Griass eing, liabe Leitln!
Boah, was war das für eine lange Zeit ohne Internet. Richtig angenehm! Meine Facebook-App hat sich gerade ein bisschen angespieben wegen den vielen Benachrichtigungen und die wichtigen Mails mit Bestellformularen für die neuen Rolex-Modelle oder Anleitungen für eine Penisvergrößerung trudeln nacheinander ein. Als hätte ich sowas nötig. Ich hab doch schon eine Uhr…
Samstag, 28.03.2015
Am Samstag läutete der Wecker wieder einmal zur uns am liebsten Zeit, nämlich schon vor sechs Uhr morgens. Wir packten unsere letzten Habseligkeiten ein und bereiteten uns mental auf den anstrengenden Marsch zur Abholstelle vor. Wir mussten nämlich über eine Brücke drüber. Eine normale Brücke hat bis zur Hälfte eine Steigung und dann ein Gefälle. Unsere hatte nur ein Gefälle. Wenn wir in die andere Richtung gegangen wären. Somit kamen wir schon mal schweißgebadet beim Hotel an. Russel, unser Tourguide für die Zwei-Tages-Tour auf Fraser Island hatte die ehrenvolle Aufgabe, unser Gepäck zu verladen. In den Kofferraum unseres Offroad-Busses. Auf ungefähr anderthalb Metern Höhe. Da kam auch er ins schwitzen und fragte, ob wir immer Ziegelsteine mit uns herumschleppen würden.
Fast vollzählig (zwei Leute kamen zu spät und mussten somit zu Hause bleiben) machten wir uns auf den Weg zum ersten halt im etwa zwei Stunden entfernten Noosa, wo noch ein paar weitere Personen zustiegen und unsere Gruppe auf 24 Teilnehmer vergrößerten. Mit der Fähre ging es über den Noosa River, bevor wir endlich die Straße verließen und zum Strand abbogen. Ähnlich wie in Daytona Beach ist auch am Rainbow Beach das Fahren mit dem Auto erlaubt. Und ähnlich wie in Florida war auch das Wetter. Denn es pisste ziemlich runter. Anders als in den Staaten ist der Sand hier aber weich und somit nur mit einem Allradler befahrbar. Und dementsprechend uneben ist die Strecke auch. Wir hatten das Glück relativ weit vorne zu sitzen, denn umso weiter hinten man Platz genommen hat, desto höher hüpft man bei jedem Hügel.
Rechtzeitig zum nächsten Stopp verwandelte sich der Regen in ein Nieseln und so konnten wir den Red Canyon auf eigene Faust erkunden. Der weiche Sand machte den Aufstieg ein wenig mühsam, aber die Aussicht war super.

Nach ungefähr 70 Kilometern am Strand erreichten wir endlich die Fähre, die uns auf Fraser Island brachte. Russel, der uns freundlicherweise stets als „Kids“ anredete, meinte wir sollten die Augen nach Delfinen offen halten, da bei der Überquerung oft welche gesichtet wurden. Wir hatten leider Pech und somit blieb unsere Tier-Liste unverändert. Wenige Minuten später kamen wir auf der größten Sandinsel der Welt an. Woran denkt man als erstes, wenn man an Sandinsel denkt? Richtig, an Sandinsel. Woran auch sonst? Ich hätte eigentlich einen riesigen Sandhügel erwartet. Fraser Island ist allerdings eine 125 Kilometer lange und bis zu 15 Meter breite relativ grüne Insel, die größtenteils bewaldet ist.
Russel erklärte uns, dass es auf Fraser drei Regeln gibt:
1. Geh nicht ins Meer! Die Haie würden dich relativ schnell erwischen!
2. Pass auf am Strand! Dadurch dass der Strand gleichzeitig Highway ist und man die herannahenden Autos wegen dem Meeresrauschen nicht hören kann, ist es doppelt gefährlich.
3. Halte dich von den Dingos fern. Wenn du doch einen siehst, bleib ruhig stehen, starre ihm in die Augen und schrei ihn an.
Zum Mittagessen fuhren wir ins Eurong Resort, wo wir auch nächtigten. Es gab zur Abwechslung Burritos. Somit werden Burritos wohl meine meistgegessene Speise in diesem Urlaub. Sie waren zwar gut, an Blankets Kochkünste kam es aber bei weitem nicht ran!
Nach dem Essen lenkte Russel den Bus wieder über die abwegige Strecke zum Lake McKenzie
Ich war echt froh, nicht selber fahren zu müssen, da es bei diesen hügeligen, weichen Sandstraßen sicher nicht einfach war zu fahren. Ich war außerdem mehr damit bemüht, das Mittagessen in mir zu behalten. Am Lake McKenzie angekommen, werden wir wieder geblendet vom Sand, der fast noch weißer ist als der auf den Whitsunday Islands.

