Drei Tage Outback – unvergesslich, unbeschreiblich, unglaublich 

Wir sitzen wieder auf der Veranda im Desert Palms Ressort und wissen nun die „Zivilisation“ von Alice Springs zu schätzen. Es hat zwar immer noch 30 Grad, aber irgendwie kommt es uns ein bisschen kühl vor.
Vorwarnung an alle lesefaulen Leute: Das wird ein sehr langer Text und es wird etwas länger dauern, um ihn zu lesen. Ganz am Ende ist eine kurze Zusammenfassung über unseren Trip ins Outback, für alle die schnell wissen wollen wie es uns gefallen hat. Aber nun zu den einzelnen Tagen!

Tag 12 – Donnerstag, 19.03.2015

Der Donnerstag begann quasi mitten in der Nacht, denn schon um 04:50 läutete der Wecker. Überpünktlich wurden wir um 05:40 von Deb, unserer Fahrerin und Tourenführerin für die dreitägige Tour abgeholt. Sie ist vor über zehn Jahren von Italien nach Alice Springs ausgewandert und hat, bevor sie als Führerin angefangen hat, im Gefängnis gearbeitet. Mit ihr ist also nicht zu spaßen. 
Nacheinander holten wir die einzelnen anderen Teilnehmer von ihren Hotels ab, bis wir schließlich auf eine Gruppe von 17 Personen gewachsen sind, von der ein Großteil aus Europa kommt. Das Beste: Es waren keine Chinesen in unserer Gruppe! Das wäre unser Albtraum gewesen. Anita und ich, umgeben von 22 Chinesen. Wir hätten uns vermutlich absichtlich irgendwo vergessen lassen. 
Nach ungefähr einer Stunde Fahrt machten wir den ersten Zwischenstopp bei einer Kamelfarm, wo wir uns nochmals mit Wasser eindeckten und die unterschiedlichen Tiere dort beobachteten. Die Kamele, die hier mittlerweile auch heimisch sind, interessierten uns eher weniger, dafür fütterten wir die neugierigen Kängurus. Auch unseren ersten Dingo haben wir zu Gesicht bekommen. In Australien gibt es übrigens mittlerweile so viele Kamele, dass sie in die Länder, in denen sie eigentlich heimisch waren, zurück exportiert werden, da die Ausmele (australische Kamele! Ur gute Wortschöpfung, oder? ODER??) als sehr robust und stark gelten.

Auf der Weiterfahrt erzählte uns Deb eine Menge interessante Dinge über die Gegend und das Leben im Outback. Unter anderem, dass es satte anderthalb Stunden dauert, wenn man beim Bahnübergang Pech hat und gerade The Ghan vorbeifährt. Der Zug verbindet den Norden mit dem Süden und ist erstens superlang und zweitens superlangsam. Superlang sind übrigens auch die so genannten Road Trains, also LKW mit zwei zusätzlichen Anhängern hinten dran.

