Der bisher geilste Tag in Down Under

Eines kann ich gleich mal vorweg sagen: Das war bisher der geilste Tag in Australien!

Angefangen hat er nach einer eher unruhigen Nacht mit einem leckeren Frühstück im Café 153 in Apollo Bay.

Wir starteten extra ein wenig früher, da wir ein schönes Stück Strecke vor uns hatten. Auf der Great Ocean Road befindet sich alle paar Kilometer ein Aussichtspunkt. Würde man bei allen stehen bleiben, bräuchte man für die Strecke wohl ein paar Tage. Den ersten Stopp legten wir jedenfalls bei Castle Cove ein. Ich glaube ich habe noch nie so eine unruhige See gesehen wie dort. Zum Schwimmen eher ungeeignet. Vor allem wenn man – wie ich – im Schwimmkurs beim Level Seepferdchen ausgestiegen ist. Das Wetter war nicht ganz so gut wie die letzten Tage, da es ziemlich bewölkt war und der Wind die Temperatur ordentlich nach unten schraubte. Die Haare auf meinen Dank kurzer Hose unbedeckten Beinchen stritten sich zeitweise um Stehplätze.

Die Great Ocean Road führt nicht ständig an der Küste entlang, sondern stellenweise auch ein wenig ins Landesinnere. Die Aussicht ist zwar weniger beeindruckend, das Fahren machte aber trotzdem wieder riesigen Spaß. Geistiges Memo an mich: Kartfahren organisieren wenn wieder in Wien!
Auf unserem Plan stand eine der wichtigsten und berühmtesten Sehenswürdigkeit der gesamten Strecke, nämlich die zwölf Apostel. Es handelt sich dabei um (mittlerweile nicht mehr zwölf) verschiedene Steinformationen, die mehrere Meter aus dem Wasser ragen und sich vor Jahrtausenden gebildet hatten. Durch das Meer, den Regen und den Wind verformen sie sich ständig, sodass früher oder später nichts mehr davon übrig bleiben wird. 




Schwer beeindruckt ließen wir die Apostel hinter uns und machten uns auf den Weg zum nächsten Highlight, nämlich dem Loch Ard Gorge. Doch am Weg dahin war es diesmal wirklich soweit! Wir sahen tatsächlich unser erstes Känguru, direkt neben der Straße! Wir wunderten uns, dass es bei dem Lärm der vorbeifahrenden Autos überhaupt schlafen konnte. Sagen wir mal so, hätte man dieses Exemplar einem Kind als Haustier geschenkt, es hätte keine Freude damit gehabt. Wir waren trotzdem irgendwie euphorisch, auch wenn es nur ein semi-lebendiges Tier war. Ich sah noch ein zweites Tier, der dem selben Schicksal erlegen ist, doch bei uns gilt der Grundsatz „Was nicht alle gesehen haben, hat keiner gesehen!“ 
Kurze Zeit später konnten wir uns aber wieder erfreulicherem widmen, nämlich den drei Aussichtspunkten Loch Ard Gorge, The Arch und die London Bridge (Bilder der Reihe nach unten). Bei letzterer ist im Januar 1990 die Verbindung vom Festland zu den Brocken eingestürzt. Verletzt wurde niemand, doch die zwei am Felsen verbliebenen Männer mussten mit dem Helikopter gerettet werden. 




Von Mutter Natur begeistert navigierten wir  zu unserem nächsten Ziel, Flagstaff Hill. Es handelt sich dabei um ein Museum, das sich dem alten Leben an der Shipwreck Bay widmet. Rund um diesen Abschnitt der Great Ocean Road sind nämlich unzählige Schiffe gekentert und gesunken. Das Dorf bestand aus einer Vielzahl wirklich nett hergerichteter Häuser, die man allesamt betreten konnte. Und das Beste daran war, dass es keine Schilder gab, die besagten dass man nichts angreifen sollte. Das war das Paradies für mich. 




