Tüdelüüüü Heimat!
Wir müssen sterben! Oh mein Gott, wir müssen sterben! Wir haben so viel Zucker intus, dass wir damit eine zwölfköpfige Familie ungefähr achteinhalb Jahre versorgen könnten. Somit liegen wir vollgestopft am Balkon auf unserem wie auch immer man das nennen will… Bei mir heißt es Balkofa, also Balkon-Sofa. Aber zuerst zum wichtigen Teil: Unserem Tag am Great Barrier Reef!
Der Tag begann wie im Film. Die Vögel zwitscherten vor unserem Fenster, weckten mich sanft, Anita schlief noch. Wie immer blickte ich mal auf mein Handy, um zu sehen was sich so getan hat. Warum auch immer war beim gestrigen Blog-Eintrag hinterlegt, dass er erst heute früh veröffentlicht werden soll. Ich hab mich also versichert, dass das alles geklappt hat, als Anita munter wurde. Ich sagte ihr mit meiner engelsgleichen Stimme „Es ist erst halb acht, du kannst noch ein wenig schlafen!“
Und in dem Moment wechselte die Stimmung von Disney-Märchen zum „Kevin allein zu Haus-Chaos“. Sie riss die Augen auf und im selben Moment stellte auch ich fest: FUCK! Es sollte eigentlich eine Stunde früher sein! Wir hatten nämlich nur mehr eine knappe halbe Stunde Zeit, unsere Sachen zu packen, die Morgentoilette zu erledigen und einzuchecken. Die Quelle des Fehlers wurde schnell gefunden: Ich! Ich habe den Wecker nämlich auf 07:45 gestellt, anstatt wie geplant auf 06:45. Doch trotzdem ging sich alles aus und pünktlich um acht würden wir vom Shuttlebus von Silver Sonic abgeholt, der uns in nur zehn Minuten zur Marina brachte, die ein bisschen wie das moderne Tortuga aus Fluch der Karibik aussieht.