Beim zweiten Zwischenstopp bei einer Tankstelle merkten wir erstmals, warum die typische australische Handbewegung das schlagen mit der Hand vor dem Gesicht ist. Es gibt dort nämlich Milliarden kleine Fliegen, die sich vorzugsweise auf deine Augen setzen wollen. Oder eigentlich ist es egal wohin, Hauptsache sie können dich nerven, diese kleinen Bastarde. Sie sind zwar nur halb so groß wie unsere Stubenfliegen, dafür 183 Millionen mal so nervig. Das Wacheln mit der Hand vorm Gesicht wird auch „Aussie Salute“ genannt, der australische Gruß.
Nach gut zweieinhalb Stunden Fahrt wurde es im Bus immer wärmer und wärmer. Der Grund war scheinbar eine defekte Klimaanlage. Eh leiwand, hatte eh nur über 40 Grad draußen. Zu allem Überfluss hat das Gebläse dann auch noch angefangen, warme Luft ins Innere des Kleinbusses zu transportieren.  
Was macht man in so einem Fall? Natürlich die knappen drei Stunden retour fahren und einen anderen Bus nehmen! Was sonst? Wir hielten bei der nächsten Tankstelle und machten Rast, während Deb sich um alles kümmerte. Jetzt wussten wir auch, warum der Anbieter Adventure Tours hieß und in der Windschutzscheibe ein Schild mit der Aufschrift „Shit happens“ hing. Unsere kleine Outback-Familie wurde von einer Gruppe die mit einem riesigen Bus reiste glücklicherweise aufgenommen. Während Debora alleine zu unserem Camp in Yulara fuhr, fuhren wir mit dem klimatisierten Bus weiter ins rote Zentrum. Und bald ließ er sich das erste mal blicken: Der Uluru.
Unser erster Weg führte uns allerdings an dem riesigen Felsen vorbei in unser Camp, in dem wir die erste Nacht verbringen würden. Dort gab es erst mal Mittagessen. Chicken Wings mit Salat und Couscous. War zwar kein 5*-Dinner, aber es schmeckte. Das Camp bestand aus mehreren kleinen Hütten und größeren Bereichen, die als Speisesaal für die Gruppe dienten. Für die Nacht hatten wir die Wahl, in einer aufgeheizten und stickigen Hütte zu schlafen oder unter freiem Himmel im Swag, quasi einem australischen Schlafsack. Wofür wir uns entschieden haben muss denke ich nicht erwähnt werden.
Nachdem die Wasserflaschen wieder aufgefüllt waren, machten wir uns auf den Weg zu Kata Tjuta, oder wie sie mit „alten Namen“ heißen: Die Olgas. Hierbei handelt es sich um 36 riesige Steinformationen, die durch den Plattendrift vor Millionen Jahren entstanden sind. Von der Ferne sehen sie ein wenig aus wie Exkremente. Ach was soll’s, sie sehen aus, als hätte ein riesiges – und ich meine damit ein wirklich riesiges! – Känguru hier hin gekackt! Mitten im Nirgendwo liegen plötzlich ein paar überdimensionale Känguruköttel. Kata Tjuta bedeutet übersetzt so viel wie „viele Köpfe“.




Die Olgas waren sehr beeindruckend und weit größer, als ich sie mir vorgestellt hätte. Bei einer kurzen Wanderung wurde uns ein wenig über die Geschichte näher gebracht. Das Thermometer zeigte mittlerweile 43 Grad an. Und das ist wirklich warm! Das erklärt auch, warum man hier am Tag 10 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen sollte. Natürlich ideal für jemanden wie mich, der einen Viertel Liter Weißer Spritzer in drei Liter Pipi verwandeln kann. Wie Jesus. Nur anders. Aber den Großteil schwitzt man ohnehin wieder raus. Denn erst wenn man außen auf der Kappe Schweißflecken sieht, ist es heiß genug. Es wäre alles nicht so schlimm, würde das Wasser nicht so schmecken, als wäre es aus dem letzten Pool abgezapft worden.
Der nächste Stopp war endlich DER Hotspot im Outback, um den Sonnenuntergang zu genießen. wir suchten uns neben den 500 anderen Bussen ein nettes Plätzchen, um einen optimalen Blick auf den Uluru zu haben. Mit einem Tisch und zwei Boxen bewaffnet  gingen wir zu unserem Aussichtspunkt, um auf das Farbenschauspiel zu warten. Versorgt wurden wir mit Cracker, verschiedenen Dips und Champagner. Eben stilecht für Camper. Der Anblick war super, aber ich sage mal so.. Wolken können ziemliche Arschlöcher sein, wenn sie wollen. Denn wie bereits mehrere Male in Key West versauten sie es uns auch hier. Beeindruckend war es aber trotzdem! 




