Wir sind müde, die Beine schmerzen und das einzige, auf das wir uns jetzt noch freuen ist unser Bett. Das sind drei gute Anzeichen dafür, dass es ein super Tag gewesen ist.
Der Wecker läutete um Punkt 6 Uhr. Im Urlaub freut man sich darüber ungefähr genauso, wie über eine Wurzelbehandlung zum Geburtstag. Kurz vor 7 waren wir bereits am Hauptbahnhof, wo unser Zug in die Blue Mountains schon auf uns wartete.
Die zweistündige Fahrt verlief äußerst ruhig, nicht zuletzt weil hier jeweils der erste und letzte Waggon sogenannte „Quiet Carriages“ sind, in denen weder telefoniert, noch laut gesprochen werden darf. Super angenehm, kann ich nur sagen! Um 09:24 kamen wir schließlich bei unserer Station an: Katoomba!
Um die Blue Mountains optimal zu besichtigen, gibt es neben zwei verschiedenen Hop on Hop off Bussen auch die sogenannte Scenic World, die unser Ziel war. Der ungefähr 3,5 Kilometer lange Weg dorthin war wenig spektakulär, doch er wärmte uns ein wenig auf, da es in Katoomba weit frischer ist als in Sydney.
Für 35$ gibt es ein fesches Plastikarmband, mit dem man die vier Attraktionen der Scenic World unbegrenzt nutzen konnte: Walkway (verschiedene mit Holzbrettern ausgelegte Wanderwege durch den Regenwald), Cableway (545m lange Seilbahn zum unteren Teil des Waldes), Railway (steilster Passagierzug der Welt mit 52 Grad Gefälle – und das ist wirklich verdammt steil! Dafür kann man sich die Sitze so adjustieren wie man will. Von Laidback bis hin zu Cliffhanger) und Skyway (in 270m zwischen den Klippen über dem Jamison Valley). Die blauen Berge erhielten ihren Namen übrigens von dem blauen Dunst, der meist über dem Tal liegt. Dieser kommt von den vielen unterschiedlichen Eukalyptus-Bäumen, die man dort findet.
Wir begannen mit der Fahrt mittels Railway hinunter zum Beginn der Walkways und schritten dort alle möglichen Routen ab. Da der gesamte Weg nur 2,4 Kilometer lang ist, waren wir dementsprechend schnell fertig.

Geil war die Gegend trotzdem, auch wenn wir es uns anders vorgestellt hatten. Wir waren schließlich in Wandermontur unterwegs, dabei hätten wir diesen Spaziergang auch mit Flip Flops bewältigen können.
Interessant sind auch die Bäume und vielen Farne, von denen viele durch Hinweisschilder erklärt werden. Einige wachsen hier außerdem ziemlich seltsam. Von oben nach unten, dann ein Stückerl nach links, wieder ein paar Zentimeter nach oben und dann doch wieder nach rechts. Es scheint als wären die Pflanzen von dem Eukalyptusgeruch, den man ständig in der Nase hat, so benebelt, dass sie einfach vergessen haben, wie man sich als Pflanze eigentlich benehmen sollte.
Eigentlich dachte ich ja schon vor knapp einer Woche in Apollo Bay die Drehorte von Jurassic Park gefunden zu haben. Falsch gedacht. Denn in den Blue Mountains sieht es noch viel mehr nach Dinosauriern und Jahrtausenden alten Pflanzen aus. Und auch die Soundkulisse passte wieder. Verantwortlich dafür sind unter anderem diese Kollegen, die – wenn sie gerade mal nicht schreien – ihre Schnäbel in den Waldboden hacken, um Nahrung zu suchen: Lyrebirds.
Mit der Seilbahn fuhren wir wieder zum Ausgangspunkt unserer Tour und nahmen diesmal den Skyway auf die andere Seite der Schlucht. Das Highlight daran ist, dass sich ein Teil des Bodens von Milchglas auf transparent umschalten lässt. Sodass man unter seinen Füßen nichts hat als ein paar dicke Scheiben.
Auf der anderen Seite angekommen entschieden wir uns für den Katoomba Falls Walk, ein 45 Minuten Rundgang zu den bekannten Wasserfällen. Der Weg war schon ein wenig anspruchsvoller und somit zahlte es sich doch noch aus, nicht die Flip Flops angezogen zu haben. Die Aussicht war wirklich erste Sahne!
