Vom Rochen gebissen, vom Chinesen beschissen

Taaaaaaag!
 
 Ich sitze gerade am Balkon unseres Apartments, schaue in die Dunkelheit, die im Sonnenschein das Meer zeigt und lausche dem Rauschen. Und dem Straßenlärm. Aber nachdem in unserer Straße kaum Autos fahren, dominiert das Rauschen der Wellen.
 
 Begonnen hat der Tag mit einem kleinen Frühstück in unserem Apartment. Die Sicht aufs Meer war ein bisschen getrübt, denn es regnete. Und zwar ordentlich. Das war uns ganz und gar nicht recht, denn wir hatten eigentlich Pläne, für die Schönwetter vorausgesetzt war. Wir wollten den Q1 Tower empor klettern. Doch genauso schnell wie der Regen kam, verschwand er auch wieder. Sicherheitshalber zogen wir uns also ein bisschen wärmer an, als normalerweise und packten auch noch die Regenjacken ein, bevor wir das Stück zum Q1 vor gingen. Der Q1 Tower ist mit seinen 322,5 Metern das höchste Gebäude der Südhalbkugel. Für 70$ kann man die Gelegenheit nutzen und von der Besucherplattform im 77. Stock nochmals knapp 30 Meter hinaufklettern.
 


Unser Klettertrupp bestand neben Anita und mir noch aus zwei Mädels aus Irland und Pete, unserem Guide, der uns zu Beginn alles genauestens erklärte, uns die Ausrüstung aushändigte und uns schließlich mit dem Aufzug nach oben brachte. Wir sahen ein bisschen aus wie Marsmenschen mit unseren grauen Anzügen und dem Klettergeschirr. Beim Ausstiegspunkt angekommen klinkten wir uns mit unserem Sicherungssystem in den dafür vorgesehenen Schienen ein und schon konnte es losgehen. Über einige Stufen erreichten wir den höchstmöglichen Punkt. Anders als erwartet war es weder windig, noch kalt. Die langärmeligen Leiberl hätten wir also ruhig daheim lassen können. Es war beinahe windstill, man spürte nur eine leichte Brise, wenn man die Hand über den Rand der Fassade hielt. An manchen Punkten wurde der Gehweg direkt an den Rand gebaut, dass man quasi ohne Sicherung von vorne die mehr als 320 Meter hinunter blicken konnte. Man muss verdammt viel Vertrauen in die Technik haben, denn andernfalls würde man es nicht wagen, auch nur einen Zentimeter über den Rand zu blicken, geschweige denn den Handlauf auszulassen. Nach einer guten halben Stunde begannen wir wieder mit dem Abstieg zum Aussichtsdeck. Es war auf jeden Fall eine sehr geile Erfahrung und ein irres Gefühl! Leider konnte ich von oben keine Fotos machen, da wir natürlich alles was runter fallen könnte am Boden bleiben musste.
 Es war mittlerweile nach 11 und wir überlegten, ob wir nicht den heutigen Tag mit dem morgigen Tag tauschen sollten, was wir dann auch taten. Somit eilten wir nach Hause, packten unsere Sachen zusammen und fuhren mit dem Auto zu Sea World, wo sich alles um die unterschiedlichsten Meeresbewohner drehte. Wir machten unseren ersten Stopp bei den Pinguinen, die fast schon professionell für die Fotos und Videos posierten.
 
 


Als nächstes waren die Haie und Rochen dran, die gemeinsam mit Schildkröten und vielen anderen bunten Fischen in einem riesigen Becken fröhlich herum schwammen.
 


Ähnlich wie in Amerika geht natürlich auch hier nichts ohne Rollercoaster, also entschieden wir uns für Storm, eine Mischung aus Achter- und Wasserbahn. Machte Spaß, machte nass! Gut, dass es mittlerweile etwas aufgeklart hatte und es somit nicht kalt oder unangenehm war. Trotzdem suchten wir nach einer Möglichkeit zum trocknen unserer Sachen und fanden den perfekten Trockner: Jet Rescue. Ein Katapultachterbahn mit zwei Beschleunigungsstrecken, die man auf einer Art Jet Ski durchfährt. Die maximale Höhe ist vielleicht maximal drei Meter, aber durch die hohe Geschwindigkeit und die super engen Kurvenradien ist der Fun Faktor so dermaßen hoch, dass wir nach dem aussteigen gleich nochmal rein mussten. Und gleich auch noch ein drittes Mal hinter einander. Es war relativ wenig los, was die Wartezeit auf maximal zehn Minuten beschränkte.
 