Auf unserer imaginären Liste abgehakt stand auch schon der nächste Punkt am Programm. Bei uns läuft es wie am Touristen-Fließband. Kaum ist die eine Attraktion vorüber, geht’s schon zur nächsten. Es gibt hier so viel zu sehen, dass wir keine Zeit verlieren dürfen. Bei einer unserer unzähligen Internetrecherchen stießen wir auf das Tower Hill Reserve. Die Bilder im Internet zeigten größtenteils Emus, die dort überall herumliefen. Und tatsächlich, schon bei der Einfahrt zu dem Gelände standen einige im flachen Wasser und fischten nach ihrem Futter. Nach einer kurzen Fahrt durch den Wald in Richtung Visitor Center sahen wir ein Pärchen am Straßenrand stehen, das wild fuchtelnd die Waldböschung hinauf zeigte. Und diesmal war es tatsächlich so weit. Diesmal wirklich! Wir sahen zum ersten Mal in unserem Leben eine Gruppe Kängurus in freier Wildbahn. Leider konnten wir mit dem Auto nicht stehenbleiben, somit mussten wir uns selbst auf die Suche machen, nachdem wir einen Parkplatz gefunden hatten. Wir starteten unsere Wanderung beim angesprochenen Visitor Center und es dauerte nicht lange, bis wir tatsächlich wieder ein Eastern Gray Kangaroo sahen. Ich war irgendwie ein wenig aufgeregt, weil das alles so surreal wirkt. Die Gegend dort war unbeschreiblich, keine fünf Meter vor mir frisst ein Känguru frische Blätter und wir sind mitten drin. 




Alles war gut, bis eine Gruppe Chinesen kam. Und mit ihnen kam die Hektik. Und mit ihnen ging das Känguru. Anita und ich verfluchten das rücksichtslose Volk und beschlossen den beschilderten Wanderweg ein wenig zu verlassen, um die Gegend auf eigene Faust zu erkunden. Und das war eine gute Idee, denn wenige Meter später sahen wir wieder zwei Kängurus und das eine kam direkt auf uns zu. Es stellte sich auf, als würde es sagen „Los, fotografiert mich! Ich bin die Kim Kardashian des Kängurulands!“
Wir wussten, dass wir bestimmt noch einige der Tiere sehen werden, doch es fiel uns schwer, uns von den Tieren zu trennen. Wieder beim Besucherzentrum  angekommen drehten wir noch eine Runde um die dortigen Picknick und Barbecue-Plätze. Und dort stand tatsächlich eine kleine Emu-Familie. Mutter, Vater und zwei Kinder. Zumindest soweit ich das als fast-professioneller Tierologe feststellen konnte. Wir näherten uns auf wenige Meter, doch Anita verbot mir, sie anzulocken, da sie Angst vor (!) Vögeln hat. 

Eigentlich wollten wir ja heute noch nach Portland und dann erst zurück nach Port Fairy fahren, doch wir entschieden uns dann doch dagegen, da wir sonst drei Stunden länger im Auto hätten sitzen müssen und uns die Zeit in der Natur abgegangen wäre. Daher führen wir gleich nach Port Fairy und ich kann nur sagen, ich liebe diesen Ort. Es ist, als wäre die Stadt aus dem Flagstaff Hill Museum plötzlich zum Leben erweckt worden. Der Ort besteht quasi nur aus einer wichtigen Straße, wo sich ein Geschäft neben dem anderen in uralte Gebäude eingenistet hat. Auch die Häuser rund das Stadtzentrum sehen genauso aus, eines schöner oder netter (wirklich nett! Nicht „nett = kleiner Bruder von Scheiße-Nett“) als das andere. Das einzige was uns ein wenig Probleme bescherte war die Suche nach unserem Hotel, das direkt auf der Hauptstraße liegen sollte. Nach ein paar mal nachfragen fanden wir endlich den winzigen, versteckten Eingang zu der Unterkunft, die eigentlich im Hinterhof eines Cafés ist. Durch einen gerade mal fünfzig Zentimeter breiten Durchgang gelangt man zum Zimmer, das in die Kategorie „eigentlich ganz okay für eine Nacht“ fällt.