Nach einer Stunde Fahrt und 75 Kilometer Strecke hatten wir unseren ersten von drei Punkten erreicht. Die Ausrüstung bekamen wir schon vorab. Ich weiß nicht, wie viele Leute vor mir schon den Schnorchel im Mund hatten und wie viele Füße schon in diesen Flossen steckten. Ich wusste nicht, was für mich als absoluten Anti-Fuß-Fetischisten (Zechen sind grauslich!!!) schlimmer war! Wir bekamen alle einen Ganzkörperanzug aus Lycra zur Verfügung gestellt, der uns primär vor Quallen und anderen giftigen oder schmerzhaften Dingen schützen sollte. Diese Anzüge sind gnadenlos ehrlich. Kaschieren manche Shirts noch den einen oder anderen Rettungsring, so sieht man bei diesen Anzügen jedes zu viel gegessene Gummibärli. Aber wir waren nicht am Riff um andere Leute zu beobachten, sondern das Meeresleben. Und das hat es in sich. Wir wurden aufgeteilt in Taucher und Schnorchler. Als Mensch, der unter Wasser schnell in Panik verfällt und ständig Angst hat zu ertrinken, lehnte ich dankend ab, als ich gefragt wurde, ob ich das Tauchen mal probieren möchte. Ich hatte anfangs schon meine liebe Not damit, mit dem Schnorchel klarzukommen. Irgendwie will es in mein Hirn nicht rein, dass ich halt einfach nicht durch die Nase, sondern durch den Mund weiter atmen muss. Nein, mein Hirn denkt lieber „Ach weißt du was, scheiß aufs atmen durch den Mund, ich geb dir lieber das Gefühl, dass du gleich stirbst! Ist viel geiler! Bisschen Adrenalin, du Loser!“
Nach ein paar Minuten habe ich aber mein Hirn ausgeschalten („Miiiinty Mint ist der Hammer!“ – irgendwelche Malcolm mittendrin Fans hier?), mich auf eine ruhige Atmung konzentriert und konnte somit endlich die Schönheit des Great Barrier Reefs bewundern. Es war schlicht und einfach der Wahnsinn! So viele Farben, so viele Fische, so viele Korallen. Wir schwammen teilweise nur wenige Zentimeter über das zerbrechliche Naturgebiet. Anita und ich waren beide restlos begeistert! Wir machten eine Menge Fotos und Videos, doch die Schönheit lässt sich schlicht und einfach nicht auf Film bannen. Sowas muss man selbst gesehen haben!
Nach einer Stunde wurde das Schiffshorn geblasen, was bedeutete, dass wir wieder aufbrachen zum nächsten Punkt. Als wir anhielten gab es erst mal Mittagessen. Das interessierte uns aber nicht, da wir uns in der Zwischenzeit lieber wieder dem schnorcheln widmeten. Wir konnten beide nicht verstehen, wieso man so eine Tour bucht, in eine der schönsten Gegenden der Welt fährt und sich dann erst mal die Wampe mit Essen vollstopft. Anita und ich nutzten jedenfalls die anderthalb Stunden komplett aus und erkundeten auch dort das (leider nur zum Teil) geschützte Große Barriereriff (klingt auf Deutsch irgendwie oasch, oder?). Und da gab es die nächste Premiere unserer Reihe „Tiere, die wir in freier Wildbahn sehen“, nämlich einen Hai! Sahen wir ihn zuerst nur vom Boot aus, sahen wir ihn dann auch beim Schnorcheln ein paar Meter unter uns seine Runden ziehen. Das Gefühl war schon irgendwie seltsam, aber gerade das machte es so besonders. Du schwimmst einfach im Wasser, auf einmal unter dir ein Hai. Hammer!
Beim dritten Stopp hatten wir die Wahl, uns einer Gruppe mit „Führung“ anzuschließen, oder das Riff wieder auf eigene Faust zu erkunden. Wir entschieden uns für die Gruppe, um vielleicht auch noch ein paar Schildkröten zu sehen. Mit der Zeit ging es uns aber auf den Sack, ständig die Flossen von irgendwem anderen irgendwo am Körper zu spüren. Am besten waren die Leute, die Angst davor hatten unterzugehen, obwohl sie eine Schwimmweste und eine Poolnudel hatten und zusätzlich noch an der Rettungsboje der Führer hingen. Sie hätten nicht mal untergehen können, wenn sie es gewollt hätten. Das schafft man vermutlich nicht mal ohne dem Equipment. Aber gut, ich will nicht zu viel darüber lästern, da jeder seine Ängste hat, wie ich eben die des Keine-Luft-mehr-Kriegens. Nervig war es trotzdem wie Sau, daher entschieden wir uns dazu, die Gruppe zu verlassen und wieder alleine herumzuschwimmen. Und auch diesmal war es einfach nur atemberaubend. Schildkröte sahen wir zwar keine, aber dafür wieder die lustigen Nasenfische, Nemos, ziemlich große Fische die aussahen wie ein Stein und viele mehr. Unübersehbar waren auch die vielen Papageienfische, die erstens aussehen als hätten sie einen Schnabel und zweitens mit ihren Seitenflossen nicht nach vorne und hinten schlagen, sondern nach oben und unten. Ich hätte sie ja eigentlich „Bunte Assi-Fische“ genannt, da sie eigentlich meist damit beschäftigt waren, andere kleine Fische zu jagen. Wenn gerade kein Spielgefährte in der Nähe war, wurde eben am Riff herum geknabbert. Und was ich sehr interessant fand war, dass man die Fische quasi Essen hören kann! Unter Wasser hört man es richtig, wenn sie an den Korallen knabbern.
Das Schiffshorn ertönte wieder dreimal und wir wussten, dass das hieß, sich vom Great Barrier Reef zu verabschieden. Obwohl wir insgesamt dreieinhalb Stunden im Wasser waren, war es uns trotzdem zu wenig und die Zeit verging viel zu schnell. Man würde es auch einen ganzen Tag lang da draußen aushalten. Ich glaube ich wiederhole mich, aber es war schlicht und einfach geil! Einfach super cooliolisch! Wir können nur jedem raten, die Chance, dort hin zu fahren zu nutzen, solange es noch möglich ist!
Müde und geschlaucht genossen wir die einstündige Rückfahrt zum Hafen von Port Douglas. Schnorcheln ist mächtig anstrengend und macht verdammt müde. Wir waren froh, dass wir so ein super Zimmer haben und nutzten erst mal den Whirlpool, um die Verspannungen des Tages zu lösen. Nach dem duschen stellten wir fest, dass wir sogar ein wenig Farbe abbekommen haben. Und mit wenig meine ich viel. Und mit Farbe meine ich Sonnenbrand! Trotz einschmieren! Schwör!
Unser Hotel liegt direkt an der Macrossan Street, quasi der Hauptstraße von Port Douglas. Hier hat sich ein nettes Restaurant neben ein anderes platziert. Wir entschieden uns letzten Endes für die Iron Bar, die von außen ein wenig rustikal aussieht, aber auch genauso gemütlich. In meinen Gedanken bin ich ja schon lange nach Australien ausgewandert und hab in der Iron Bar meine Stammkneipe gefunden.