 Hier noch ein Video von Theme Park Review: http://youtu.be/if4d6Vti5E0
 
 Es war inzwischen halb drei und wir bräuchten einen kleinen Snack für zwischendurch, den wir in Form einer Pizzaschnitte von Domino’s auch schnell fanden. Wir hatten nämlich nicht mehr viel Zeit, denn um 15 Uhr stand schon der nächste Punkt am Programm: Rochen füttern! Das war wohl der Teil des Tages, auf den ich mich am meisten gefreut hatte. Endlich wieder Rochen füttern. Und es hat sich auch diesmal ausgezahlt, die 9$ pro Becher mit fünf stinkenden Fischen zu bezahlen, um diese superleiwanden Tiere zu füttern. Es waren nicht nur Rochen im Becken, sondern auch seltsame schwarze Vögel, die versucht hatten, die Fische zu stehlen und dafür sogar tauchten. Anita hat sich leider einmal so erschreckt, dass sie ein bisschen von der Fischsuppe in ihrem Becher verschüttete. Auf mich. Auf mein Shirt. Mein weißes Shirt. Die Flecken an sich waren ja nicht so schlimm. Aber der Gestank. Jedes Mal wenn der Wind in die falsche Richtung ging und mir eine Brise davon in die Nase wehte hätte ich am liebsten den Kakao von der Erstkommunion wieder hoch gewürgt.
 Wir fütterten also nacheinander die sanften Tiere. Zumindest meine Tiere waren sanft. Ein Rochen, der sich Anitas Fisch ausgesucht hatte war ein wenig zu gierig und erwischte nicht nur den Fisch, sondern auch gleich ein Stück von Anitas Finger. Er meinte es wohl etwas zu gut. Gut dass sie keine Zähne haben, doch die Kiefer sind trotzdem ganz schön kräftig. Trotzdem würden wir es jederzeit wieder machen! Es ist einfach ein viel zu cooles Gefühl!
 
 Die für Sea World obligatorische Delfinshow war der nächste Punkt auf unserer Liste und so begaben wir uns – wie auch der Großteil der anderen Besucher – zum Delfintheater um uns die Kunststücke anzusehen.
 


Nun standen wir vor einer schweren Entscheidung, was wir als nächstes machen wollten. Entweder eine Wasser-Stuntshow oder Spongebob im 3D-Kino. Für mich war es eine klare Sache. Somit saßen wir ein paar Minuten später im riesigen Kinosaal mit über 400 Plätzen. Umgeben von Erwachsenen. Nur hatten die im Gegensatz zu uns allesamt auch Kinder mit.
 


Da es nach dem Kurzfilm zu regnen begann, dachten wir uns „Nass sind wir eh schon, machen wir halt sich den zweiten Wassercoaster!“ Und was macht man um wieder zu trocknen? Richtig! Den Jet Ski Rollercoaster! Und auch hier wieder raus – rein – raus – wieder rein. Klingt wie das Drehbuch eines billigen Fleischfilms. „Warum liegt er eigentlich Stroh?“ – „Warum hast du eine Maske auf?“
 Auch diesmal fuhren wir wieder dreimal hintereinander, weil es uns einfach so viel Spaß machte und ohnehin keine Leute mehr anstanden. Ich bin mittlerweile schon mit so vielen Achterbahnen gefahren, aber so lustig wie Jet Rescue waren noch wenige. Es müssen nicht immer das größte oder längste sein. Oft reicht schon was kleines kurzes. Also Achterbahn halt..
 Der Park schloss ohnehin um fünf seine Türen, also machten uns auch wir auf den Heimweg um endlich zu duschen und den Fischgeruch weg zu bekommen.
 
