Wow, was für eine Nacht. Schlafen in einem richtigen Bett. Ein Traum! Normalerweise reichen mir 7 Stunden Schlaf vollkommen, doch die 13 Stunden von gestern auf heute waren dringend notwendig! Noch dazu erhielten wir in der Früh kurzen Besuch von der Hausdame, die das Zimmer reinigen wollte. Nachdem sie mich nur in Unterhosen sah, machte sie schnell wieder kehrt. Kann ihr keiner übel nehmen. Mal sehen ob die Therapiekosten dann auf meine Kreditkarte gebucht werden..
Da ja derzeit das gestern bereits angesprochene Moomba Festival stattfindet, machten wir uns in der Früh auf den Weg zur gleichnamigen Parade. Unser Weg führte uns über die Straßen, wo gestern eine Frauenbewegung noch fleißig demonstriert hatte. Scheinbar demonstrierten sie für alles gleichzeitig. Für Frauen, gegen Frauen, für Lesben, gegen Lesben. Zwischendurch ein paar eingeschüchterte Männer, die mit ihren Emanzen mitgehen „durften“.
Auch durch China Town mussten wir wieder durch und endlich war es so, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Viele Menschen in traditionellen chinesischen Gewändern, rote Lampions und riesige Drachen! Dass die Leute nur am Weg zur Parade waren war mir egal. DAS war das Bild, das ich immer von China Town hatte!

Wir waren bereits kurz vor 10 bei der Parade und sicherten uns einen Platz in der ersten Reihe. Und gut war es, denn nach und nach strömten tausende Menschen zu den Absperrungen. Um 11 ging es dann los und die unterschiedlichsten bunten Gruppen zogen nach einander an uns vorbei. Und mit unterschiedlich meine ich auch unterschiedlich. Da war nämlich angefangen von vielen Tanzgruppen über die Eingeborenenstämme, Hawaiianer, die angesprochenen Chinesen, eine Gruppe des Vereins der unbegabten Kinder (zumindest interpretierten Anita und ich das so), die Blaskapelle der Australian Navy und auch der Club der deutschen Schäferhunde! Das alles begleitet von Musik und vor allem einem: Viel Euphorie! Wir fanden die ca. 1-stündige Parade eigentlich ziemlich gut.

Wenn wir schon mal in einer Stadt sind, die direkt am Meer liegt, mussten wir das natürlich auch ausnutzen. Wir überlegten, ob wir die Tram nehmen oder doch zu Fuß gehen sollen. Nachdem die Tram wegen der Parade ohnehin nicht fuhr, nahmen wir eben die 5,5 Kilometer Fußweg zum St. Kilda Beach in Kauf.

Gleich in der Nähe des Strandes befindet sich der Luna Park, ein kleiner, uralter Vergnügungspark. Das Highlight ist die Scenic Railway, eine Holzachterbahn aus dem Jahre 1912 und somit die älteste Achterbahn Australiens und die zweitälteste weltweit. Es würde mich nicht wundern, wenn direkt daneben eine Kombi-Praxis aus Zahnarzt und Chiropraktiker zu finden wäre. Halleluja! Obwohl die Bahn weder schnell, noch hoch war, war es trotzdem ein Erlebnis. Wenn jedoch im Jahre 1912 so Spaß ausgesehen hat, wäre ich wohl lieber ein Grantscherm geblieben.


Wir drehten noch eine letzte Runde durch den wirklich netten Park – ich hab zeitweise auf die Schlussszene von Grease gewartet! – bevor wir es uns endlich am Sandstrand von Melbourne gemütlich machten. Trotz leichtem Sonnenbrand von gestern (eh klar, bin ein Mann, ergo muss ich mich auch nicht einschmieren!) genossen wir eine Stunde in der Sonne (bin doch kein Mann, musste mich einschmieren.. Das Leben mit einer strengen Frau!). Ins Wasser trauten wir uns nicht so richtig, deshalb beließen wir es dabei, die Zecherl ein wenig einzutauchen.

Schon am Weg von der Parade zum Strand fiel mir auf der Karte ein Park auf, durch den wir den Weg ein wenig abkürzen könnten. Es stellte sich heraus, dass das kein Park war, sondern die Rennstrecke des Grand Prix. Also gingen wir beim hin gehen die eine Hälfte und am Rückweg die zweite Hälfte der Strecke ab, inklusive Boxengasse. Ich fand es ziemlich cool, vor allem weil die Bereiche alle kostenlos öffentlich zugänglich waren.

Ich wart schon mal aufs Rennen..




Nachdem Lewis und ich seit gestern am Flughafen beste Freunde sind, hab ich seine Box halt auch fotografiert. Dass er nicht wieder herumspinnt..
Am Weg ins Hotel dinierten wir noch fein bei Domino’s Pizza. Zwar nicht typisch australisch, aber wir hatten schlicht und einfach Bock darauf. Und außerdem werden wir noch genügend Zeit haben, uns durch die australische Küche zu kosten. Wobei… Wir haben nur mehr 26 Tage hier!
Nach einer Dusche und einem Outfitwechsel von kurz auf lang packten wir wieder unsere Kameras und marschierten nochmals zum Eureka Tower, da wir ein Doppelticket für je einen Tag- und Nachtbesuch gekauft hatten. Als Teil des Moomba Festivals gibt es hier jeden Abend ein Feuerwerk, auf das wir vom 88. Stock aus natürlich einen super Blick hatten.

Ein paar Explosionen und „oooohs“ und „aaaahs“ aus der chinesischen Armada rund um uns später traten wir die wohlverdiente Heimreise ins Hotel an.

Doch nicht ohne Zwischenstopp in der Hotelbar. Da unsere Zimmer gestern noch nicht fertig waren erhielten wir nämlich zwei Gutscheine für Freigetränke. Und nachdem wir nunmal arm wie die Kirchenmäuse sind, mussten wir den Schlummertrunk in Form eines erstklassigen Chardonnays aufs Haus schreiben lassen. Gibt schlimmeres..

Wie versprochen gibt’s heute noch ein paar Infos zu Land und Leuten. Australien erinnert mich sehr stark an Amerika. Die Straßenschilder, die gesamte Gegend, das Flair. All das wirkt irgendwie so vertraut. Der größte Unterschied ist, dass hier Linksverkehr herrscht. Und dass man sich, wenn man nach rechts abbiegen will, oft ganz links einordnen muss. Diese Verrückten! Die Leute wirken irgendwie recht extrovertiert und weltoffen. Bei der Moomba Parade heizten zwei Transen die Menge an, bei uns wohl ohne Buh-Rufen unmöglich. Aber hier ist alles erlaubt, hier laufen auch junge, hübsche Frauen herum mit einem Pelz auf den Beinen, dass selbst Nonja in Schönbrunn vor Neid den Pinsel fallen gelassen hätte. Generell gibt es hier viele schöne Menschen. Zeitweise fühle ich mich daher auch manchmal fehl am Platz. Auch die Freundlichkeit wird hier groß geschrieben. Liegt wohl an der easy going Mentalität hier, die überall herrscht.
Kurzer Ausblick auf die nächsten Tage:
Morgen drehen wir die letzten Runden durch Melbourne, bevor wir uns einen Mietwagen holen und die Great Ocean Road in Angriff nehmen. Vielleicht wird das also der letzte Blog-Eintrag, weil ich wegen Geisterfahrerei (gibt’s da ein Wort dafür?) eingebuchtet werde. Solange es nicht das Gefängnis von gestern ist…
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