Wieder im Camp angekommen sahen wir, dass bereits ein neuer Bus mit funktionierender Klimaanlage vor dem Gemeinschaftsraum stand. Nach dem Aussteigen wurden wir in zwei Gruppen geteilt: In Pöbel und Unterpöbel. Es erinnerte mich ein wenig an  Big Brother, wo es immer die Reichen und die Armen gab. Wir sind heute auf der Seite der Armen. Wir hatten eine Hütte. Wir hatten zwei Plastikmatratzen. Aber das konnte uns egal sein, denn wir wollten ohnehin im Swag schlafen. 
Cindy die Campköchin zauberte uns ein Abendessen in der Freiluftküche und servierte Kängurusteaks, Kamelwurst und Rinderkotelettes. Ein paar Minuten weniger am Grill hätten es auch getan,  aber trotzdem war es lecker. Auch der Tisch war für den Anlass fast schon zu romantisch gedeckt mit Kerzenschein und einigen Flaschen Wein.
Nach dem Essen blieben wir noch ein wenig in der wirklich super netten Gruppe sitzen und lernten uns ein bisschen näher kennen. Wir haben uns vorgenommen, viele Kontakte zu knüpfen, auf die wir im Falle eines Falles als Local Guide zurückgreifen können. Bisher sind wir in Frankfurt, Luzern, Utrecht, München und New York gut bedient.
Langsam würde es windiger und windiger. Das ist natürlich eher suboptimal, wenn man von Wüstensand umgeben ist. Und das ist auch eher suboptimal, wenn man im Freien übernachten will. Unser Tourguide Deb riet uns davon ab, heute im Freien zu schlafen, da sich der rote Sand überall hin ziehen würde und die Chancen auf Regen ziemlich gut standen. Somit stand fest, dass wir doch mit unserer Hütte vorlieb nehmen mussten. Gegen diese Unterkunft war das Zimmer in Sydney nahezu ein Palast. 
Nach dem einen oder anderen Gläschen Wein kamen wir an einen Punkt, auf den ich mich auch schon lange freute. Wir konnten endlich duschen gehen. Wir sind hier in einem Camp, wo so eine Dusche wahrer Luxus ist! Und sie tat verdammt gut. Mit einem letzten Blick auf die tausenden Sterne, die man hier sieht, verabschiedeten wir uns gegen 22 Uhr ins Land der Träume.
Tag 13 – Freitag, 20.03.2015
Die Nacht war ganz okay, wenn man von den Geräuschen absieht, die man hört, wenn man schwitzige Haut von einer Plastikmatratze zieht, jedes Mal wenn man sich bewegt. Es war zwar heiß in unserer Hütte, aber mit der adäquaten Adjustierung war es kein Problem. 
Der Wecker läutete wie am Vortag bereits um 04:45, da für 05:45 schon die Abfahrt geplant war. Normalerweise bin ich ja ein Frühstücksfan, aber um viertel 6 hält sich selbst mein Appetit noch in Grenzen.
Pünktlich saßen alle im Bus und wir fuhren erneut zum Uluru. 

(Wir vor dem Uluru. War aber noch finster.)
Diesmal hatten wir vier Möglichkeiten, was wir tun konnten. Entweder rund um den Fels spazieren, auf den Fels hinaufklettern, ein Stück weiter zu einem Aussichtspunkt fahren oder einfach im Bus sitzen bleiben und nichts von all dem machen. Den Berg betreten wollten wir nicht, da es die Aborigines als Entehrung ansehen, was wir respektieren wollten. Die letzten beiden Optionen waren uns zu langweilig (es blieb tatsächlich einer die ganze Zeit im Bus sitzen!), also entschieden wir uns für die Wanderung um den Berg herum. Um 07:00 sollte die Sonne aufgehen und den Uluru in ein feuriges Rot tauchen. Somit suchten wir uns einen guten Platz und… Wurden wieder enttäuscht. Wie schon am Vorabend schoben sich auch an dem Morgen die Wolken rechtzeitig vor die Sonne. Ich vergleiche die Wolken seitdem mit den Chinesen. Sind keine zu sehen, könnte es ein schöner Tag werden. Wir haben übrigens noch zwei Asiaten aus Tokio bzw. Osaka aufgenommen, die sehr okay sind. Aber sind ja auch keine Chinesen! 
Der ungefähr acht Kilometer lange Weg rund um die Felsformation war einfach zu begehen und hat sich ausgezahlt. Es war schlicht und einfach nur beeindruckend, was die Natur da geschaffen hat. 