Anderthalb Stunden später saßen wir auch schon wieder im Bus und wurden zu unserem mittlerweile fast obligatorischen Rainforest-Walk chauffiert. Entlang eines Baches wanderten wir also knappe zwei Kilometer, bevor wir wieder abgeholt wurden. Der Bach wird übersetzt Invisible Creek, also unsichtbarer Bach genannt. Einen passenderen Namen hätte es kaum gegeben.

Im Hotel angekommen war es Zeit für die Zimmervergabe. Wir entschieden uns schon im Vorhinein für einen Quad-Share-Room, also ein Viererzimmer, denn es kostete um gut 70$ weniger. Und die waren auch gut gespart, denn unser Zimmer teilten wir uns nur mit Lucie, einer etwa 55-60 Jahre alten Dame aus Quebec in Kanada, die fast schon zu rücksichtsvoll war. Bei allem was sie tat fragte sie, ob es für uns auch wirklich okay war. Interessant war, dass sie eigentlich nur französisch sprach und eher weniger Englisch, da in der Gegend um Quebec nur französisch gesprochen wird. Abendessen war für halb sieben angesetzt, also hatten wir noch eine Stunde Zeit für die Körperpflege, was auch Timing-technisch gut klappte.
Das Abendessen bestand aus einem Buffett mit allerhand verschiedenen Speisen, vom Schweinsbraten, über Aussie Pie bis hin zu Pudding mit Vanillesauce. Wir schlossen wieder neue Bekanntschaften mit drei Mädels aus den Staaten und zwei Zwillingsburschen aus der Schweiz, die gemeinsam mit ihrer älteren Schwester unterwegs waren.
Um 20 Uhr war der Treffpunkt zum Sterne schauen. Das geht natürlich am besten in völliger Dunkelheit am Strand. Aber Moment mal, da war es ja gar nicht dunkel. Der Mond hatte so eine starke Rückstrahlkraft, dass das Licht völlig ausreichte, um genügend zu sehen. Die Fahrerin des anderen Busses erklärte uns einige Sternbilder, unter anderem auch das Kreuz des Südens, das wir aufgrund von Unwissenheit im Outback nicht gesehen hatten. Auch Jupiter und den „Nebel“ der Milchstraße konnten wir deutlich sehen.
Die anderen gingen größtenteils aufs Zimmer, Anita und ich entschieden uns für die Bar. Nachdem bereits im Angebot stand, dass wir die Wahl zwischen Party und Bett hatten, waren wir auf die Party gespannt. Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass unzählige Briten bereits sturzbetrunken herumtorkeln, doch in der Bar waren keine betrunkenen Briten. Es waren gar keine Briten dort. Eigentlich war gar keiner dort. Wir orderten unsere Drinks bei einem Typen, der uns erzählte, dass seine Freundin und er gerade zwischen Master- und Doktorstudium standen und jetzt einfach mal ein paar Monate Auszeit nahmen. So wie es sehr viele hier machen. Anitas Cocktail wurde stilecht im Marmeladeglas serviert. Ich musste lachen, weil es mich an Las Vegas vor ein paar Jahren erinnerte, wo Michael einfach so einen wildfremden Typen mit Drink in der Hand auf der Straße fragte, warum er eigentlich aus Großmutters Marmeladeglas trinke.