Der „Hotelier“, ein schrulliger, alter, aber liebenswürdiger Mann, empfahl uns eine Pizzeria gegenüber und nachdem wir uns über Tipps von Einheimischen immer sehr freuen, gingen wir natürlich dort hin. Der Eingangsbereich war auch gleichzeitig die Küche und nachdem Anita und ich diese betraten, war sie auch schon voll. Wir orderten unsere Pizzen und gingen über einen Seiteneingang in die angrenzende Bar, die irgendwie zu der Pizzabäckerei dazugehörte. In Wien wäre ich nie in so ein Lokal gegangen, doch hier hat es uns voll getaugt. Die laute Reggae-Musik passte absolut nicht zu einer Pizzeria, aber gepaart mit der Einrichtung und dem Flair konnte ich mir keine bessere Wahl vorstellen. Der Kellner war ein verlebter, blonder Surfer-Typ mit stellenweise Dreadlocks, einem Oberlippenbart und Birkenstock-Schlapfen, aber freundlich und aufmerksam, dass man schon die Hälfte so manchem österreichischen Servierkörper wünschen würde. Sofort brachte er uns eine Flasche Wasser zum Tisch und kurze Zeit später unsere super leckeren Pizzen (Hawaii für Anita, Pig Lover für mich).

Für den Verdauungsspaziergang entschieden wir uns für den Weg zu Griffiths Island, einer Insel, die nur zu Fuß begehbar ist. Sie ist bekannt für ihre Mutton Birds und Swamp Wallabies. Die überaus freundliche Dame bei der Touristeninformation meinte sie hätte noch nie Wallabies dort gesehen, doch schon nach ein paar Metern tauchte das erste im hohen Gestrüpp auf. Da sie scheinbar so an Menschen gewöhnt sind, hatte es auch keine Scheu munter vor uns weiter zu fressen. Je weiter wir gingen, desto mehr der supersüßen Tiere sahen wir. 


Auch viele Mutton Birds sahen wir. Von den meisten davon allerdings nicht mehr viel. Denn auf der Insel sind alle paar Meter Vogelkadaver zu finden. Der Grund dafür sind die vielen Füchse, die in den Vögeln natürlich eine willkommene Futterquelle sehen. Um die Vögel zu schützen wird versucht, die Füchse zu vergiften. Klingt grausam, ist aber zum Schutz der Vögel notwendig. 

Der ungefähr zwei Kilometer lange Rundweg war glaube ich der beste bisher. Er führte über ebene Wege, riesige Steine und stellenweise direkt über den Strand. Dazu die Wallabies und Vögel, die Pflanzen und der Leuchtturm. Und vor allem auch die Leute, die einem entgegen kommen. Man grüßt sich nicht nur, man führt Small Talk. Wir trafen eine besonders nette Dame, die uns über unser bisher erlebtes gefragt hat, uns erzählte dass sie Verwandte in Deutschland hat und so weiter und so fort. Beim Ausgangspunkt des Rundgangs trafen wir sie wieder und nachdem wir sie fragten ob sie ein paar gute Fotos geschossen hat, zeigte sie uns stolz ihre Ergebnisse. So etwas passiert einem hier ständig. Die Leute sind so freundlich und nett. Sowas sind wir nicht gewöhnt. Sowas ist uns fremd. Leider!
Nun heißt es noch schnell zusammenschreiben, was wir uns morgen am Rückweg über die Great Ocean Road noch ansehen wollen, denn es geht bereits zurück nach Melbourne. Am Abend geht nämlich schon der Flieger zu unserem nächsten großen Stopp: Sydney!
In diesem Sinne: G’d Day to you, Mates!

Eine Antwort zu „Der bisher geilste Tag in Down Under”.

  1. Schon ein Erlebnis, eure Erlebnisse nur zu lesen =)

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Kerstin Antwort abbrechen