Nach knappen anderthalb Stunden kamen wir wieder beim ausgemachten Treffpunkt an und wurden mit Früchten und Kuchen versorgt. Um 9 wurden wir von Vincent, einem Mitglied der Community, der der Nationalpark rund um den Uluru quasi gehört, abgeholt um noch eine weitere 90-minütige Runde zu machen. Sie dauerte allerdings nicht so lang weil wir soweit gingen, sondern weil er uns jede Menge über die Geschichte der Gegend erklärte und uns die Möglichkeiten näher brachte, die die Eingeborenen damals nutzten für alle möglichen Dinge. Gekochtes Kängurugras gegen Halsschmerzen, Vogelscheiße gegen Kopfweh, ein Mittel das für Babys gebraut wurde wenn sie zahnten oder was zur Verhütung genutzt wurde. Die Leute nutzten die scheinbar karge Wüstengegend (die allerdings sogar sehr grün ist, da die Trockenheit größtenteils nur oberhalb ist, allerdings unterirdisch Wasserreserven zur Verfügung stehen) als Apotheke, Supermarkt und Schule. Neben dem täglichen Leben erklärte er uns auch, wie die Anangu – so heißt dieser Stamm – die einzelnen Löcher im Uluru deuten oder welche Geschichte der Traumzeit nach dahinter steckt. 
Nach einem kurzen Abstecher im Cultural Center mussten wir Abschied nehmen von beeindruckenden Uluru und fuhren zurück ins Camp von heute Nacht fürs Mittagessen. Heute gab es Burger, aber nicht irgendwelche, sondern Kamelburger! Sie schmeckten superlecker und weit besser als die gegrillten Kamelwürstel am Vorabend. 
Die ersten zwei von unserer Gruppe verabschiedeten sich schon nach dem Mittagessen, da sie nun noch ein paar Tage in Sydney verbringen und dann nach vier Wochen Australien verlassen und mal eben noch vier Wochen auf den Philippinen dran hängen. Wir wünschten ihnen eine Reise. Keine schlechte, aber auch keine gute. Man kann seinen Unmut ruhig in stillem Protest und wortloser Rebellion kund tun.
Fertig gestärkt setzten wir uns wieder in unseren Bus, um zum vier Stunden entfernten Kings Canyon zu fahren. Die Fahrt verbrachten wir genauso wie die anderen Mitreisenden damit, den Schlaf der kurzen Nacht nachzuholen. 
Deb machte uns Hoffnungen, dass wir noch eine Runde in den Pool bei unserem Camp springen dürften, wenn wir unseren Zeitplan einhalten würden. Wir schafften es und somit deckten wir uns mit Bier aus der Thirsty Dingo Bar ein und machten es uns in der Wiese am Pool gemütlich. Es war einfach nur super. Die Atmosphäre hätte nicht besser sein können, das Wetter war optimal und das kühle Bier schmeckte selbst mir.
Nach einer Stunde wurden wir von Debora wieder abgeholt und ins Camp für die zweite Nacht gebracht wurden. Bisher waren wir ja verwöhnt von asphaltieren Straßen, doch damit war Schluss, denn der Weg führte uns wirklich in die tiefste Pampa. Unsere Waldwege, die eigentlich für Traktoren ausgelegt sind, sind im Gegensatz zu der Camp-Straße super präpariert. So wackelten wir unseren Weg bergauf und fühlten uns wie die Eiswürfel im Cocktailshaker. Aber wenigstens konnten wir die nächste Premiere verbuchen: Der erste Dingo in freier Wildbahn. Vom Schnabeltier und Wombat abgesehen, war unsere Liste der australischen Tiere in freier Wildbahn nahezu komplett.
Deb, die neben Fahrerin, Tourguide und Erklärbär auch noch DJane im Bus ist, meinte sie hätte den passenden Soundtrack für die etwa zwanzigminütige Fahrt durch das unwegsame Gelände. Spiel mir das Lied vom Tod. War irgendwie passend. 
Das Abendessen kochte in diesem Camp Blanket, der eigentlich Michael heißt, 23 ist und aus England stammt. Es gab Chicken Masala und auch das schmeckte vorzüglich! 
Bevor wir uns der Abendgestaltung widmen konnten, fassten die Mutigen unter uns noch die Swags aus, denn diesmal sollte es wirklich klappen mit dem Schlafen unter freiem Himmel. Ein paar waren noch unsicher, ob sie sich das aufgrund der vielen Spinnen und anderer Tiere zutrauen würden, doch Blanket und Deb meinten beide, dass sie in den Swags noch nie Spinnen fanden. Kurze Zeit später stellte sich heraus, dass es an dem Abend wohl noch eine Premiere gab. Denn in Anitas und noch einem anderen Swag machten es sich Spinnen bequem. Aber glücklicherweise eh nur die Red Back Spiders. Sind klein. Sind eigentlich hübsch. Aber sind giftig. Sie bringen dich zwar nur um, wenn du ein sehr schwaches Immunsystem hast oder allergisch bist, aber sehr schmerzhaft ist ein Biss auf jeden Fall und man sollte ihn vermeiden wenn möglich. Blanket, der in seiner Freizeit Spinnen, Schlangen und Eidechsen sucht um sie zu fotografieren – ich denke er ist tagsüber als einziger Mensch im Camp sehr einsam – fudelte mit seinen Fingern einfach hin und wollte sie in Sicherheit bringen. Er schläft mit seinem Swag übrigens auch ein wenig abseits vom Camp, um der Natur näher zu sein. Anita bekam inzwischen einen neuen Swag. 
Nachdem wir eine Einschulung in das Leben mit Swag erhielten, konnten wir uns dem Wein und dem Kartenspielen widmen. Wir spielten ein uns unbekanntes, aber ganz lustiges Spiel namens Shithead. Nachdem unser Koch die Arbeit erledigt hatte gönnte auch er sich ein Gläschen Wein und stieg ins Spiel ein. Er erzählte, dass er pro Tag 200 Dollar verdient. Bei einer Fünftagewoche. Dienstag nimmt er Reitstunden, die er sich mit arbeiten dort am Donnerstag verdient. Somit bekommt er pro Woche 1000$ und muss quasi nichts davon ausgeben. Klingt eigentlich nach einem guten Plan! Leider verging die Zeit des gemütlichen Beisammensitzens viel zu schnell. Um zehn mussten wir aus Rücksicht auf die anderen ruhig sein und so verzogen wir uns in die Duschen und letzten Endes in unsere Swags. Die Sterne über uns wurden von den Assi-Wolken natürlich wieder mal verdeckt…