Schließlich begaben auch wir ins aufs Zimmer, wo Lucie bereits schlief, da sie schon nach dem Dinner zu Bett ging.
Sonntag 29.03.2015
Weil wir mittlerweile so drauf stehen, stellten wir den Wecker am Sonntag noch früher, nämlich für 05:15. Lucie stimmte uns zu (war auch nicht anders zu erwarten), dass wir uns den Sonnenaufgang auf Fraser Island ansehen sollten. Somit machten wir uns schnell fertig und gingen zum Strand hinunter. Ich denke die Bilder zeigen ganz gut, dass es sich ausgezahlt hat.
Die Maheno, das Schiff, das ab 1905 zwischen Sydney und Wellington in Neuseeland pendelte, war unser nächstes Ziel. Sie war zu ihrer Zeit ein sehr luxuriöses Schiff und war den Besserverdienern vorbehalten. Zwischendurch wurde sie im Krieg auch als mobile Krankenstation verwendet. Wenn ein verwundeter Soldat auf die Maheno kam, standen die Chancen den Krieg zu überleben gleich viel besser. 1935 wurde sie schließlich nach Japan verkauft, doch soweit sollte es nicht kommen. Denn am Weg dort hin kam das Schiff, das die Maheno schleppen sollte, in einen Sturm und so strandete sie kommenden April vor genau 80 Jahren auf Fraser Island. Eigentlich bitter. Da kaufst du dir so ein Schiff, holst es ab und es geht kaputt. So ging es mir vor kurzem mit einer Packung Soletti. Ich hab‘ sie behutsam nach Hause getragen, dass ja nichts kaputt geht und was passiert daheim? Die Packung fällt mir aus der Hand. Totalschaden. Alles kaputt. Ich weiß also, wie sich der damalige Käufer gefühlt haben muss. Nicht schön! Nein!

Nach einem eher unspektakulären Halt bei The Pinnacles (Ein kleiner Hügel, auf dem man die unterschiedlichen Steinformationen sehen kann) fuhren wir weiter zum Indian Head, einem bedeutenden Punkt auf Fraser Island. Hier kam nämlich auch unser aller Freund und Entdecker an und gab ihm diesen Namen. Wer wird das wohl gewesen sein? Natürlich Captain Thomas Cook!

Am Strand beim Indian Head konnten wir endlich unsere Tierliste wieder erweitern. Die Dingos versteckten sich weiterhin, dafür haben wir ein paar Quallen gesehen. Zwar tot, aber in freier Wildbahn! Das zählt!

Mit der Fähre verliessen wir Fraser Island schließlich wieder und hielten am Rainbow Beach nochmals an, um uns die Beine zu vertreten, was zu essen zu besorgen und was man in der Mittagspause halt sonst noch so tut. Anita und ich waren nicht wirklich hungrig, also holten wir uns nur ein Eis und gingen zum Strand hinunter.

Eine Stunde später brachen wir wieder auf und machten auf halber Strecke nach Brisbane nochmals eine kurze Pause, da die drei Stunden Fahrt zu lange gewesen wären. Irgendwie gibt es auf den australischen Klos immer etwas Neues und Interessantes zu entdecken.

Zur erwarteten Zeit kamen wir beim Abholpunkt an, wir konnten unser Gepäck wieder ausladen und uns verabschieden. Ob es wirklich alle Sachen im Koffer auch überstanden haben, werden wir wohl erst beim nächsten Auspacken sehen.
Abschließend kann ich sagen, dass Fraser Island sicher super und schön ist, aber ich denke es reicht, wenn man es einmal gesehen hat.
Mit dem Zug fuhren wir zum gefühlten hundertsten Mal zum Flughafen, um unser Auto für die nächsten fünf Tage zu holen. Die Übernahme klappte auch bei Europcar relativ schnell und ohne Probleme. Nun sind wir vorübergehende Besitzer eines schneidigen, silbernen Golf, der so ziemlich alle Stückerl spielt.
Nach einer Stunde Fahrt kamen wir im Hotel an und konnten dank Late-Arrival-Telefon auch noch nach 20 Uhr unseren Schlüssel aus dem Safe holen. Eigentlich dachten wir, dass das Apartment in Brisbane groß war, doch das in Surfers Paradise schlug es nochmal. Somit haben wir für die kommenden Tage ein riesiges Wohnzimmer, zwei Schlaf- und Badezimmer, einen eigenen Wäscheraum mit Waschmaschine und Trockner, eine komplette Küche und einen Balkon über zwei Längen. Na wenn man da nicht gut schläft…

Montag, 30.03.2015
…Und wie man da gut schläft! Und das beste haben wir gestern noch gar nicht wirklich gesehen. Nämlich unsere Aussicht:

Für den heutigen Tag war ein wenig Entspannung angesagt, weshalb wir uns für den Wasserpark Wet’n’Wild entschieden haben. In der Früh erledigten wir noch ein paar Dinge für morgen und kamen somit kurz nach 10 beim Park an, wo schon eine Menge Leute anstanden. Wir suchten uns ein lauschiges Plätzchen und drehten zu Beginn eine gemütliche Runde durch eine der künstlichen Lagunen. Nach und nach probierten wir die unterschiedlichsten Rutschen aus. Und davon gab es wirklich viele. Die meisten konnten wir gemeinsam in einem Reifen oder kleinen Boot hinunter flitzen. Manche waren echt ziemlich schnell. Cool waren bis auf eine eigentlich alle. Die eine kackige war eigentlich eine Kinderrutsche und deshalb vielleicht für Erwachsene nicht sonderlich gut geeignet, denn sowohl Anita als auch ich hatten nachher ordentliche Striemen am Rücken. Mein absolutes Highlight war die Loopingrutsche, die Anita leider verweigerte. Zuerst musste man sich einen Rückenpanzer holen, was schon mal ein gutes Zeichen für ein wenig Adrenalin ist. Die Besonderheit dieser Rutsche war neben dem Looping nämlich die Falltür. Man steigt in den Kobel, lässt sich einschließen und wartet auf den Countdown. 3…2…1… Und plötzlich hat man das Gefühl mit einem Höllentempo im freien Fall die Rutsche hinunter zu rasen. Ich hatte eigentlich einen Einlauf vom Feinsten erwartet, doch durch den Rückenpanzer hat man genügend Abstand zur Wasseroberfläche, um genau das zu verhindern.

Gegen 15 Uhr zogen dicke Wolken auf, doch nachdem wir ohnehin alle Rutschen und den kleinen Rollercoaster mindestens ein- oder zweimal absolviert hatten konnten wir besten Gewissens unsere Sachen zusammenpacken und in Richtung Byron Bay aufbrechen, da das ebenfalls auf der heutigen To-Do-Liste stand. Somit fuhren wir die knappe Stunde zum östlichsten Ort Australiens und besichtigten dort zuerst Palm Valley und anschließend noch den Leuchtturm von Byron Bay im Licht der untergehenden Sonne.

(Ich nenne dieses Kunstwerk „Die Dynamik der Dämmerung“! Sollte es jemand exklusiv kaufen wollen: Es kostet einen weißen Spritzer!)
Es war mittlerweile knapp vor sieben (irgendwo zwischen der Gold Coast und Byron Bay dürfte scheinbar die Grenze der Zeitzone sein, denn in Byron ist es bereits eine Stunde später) und die Pizzaschnitten, die wir in der Früh gekauft und mittags gegessen hatten, waren bereits verdaut, weshalb wir uns in Byron nach einem passenden Restaurant umsahen und natürlich auch fündig wurden. Nachdem wir ja direkt am Meer waren, wollte ich nochmals den Fisch probieren, während sich Anita für einen richtig geilen Burger entschied.
Byron Bay ist ein wenig mit Airlie Beach zu vergleichen. Dort ist die Welt noch in Ordnung. Die Leute sind gemütlich drauf, man kommt sich teilweise vor, als wäre man in Woodstock gelandet. Surfer, Dreadlocks, das Meer im Hintergrund. Die Straßenmusiker. Die Jugendlichen, die eine oder zwei Generationen zu spät auf die Welt kamen, die zu der Musik einfach auf der Straße tanzen. Einfach das Komplettpaket. Dort könnte man es locker auch ein paar Tage aushalten, doch wie immer drängte die Zeit und so mussten wir nach einem kurzen Verdauungsspaziergang wieder zum Auto und die einstündige Heimfahrt auf uns nehmen. Im Golf macht das Fahren so richtig viel Spaß! Taugt mir komplett! Wir hatten eigentlich auch einen Tempomat, der das Ganze noch komfortabler machen sollte, aber den habe ich irgendwie schon kaputt gemacht. Zumindest funktioniert er nicht mehr so wie vorher. Aber wenigstens ist es nicht so schlimm wie mit der Soletti-Packung…
Liebe Leute, Bussi Bussi und Baba! Bis morgen!
PS: Sofern wir den morgigen Tag überstehen. Der wird nämlich mit Sicherheit verdammt adrenalinreich!


















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