Der Plan war der folgende: In der Bar eine Kleinigkeit essen, dann auf ein Eis zum Wicked hinüber und zum Abschluss noch in die Bar nebenan für einen Frozen Daiquiri (Ja, sowas gibt es hier! Port Douglas = Paradies!). Wir scheiterten schon am ersten Punkt, denn Anita bestellte Chili Cheese Fries (Ja, auch die gibt es hier!) und ich für Nachos, ebenfalls mit Chili und Käse überbacken. Es war einfach viel zu lecker, um mehr als ein paar Krümelchen übrig zu lassen. Da unser Hotel ja eh quasi daneben lag, machten wir noch einen kurzen Abstecher nach Hause, um Anitas Schuhe zu wechseln. Anita neue Schuhe blöd! Haben ihr ein Aua gemacht! Somit ausse aus de Bock und eine in de Flip Flops. Leichtfüßig gingen wir also wieder das Stückchen Weg zurück und beschlossen, nur einen Becher gemeinsam zu nehmen, da wir ohnehin schon voll waren. Keine 60 Sekunden später haben wir das schon wieder vergessen und bestellten beide jeweils einen Becher mit drei Kugeln, Sauce und Streusel drauf. Heilige Maria Mutter des Zuckers!

Wisst ihr, normale Menschen haben so einen Punkt, wo sie satt sind und einfach zum Essen aufhören. Wir haben den Punkt auch. Aber schon in der Iron Bar überschritten! Wie sagt man so schön? A Kuah was, wauns gnua is! Wir nicht! Somit mussten wir den letzten Teil der Abendplanung leider auf morgen verschieben, denn außer für Wasser ist in unserem Körper derzeit für nichts mehr Platz. Und selbst beim Wasser müssen wir schon aufpassen.
Somit wanderten – oder besser gesagt rollten – wir wieder in Richtung unseres Hotels, begleitet von unzählig vielen dieser Kollegen hier:

Ach und übrigens: Ugly Stan is back in da house! Make some noise for him!!

Morgen erwartet uns wieder ein ereignisreicher Tag, denn es geht ab in den Daintree Regenwald. Uiuiui, was werden dort wohl für Tiere auf uns warten? Es werden auf jeden Fall ziemlich große sein, doch mehr dazu morgen!
Nun sage ich noch Danke an alle, die meinem Aufruf gefolgt sind und wünsche euch einen schönen Start in die Arbeitswoche!
Wakey Wakey, Chris
PS: Falls ihr euch wundert, warum keine Fotos vom Schnorcheln im Blog sind.. Das liegt daran, dass ich das Handy natürlich nicht im Wasser mit hatte!



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