Tag 14 – Samstag, 21.03.2015
Die Nacht unter freiem Himmel war auf jeden Fall ein besonderes Erlebnis, das ich jederzeit wieder machen würde! Irgendwann in der Nacht wachte ich auf, schaute nach oben und dachte „Naja, so viel sieht man da jetzt aber auch nicht.“ Es waren aber nicht wieder die Wolken, sondern ich erinnerte mich daran, dass ich ja nicht umsonst Hans Maulwurf genannt werde. Also setzte ich meine Brille kurz auf, bewunderte die tausenden Sterne, die man in der absoluten Dunkelheit sehen kann, bevor ich wieder einschlief und erst vom Wecker um 04:30 geweckt wurde. Langsam gewöhnten wir uns an das zeitige aufstehen und überlegten, ob wir nicht ab sofort jeden Tag so früh beginnen sollten. Hat man schließlich mehr davon. Sechs Stunden Schlaf müssen mehr als ausreichend sein. Nach einer deftigen Eierspeise zum Frühstück um fünf in der Früh starteten wir pünktlich um halb sechs Richtung Kings Canyon. Auf uns wartete eine dreistündige und sechs Kilometer lange Wanderung, die nur die junge Hälfte der Gruppe, also nur neun Leute, mitmachten. Der Rest entschied sich für den weniger steilen und anstrengend Rundgang, der nur anderthalb Kilometer lang war. Die Sonne war gerade erst am aufgehen und schnell merkten wir, warum wir so zeitig los mussten. Der erste Aufstieg zum Gipfel des Kings Canyon war nämlich ziemlich anstrengend und bei strahlendem Sonnenschein (der Zugang zum Wanderweg wurde eine Stunde später daher ohnehin gesperrt) kaum zu bewältigen gewesen. Doch der Aufstieg und die gesamte Wanderung lohnte sich definitiv, denn auch hier war die Gegend atemberaubend. Es erinnerte mich an den Grand Canyon, der an manchen Stellen ähnlich aussieht. Auch hier erklärte Deb viel zur Flora und (etwas mageren) Fauna. Beispielsweise über eine Pflanze, deren Milch man entweder als Bestrafung in die Augen des Verurteilten tropfte und ihn so für einige Tage blind machte, oder auf Wunden auftrug wie eine Art Pflaster, da sie nach dem trocknen nur mehr einen transparenten Film hinterließ. Da ich am Finger ohnehin einen Schnitt hatte, wollte ich es ausprobieren. Und tatsächlich, es war als hätte mir ein goldenes Einhorn über den Finger geleckt. Okay, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben und ich wusste nicht ob es irgendwie zur weiteren Heilung beigetragen hatte, aber zumindest das mit dem transparenten Film stimmte. 



