Der Tag begann mit dem, was ich am meisten hasse: Koffer packen! Abgesehen davon, dass es sowieso nervt, aus dem Koffer zu leben, aber das nimmt man natürlich gerne in Kauf.
Nachdem wir ausgecheckt und die Koffer an der Rezeption abgegeben haben, marschierten wir zum Queen Victoria Market, der fast ums Eck liegt. Ich hätte mir eigentlich ein Shopping Center in einem uralten Gebäude erwartet, doch damit hatte der QVM wenig zu tun. Denn er besteht aus über 10 ewig langen Gängen, wo sich ein Stand neben den anderen reiht.
Die eine Hälfte besteht aus einer Vielzahl an Souvenir-, Taschen und Bullshit-Verkäufern (natürlich haben auch wir eingekauft..), die andere aus einer Art Naschmarkt. Der Bullshit-Teil sagte uns nicht so zu, was vermutlich zum Teil auch daran lag, dass eine riesige Reisegruppe von ungefähr 200 asiatischen Damen zur selben Zeit an den einzelnen Marktständen wütete. Wenigstens waren sie allesamt gleich gekleidet, sodass wir ab dem Zeitpunkt, an dem wir eines der T-Shirts genauer ansahen, einen großen Bogen um sie machen konnten. Es waren nämlich die Teilnehmer einer Tupperware Convention aus Indonesien. Yay!
Auf der anderen Seite gibt es alles zu kaufen, was genießbar ist (oder scheint). Angefangen bei exotischen Früchten wie Bittermelonen, Drachenfrucht und richtig geilen Mangos, über jegliche Gewürze, bis hin zu riesigen Karotten und Süßkartoffel. Wir wunderten uns, warum es dort gerade Kürbisse und Spargel gibt. Die Erklärung liegt darin, dass es hier ja gerade Herbst ist und nicht Frühling. Das war eine ähnliche Situation wie vor einigen Jahren, als wir im Dezember im Stockholmer Skansen Zoo keine Bären gefunden haben.
Gegenüber der Marktreihen befindet sich noch ein ziemlich beeindruckender Fleisch- und Fischmarkt.
Da wir noch nicht gefrühstückt hatten, besorgten wir uns bei einem Bäcker Croissants und Muffins. Wir sind uns nicht sicher, ob wir wirklich so deutsch bzw. österreichisch aussehen, doch irgendwie muss man es uns auch anmerken, ohne ein Wort zu sagen. So sprach uns auch der Verkäufer beim Bäcker auf Österreichs dunkle Vergangenheit an. Ideales Gespräch fürs Frühstück!
Da wir eigentlich alle Punkte abgehakt hatten die uns interessierten, nutzten wir die kostenlose City Circle Tram aus, die den gesamten Stadtkern umrundet und zu jedem Stopp ein paar Infos parat hält. Es war eine optimale Art, nochmals alles zu besichtigen, was wir die letzten zwei Tage zu Fuß gesehen haben.
Als Übernahmezeit für unseren Mietwagen war 16 Uhr vereinbart, also hatten wir noch ein wenig Zeit und machten es uns nach einem kurzen Spaziergang im Flagstaff Garden direkt vor unserem Hotel in der Wiese gemütlich. Doch es stank. Nach Hundescheiße. Verdächtig. Wir suchten mit unseren Adleraugen (Haha!) die nähere Umgebung ab, konnten aber nichts finden. Und drauf gesessen sind wir auch nicht, also nahmen wir das mal so hin und beobachteten eine Gruppe Teenager, die im Käfig vor uns eine Mischung aus Basket- und Handball spielten.
Nach einer Weile holten wir unsere Koffer, packten die Souvenirs hinein und wanderten zum Southern Cross Bahnhof, wo auch der Flughafen Bus abfuhr und uns – Überraschung Überraschung – zum Flughafen brachte.
Die Fahrzeugübernahme verlief problemlos und die Spannung stieg, welches Auto für die nächsten drei Tage wohl unseres wird. Und tadaaaaa: ein Mitsubishi Lancer. Eigentlich viel zu groß für zwei Leute, aber wenigstens bringen wir unsere zwei riesigen Koffer unter.
