel ist machten wir uns noch auf die Suche nach einem Supermarkt. Fündig geworden sind wir in einer Tankstelle mit kleinem Shop. Doch selbst dort sind die Preise ziemlich günstig. Wie eigentlich fast alles, von Gewand abgesehen. Nach einem kleinen Snack bei Burger King schafften wir es endlich ins Hotel. Meine Füße dankten es mir, denn ich habe es geschafft, mir auf beiden Füßen dezente Blasen zu wetzen. Morgen werden es dann vielleicht doch die bequemen Schuhe…
Die Hitze und die dazugehörigen Luftfeuchtigkeit in Kombination mit vielem Herumgehen macht müde, weshalb wir uns für ein Nickerchen entschieden haben, um Kräfte für den Abend zu sammeln. In Kürze geht es nämlich ab zum Abendessen und anschließenden Antesten des Nachtlebens in Dubai.
Um noch einige interessante Facts über das Emirat los zu werden:
– Dubai ist die Stadt der Superlativen: Eine Menge Hochhäuser steht dicht gedrängt nebeneinander, wobei gleich daneben bzw. zwischen den Skyscraper-Formationen riesige Wüstenflächen zu finden sind.
– Dubai ist eine Geisterstadt: Auf den Straßen sind kaum Leute unterwegs. Selbst bei riesigen Bürokomplexen sieht man nur vereinzelt ein paar Menschen. Ich hätte erwartet, dass hier Millionen von Menschen unterwegs sind, wie man es von anderen Großstädten gewöhnt ist. Fehlanzeige!
– Dubai ist eine Baustelle: Ich habe noch nie mehr Baustellen auf einem Fleck gesehen als hier. An jeder Ecke stehen Kräne, die ein Hochhaus nach dem anderen aus dem Boden stampfen. Viele Baustellen sind aufgrund der Wirtschaftskrise und ausgegangenem Geld gestoppt worden.
– Dubai’s Metro ist futuristisch: Hier gibt es zwei U-Bahn-Linien, die völlig fahrerlos fahren. Hier steuern Maschinen das Geschehen. Interessant ist die Strafenpolitik hier. Wer raucht zahlt 200 Dirham, für’s Drücken der Not-Stopp-Taste auf Rolltreppen hingegen 2000 Dirham. Und das Beste: Wer beim Essen, Trinken oder Kaugummi kauen (!) in der U-Bahn erwischt wird, darf immerhin noch 100 Dirham löhnen.
– Dubai ist sauber: Überall sieht man Putzpersonal, das die Böden und auch den Rest sauber hält. Hier werden sogar die Fliesen in der U-Bahn-Sation poliert und auf Hochglanz gebracht.
So, nun muss ich mich aber wirklich fertig machen, da sich schon Hunger breit macht.
In diesem Sinne: Einen schönen guten Abend Wien!
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