Für das Mittagessen, das eigentlich mehr ein Brunch war, ging es nochmals zurück ins Camp. Diesmal gab es Burritos zum selber füllen und auch diesmal war es äußerst lecker. Und ich schaffte es, gleich zwei Stück davon zu essen, ohne mich anzupatzen! Das war ein kleiner Erfolg für mich! Wie gestern Abend gab es auch heute zwei Tische, einen wo die älteren Teilnehmer saßen und einen, wo nur die coolsten Kids Platz nehmen durften. Wir wurden ja bereits am Vorabend in den Club der coolen Kinder aufgenommen und somit durften wir auch heute mit ihnen speisen. Die einzigen nicht so coolen Kids waren die beiden Japaner, denn die kapselten sich irgendwie ein wenig vom Rest ab. Wir beschlossen, über Facebook in Kontakt zu bleiben, da wir uns untereinander so gut verstanden. 
Nach dem Essen fuhren wir ein letztes Mal den holprigen Weg zur Straße hinunter und  machten uns auf den Weg zurück nach Alice Springs. Anita und ich waren richtig traurig, dass sich die Tour schon dem Ende neigte, da wir beide super viel Spaß hatten und so viele Erlebnisse mitnehmen konnten.
Einige Kilometer später verließen wir den Highway, um eine Abkürzung zu nehmen, die uns ungefähr eine Stunde Fahrzeit ersparen sollte. Wenn eine australische Tourenführerin sagt „It could get a bit shaky“, dann sollte man wissen worauf man sich einlässt. Denn es war eine etwa 100 Kilometer lange Strecke über eine nicht befestigte Schotter- bzw. Sandstraße. Wurden wir vorher wie die Eiswürfel im Shaker herumgewürfelt, so wurden wir jetzt in den Blender geworfen und zu Crushed Ice durchgeschüttelt. Meine größte Angst war, dass die Scheiben aus dem Bus fallen oder überhaupt auseinander brechen würde. Auf halber Strecke machten wir eine kurze Pause, um uns ein wenig die Füße zu vertreten und unseren Ärschen eine Massagepause zu gönnen. Also standen wir mitten in der Wüste auf der Straße, posierten noch für ein Gruppenfoto und was passiert? Ein paar Meter vor uns taucht eine Kuh aus dem Gebüsch auf. Einfach so. Eine Kuh. Stand da und schaute uns blöd an. Sie ging weiter, um die Straße zu überqueren und hinter ihr tauchte ein Kalb auf. Fröhlich trabte die Kinder-Kuh der Mama-Kuh hinterher und verschwand wieder in den Büschen.
Als die holprige Straße endlich wieder in einen asphaltierten Highway mündete, dauerte es nicht mehr lange bis wir wieder am Ausgangspunkt angekommen waren. Wir waren die ersten, die beim Hotel abgeliefert wurden, was die Verabschiedung noch ein wenig schwerer machte. Aber so ist das Leben. Alles Schöne hat mal ein Ende. 