(Oberster Teil der Katoomba Falls)
Der berühmteste Teil der Blue Mountains sind allerdings die Three Sisters, eine Formation, die aus drei riesigen Steinen besteht. Die drei Schwestern haben jedoch eine traurige Vergangenheit, wie es eine australische Traumzeitenlegende der Aborigines besagt. Hier lebten nämlich angeblich die drei Schwestern Meehni, Wimlah, und Gunnedoo gemeinsam mit ihrem Vater, Tyawan, einem Zauberdoktor, lebten. Nahebei wohnte auch der Bunyip (böses Fabeltier, das in den Sümpfen wohnt), vor dem sie Angst hatten.
Eines Tages erschrak Meehni, als sie einen Tausenfüssler erblickte und warf nach diesem einen Stein, der aber über die Klippen rollte. Bunyip wachte auf und war verärgert; als er die Schwestern erblickte, ging er wütend auf sie los. Tyawan nahm seinen Zauberknochen und verwandelte die drei nahe beieinander stehenden Schwestern in drei Felstürme, um sie zu schützen.
Der Bunyip wandte sich nun gegen Tyawan, der sich selber in einen Leierschwanz verwandelte und davonflog. Dabei verlor er seinen Zauberknochen, den er auch heute noch sucht; die drei Schwestern warten und hoffen, dass er ihn bald findet. (Quelle: Wikipedia.de)
Die drei Schwestern mittig im Bild
Nach mehreren Stunden des ständigen bergauf und bergab, Stufen rauf und Stufen runter war es schließlich an der Zeit, den Blue Mountains auf Wiedersehen zu sagen und sich auf den Weg zum Zug zu machen. Diesmal nahmen wir aber den Shuttlebus, der uns weit schneller wieder ins Stadtzentrum brachte. Außerdem brauchten unsere Füße ohnehin ein wenig Pause. Somit warteten wir bei der alten, richtig herzigen Bahnstation auf unseren Zug zurück zur Sydney Central. Bemerkenswert ist, dass sich bei jedem noch so kleinen Bahnhof oder in jedem noch so winzigen Park eine öffentliche Toilette befindet. Für einen Dauer-Lulu-muss-Mann wie mich natürlich optimal. Und das beste daran ist, dass sie nirgends was kosten und trotzdem größtenteils sehr sauber sind. Bei uns schreit der oft übelst gelaunte Heisl-Drache meist schon „50 Ceeeent! Vorher bezahlen!“ wenn man nur in die Nähe des Klos kommt. Ich will natürlich nicht verallgemeinern. Nicht dass morgen die Gewerkschaft der Toilettenbediensteten auf der Matte steht.
Am Hauptbahnhof der Hauptstadt Australiens stiegen wir wieder in die Metro um und fuhren zu Kings Cross, unserer Station. Dort erlebt man immer etwas. Seien es die geilen Typen am Weg zur nächsten Fleischbeschau in der Gogo-Bar oder eine Prostituierte, die nur in Unterwäsche ein wenig auf einer Mundharmonika herumspielte. Ich war mir nicht ganz sicher, ob sie wirklich eine war. Daher musste ich nochmal hinsehen. Diesmal genauer. Aber ja, das war eine. Eindeutig. Es war eine Mundharmonika. Ein anderer Hingucker war auch ein grauhaariger, alter Mann, doch nicht er war so interessant, sondern sein Shirt. Aufschrift vorne: I did it with Kylie. Aufschrift hinten: But I can’t remember which one! Die Tragik des Alters!
Den ganzen Tag über freuten wir uns schon auf eines: Das Mittag- bzw. eher Abendessen. Bei Woolworth, der scheinbar größten Supermarktkette hier, gibt es nämlich ähnlich wie bei uns eine heiße Theke. Und dort lag auch unsere Mahlzeit in Form eines Grillhenderls! Gemeinsam mit Kartoffelsalat (German Style mit Speck und Ei) brachten wir es schnell nach Hause, räumten den Esstisch mit einer Handbewegung ab und begannen zu schlemmen. Was wir nicht wussten: Es war auch noch mit Semmelknödel gefüllt! Holymoly! Also wenn ich nicht mit mindestens fünf Kilo mehr zurück komme, dann weiß ich auch nicht.
Nun verdauen wir unser feines Dinner und planen unseren letzten ganzen Tag in Sydney. Der wird nämlich aussehen wie ein absolut typischer Touristentag. Opernhaus, Harbour Bridge und wenn es Sydneys Wetter gut mit uns meint, dann endlich auch der botanische Garten!
Ich wünsche euch einen guten Wochenstart und schick euch liebe Grüße!
PS: Sydney ist nicht die Hauptstadt Australiens! Wollte nur mal schauen ob ihr auch aufmerksam seid 🙂
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