 Wir hatten noch unsere Armbänder vom Q1 Climb heute Morgen, mit dem wir nochmals zur Aussichtsplattform im 77. Stock hinauf fahren konnten. Bei Nacht sah Surfers Paradise, oder besser gesagt die Gold Coast wieder komplett anders aus.
 


Wir brauchten noch ein paar letzte Ansichtskarten und so trauten wir uns in einen der Souvenirshops hinein, die hier scheinbar alle der chinesischen Mafia gehören. Jedenfalls sind sie alle fest in chinesischer Hand. Anita kaufte also ein paar Karten und der Verkäufer verwickelte uns in ein Gespräch, während er das Wechselgeld rausgab. Anita zählte nach und da fehlte doch tatsächlich ein Dollar. Wollte uns der Chinese doch tatsächlich bescheißen! Okay, es kann auch unabsichtlich gewesen sein, aber dann hätte sich nicht so ein wunderbar kreativer und sich reimender Blogtitel ergeben.
 
 Zum Abendessen haben wir uns für einen Klassiker entschieden, den wir in Sydney links liegen gelassen hatten: Das Hard Rock Cafe. Und es hat sich wie immer ausgezahlt. Anita hatte Twisted Mac Chicken & Cheese, quasi Nudeln mit Käsesauce und gegrillter Hühnerbrust, und ich The Texan, feinstes Pulled Pork mit Zwiebel, Jalapeños und dazu super leckeren Lemon Coleslaw Krautsalat. Ja, manchmal esse selbst ich Salat! Es schmeckte einfach nur wie frisch im Himmel zubereitet. Hätte Gott gewollt dass ich Vegetarier werde, hätte er dieses kleine Schweinderl nicht so lecker werden lassen dürfen.
 


Zum Abschied von Surfers Paradise gönnten wir uns noch einen Cocktail, bevor wir wieder von Dannen zogen. Keine drei Meter vom Eingang entfernt hörte ich von Anita plötzlich ein „Na Halloooo!“ und ich dachte mir „What the fuck? Wen kennt sie hier???“, doch als ich mich umdrehte sah ich wer es war. Es waren die drei schweizer Geschwister, die wir auf der Tour nach Fraser Island kennengelernt hatten. Wir plauderten noch ein wenig, bevor sich unsere Wege wieder trennten. Sie gingen zum vorglühen, wir über den Strand nach Hause. Wie ein altes Ehepaar, das den Lebensabend in Surfers Paradise verbringt. Naja, könnte mir schlimmeres vorstellen!
 

 Nun heißt es mal wieder Koffer packen, denn morgen Früh fahren wir in die Warner Bros Movie World und von dort anschließend gleich weiter an die Sunshine Coast, genauer gesagt Nacht Maroochydore.
 
 Bis dahin, ich wünsch euch was!

5 Antworten zu „Vom Rochen gebissen, vom Chinesen beschissen”.

  1. Also ich hätte nichts gegen einen Babypinguin als Mitbringsel 😀 Der kann dann mit dem Babywombat spielen 🙂

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  2. ….und wieder interessante und lustige Berichte – Danke! Aproppo Regen – jetzt schüttet es und es wird wieder kälter! Wir packen wieder die Wintersachen aus :-).
    Das nur zur Info.

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    1. Das ist nicht nett!! 😦

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  3. Nett…Cocktails sind nett =)
    die kann man trotz Regen genießen =P

    Ihr macht echt leiwande Sachen! Taugt mir voll, dass ihr so viel erlebt und den Tag gscheit ausnutzt!

    Freue mich schon auf euch! (und mehr noch auf die Mitbringsel…hahaha SCHERZ!! (gibts was zu Essen??))

    Hard Rock ist geil!

    Zum Thema Vegetarier: „Man findet keine Freunde mit Salaat!“ =D

    Fieses kleines Rochilein- ihm gehört der Mund mit Seife ausgewaschen!
    Bussi aufs Aua (hatten wir das nicht schon mal?? Eh bei DIR, Anita??) 😉 =D

    Ein Hoch auf deine Kreativität, Chris!

    Machts gut!!

    PS: Warum liegt da eigentlich Stroh?

    =P

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    1. Anita ist derzeit ohnehin eine komplette Baustelle und mit blauen Flecken, Kratzern und Schrammen übersät. 😜

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