Was das Highlight an diesen drei Tagen war kann man schwer sagen. Der Uluru ist sicher das beeindruckendste Naturspektakel auf dieser Tour gewesen, die Wanderung durch den Kings Canyon sicher die beste bisher. Aber auch die gesamte Gruppe war ein Highlight. Angefangen bei den beiden stillen Beobachtern aus Japan. Oder der etwas seltsame Don aus den Niederlanden. Das sympathische australisch-britische Pärchen Ondine und Alan in den Mittvierzigern. Wolfi aus München und Carl aus New York, die wie Pech und Schwefel waren, obwohl sie sich erst seit einer Woche kannten. Das deutsche Pärchen, das gemeinsam mit Tochter Verena die hier vorübergehend arbeitende Tochter Svenja besuchten. Annemarieke aus Utrecht, die mutig alleine durch Down Under tourte. Oder auch das Schweizer Paar aus Luzern, das ihren Sohn Michael hier besuchte und quasi vom Sprachurlaub abholte. Jeder hatte seine eigene interessante Geschichte, hatte seine eigenen Erlebnisse, über die jeder gerne berichtete. Jeder hatte andere Touren, andere Ziele vor sich und gerade das war meiner Meinung nach das Tolle daran! Was mir auch sehr abgehen wird, sind die Ankündigungen von Deb, um sicherzugehen dass alle munter waren und zuhörten, wenn sie was zu sagen hatte: Ein paar Zungenschnalzer, gefolgt von einem fröhlichen „Wakey, Wakey!“ Oder ihre Gesangseinlagen, wenn gerade keine Musik lief.
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Wow, das ist wirklich ein langer Eintrag geworden, aber so ist das nunmal wenn man in so kurzer Zeit so viel erlebt. Und dafür sind wir nunmal hier. Es soll schließlich nicht nur euch daheim zur Unterhaltung und Verfolgung unserer Reise dienen, sondern uns selbst später auch wieder daran zurück erinnern, wenn unsere Erinnerungen ein wenig verblassen.
Morgen haben wir einen „Lazy Day“, den wir größtenteils am Pool verbringen werden, bevor wir am späten Nachmittag nach Cairns weiterfliegen. Dort warten zwei weitere Trips auf uns, nämlich in den Regenwald und ans Great Barrier Reef. Ein Highlight jagt also das andere.
Für alle die bis hier her durchgehalten haben, hier habt ihr als Belohnung ein wunderschönes Bild einer Kartoffel! Atemberaubend!

  
Hier noch die versprochene Kurzfassung:
– Outback: Heiß
– Kata Tjuta, Uluru und Kings Canyon: Cool
Bis bald! Wakey Wakey!

2 Antworten zu „Drei Tage Outback – unvergesslich, unbeschreiblich, unglaublich ”.

  1. Einfach nur genial die Berichte und Bilder. Freu mi auf jeden einzelnen. Habt noch schöne Tage!

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  2. Saugeil, eure Tour!!

    Anita- du bist ein Medium! (Spinnen im Swag) =D
    Chris, deine Berichte sind mir in den letzten Tagen richtig abgegangen.

    Danke für die Kartoffel!! Ich hab sie mir verdient! =P
    (Meine Süßkartoffel lebt immer noch..bin noch nicht dazu gekommen, aber es dauert nicht mehr lang…dann wird sie gegessen…)

    Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: 6 Stunden Schlaf sind mehr als genug 😉

    Super, dass wir eure Gruppe auch ein wenig kennen lernen durften =)
    Erinnert mich an das Buch „Hundert Namen“ von Cecilia Ahern. Menschen haben wirklich interessante Geschichten zu erzählen.

    Genießt euren „Lazy Day“- habt ihr euch verdient!

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