Die richtige Ausfahrt haben wir schnell gefunden. Das Problem war nur unsere scheiß Navi-App, die scheinbar alles einfach irgendwie anzeigt. Somit haben wir halt auf einer kurzen Strecke drei extra Runden gedreht. Es war aber auch eine sehr schöne Straße! Nach ein paar extra Kilometer fanden wir endlich den richtigen Weg und waren unterwegs Richtung Torquay, dem Anfang der Great Ocean Road. Alles easy. Wenn nicht auf einmal ohne jegliche Vorwarnung die Straße aus gewesen wäre und sich in einen Schotterweg verwandelt hätte. Kein Zeichen einer Baustelle, gar nichts. Nur Straßenschilder, die das Tempo vorgaben: 80 km/h! Eh leiwand! Wir sind 20-30 gefahren. Aber nachdem uns auf einer Strecke von ca. 7 Kilometern ohnehin nur einmal ein Auto überholt hatte, war es auch egal.
Wir sind schließlich gut im Motel angekommen und genießen eine super Aussicht!
Aber wenigstens ist das Zimmer halbwegs stylish
Langsam machte sich der Hunger breit, denn wir hatten außer dem Frühstück nichts ordentliches gegessen, von den diversen australischen Schokoriegel abgesehen. Also begaben sich die kleinen dicken Kinder auf die Suche nach Essen und wurden bei Torqu’n’Asian fündig. Wir waren mutig und entschieden uns für Special Fried Rice und Singapoure Noodles. Beides sehr dehnbare Begriffe. Geschmeckt hat es aber wirklich lecker!
Torquay ist wirklich eine super nette Kleinstadt mit einem überschaubaren Stadtzentrum. Es war zwar kaum was los, da wir erst gegen 18:30 Uhr ankamen, aber trotzdem strahlt die Stadt einen ganz besonderen Charme aus.
Im Bottle Shop des lokalen Supermarkts besorgten wir uns noch was zu trinken für den Abend. Doch hier gewöhnt man sich das Saufen wirklich ab! Hier kostet eine Flasche Absolut Vodka in Aktion läppische 40$!
Am Parkplatz des Supermarkts sahen bzw. hörten wir ein paar große weiße Vögel kreisen und kreischen. Anfangs waren wir nicht ganz sicher, doch das waren Kakadus! KAKADUS! Wie geil ist das bitte? Da fliegen Kakadus gemeinsam mit bunten Papageien und anderen Vögeln einfach so herum! Ich weiß nicht warum, aber ich fühlte mich, als wäre ich gerade auf Avatar gelandet oder so.
Wir machten es uns vorm Zimmer auf feinsten Plastiksesseln bequem und genossen unsere Drinks, bevor wir ins Zimmer gingen, da es hier doch schon ein wenig frischer ist als in Melbourne. Ohne langer Hose und Jacke kann es schon mal kühl werden. Somit saßen wir am Bett und schauten die australische Version von „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“. Hier gibt’s dieselben Prüfungen, allerdings sind die Kandidaten nicht im eigenen Land (wäre ja auch langweilig), sondern in Südafrika. Nachdem uns ein wenig kalt war, aktivierten wir die Klimaanlage und stellten sie auf heizen. Nach kurzer Zeit (Anita stellte den Regler auf 30 Grad..) war es warm genug und so wollte ich das Gerät wieder abdrehen. Doch dann geschah es. Sie war hier. Die erste australische Spinne! Ich bin normalerweise keine Pussy, aber vor Spinnen graust mir irgendwie. Warum auch immer. Nicht dass ich kreischend weglaufen und die Spinne mit dem Flammenwerfer töten würde, aber mir ist es einfach lieber, wenn sie weit weg sind.

Anita fragte mich, ob sie sie rauswerfen sollte, was mir ganz recht war. Ich wollte ihr eigentlich sowas auf die Art sagen wie „Danke, mir graust nämlich davor“, doch ich sagte „Ich glaub mir graust davor mehr als von dir…“ – das hat gesessen! Was bin ich froh, dass Anita verstanden hat was ich meinte und es genauso lustig fand wie ich.
Nun werden wir uns noch den letzten Rest vom Bier bzw. Cidre schmecken lassen und uns ansehen, welcher Kandidat das Dschungelcamp verlassen muss. Die Teilnehmer hier haben nämlich eines gemeinsam mit denen der deutschen Version: Keiner kennt sie!
Bis bald!
P.S.: Wer das mit dem Bären nicht verstanden hat: Stichwort Winterschlaf!
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