Die ersten vollen 24h in Kanada

Der Jetlag is a Hund. Zum ersten Mal Tagwache hieß es um 2 Uhr Früh, doch wir konnten Julia davon überzeugen, dass es eindeutig zu früh war um aufzustehen. Somit konnten wir es bis 5 Uhr rauszögern, doch dann war Schluss mit Schlafen. Recht erholsam war die Nacht aber ohnehin nicht, da meine Schlafpartnerin schier übermenschliche Kräfte entwickelt wenn es darum geht, sich die Decke zu krallen. Aber heute Nacht gibt’s kein Pardon, da gehört die Decke mir. Hoffe ich…wenn sie mich lässt. 

Als erster Punkt stand ein Besuch von Notre Dame auf der To See List (Ding Ding Ding, Wortkreationsalarm!). War eh lieb, wird aber sicher nicht das Highlight der Reise werden. Nachdem die Hütte ohnehin erst um 12:30 Uhr ihre Tore öffnete, wurde uns die Entscheidung abgenommen, ob wir sie von innen besichtigen wollten. Abgesehen davon bin ich ohnehin nicht so der große Fan dieser Protzbauten mit 91-fach vergoldeten Klorollenhaltern, während vor der Tür die Leute verhungern. Aber gut.. jedem das Seine. 

Notre Dame mit leichtem Makel

Nächster Stop: Montreal Science Center. Schnell mal 125€ Eintritt gelöhnt, doch man muss sagen, dass die Höhe mehr als gerechtfertigt war. Insgesamt gab es fünf verschiedene Bereiche zu erkunden, die sich allesamt einem anderen Thema widmeten und darauf warteten, interaktiv entdeckt zu werden. So haben wir insgesamt viereinhalb Stunden in dem zu Tode klimatisierten Museum verbracht und spannende Dinge gelernt etwa wie lang der menschliche Darm ist, wie man mit Wasser einen Strudel machen kann oder wie es sich anfühlt in einer riesigen Seifenblase zu stehen. Den Abschluss bildete die Sonderausstellung zum Thema Kochen und Essen, also wurden Erdäpfel um die Wette geschnitten, riesige Torten dekoriert und schließlich durften wir uns mit einem virtuellen Dinner für unsere Mühen selbst belohnen. Da wir uns zu Beginn für das Kombiticket inklusive Kurzfilm entschieden hatten, konnten wir im hauseigenen Kino „Australien – Der wilde Kontinent“ schauen. Ich hätte eigentlich mit einem etwas größeren Fernseher als Screen gerechnet, doch es handelte sich um eine riesige IMAX-Leinwand, die uns förmlich direkt nach Australien zog. Nur eben mit 3D-Brille auf der Nase und Popcorn in der Hand. Alles in allem war’s auf jeden Fall ein gelungener Besuch und optimaler Start in den Tag.  

Die Vorstufe zum Gamblen in Vegas
Wer schafft es länger? Emilia ist immerhin 70 Sekunden gehangen!
Wenn man in seiner eigenen Bubble lebt..
Welche Rolle erreicht als erste das Ziel?

Unweit vom Museum am alten Hafen befindet sich nicht nur das berühmte weiße Zelt des Cirque du Soleil, der hier seinen fixen Stammplatz hat, sondern auch das La Grande Roue de Montreal, also das obligatorische Riesenrad. Wird drehten eine Runde und beobachteten das bunte Treiben an den Kais. Dann drehten wir noch eine Runde. Und dann noch eine. Wir haben scheinbar die Info übersehen, dass man sich bei der ersten Runde keinen Stress machen muss, um alles rundherum zu entdecken. 

Das riesige Zelt des Cirque du Soleil, wo derzeit die Show Kurios läuft
Im Hintergrund erkennbar: Die Achterbahnen von La Ronde.
Die große Kuppel soll unser morgiges Ziel werden.

Ein Blick aufs Wetterradar verriet uns, dass wir als nächste Aktivität besser irgendwas mit Überdachung wählen sollten, denn für die nächste Stunde war Regen angesagt. Nunja, nachdem man mit Kids nicht immer super schnell unterwegs ist, begann es zu bereits zu tröpfeln, bevor wir unser Ziel erreichen konnten. Als Regen konnte man es allerdings kaum bezeichnen. Es war eher ein wenig leichtes Nieseln. Bei den Temperaturen über 30 Grad war die kleine Abkühlung nur von kurzer Dauer, denn nach ein paar Minuten war’s auch schon wieder vorbei. Als Ziel haben wir übrigens einen größeren Supermarkt gewählt, um uns mit Mittag- bzw. Abendessen einzudecken. Während Wien supermarkttechnisch nahezu verseucht ist (Wenn mich nicht alles täuscht meine ich mal gelesen zu haben, dass Wien die höchste Dichte an Supermärkten weltweit hat. Gefährliches Halbwissen!), ist es hier nicht ganz so einfach, was passendes zu finden. Nachdem es bereits 17 Uhr war, wir eigentlich gar kein richtiges Mittagessen hatten und nicht schon wieder Fast Food wollten, schnappten wir uns von der heißen Theke ein Grillhendl, kauften Gebäck, Besteck und Pappteller dazu und marschierten damit schnurstracks nach Hause. Geschmeckt hat es allen und gemütlich war es noch dazu. Nach ein paar Spielrunden und der Planung des morgigen Tages haben wir es nun geschafft, unseren normalen Tagesrhythmus wiederherzustellen. Insgesamt waren wir heute 12,5 Kilometer kreuz und quer durch die Stadt unterwegs und haben jede Menge schöne Momente erlebt. 

Montreal fällt neben den unterschiedlichen Baustilen (ich finde, viele Gebäude beschreibt man hier einfach mit dem Wort brutal) vor allem auch durch freundliche Menschen auf. Gestern gingen wir beispielsweise am Heimweg bei zwei vor einem Hauseingang sitzenden Bad Boys vorbei, bei denen man nachts wohl in Erwägung gezogen hätte, die Straßenseite zu wechseln (also die anderen.. ich nicht!). Jedenfalls ist dem einen das Wort Fuck heraus gerutscht und als er die Kinder sah hat er sich doch tatsächlich bei uns entschuldigt! Ich versicherte ihm, dass die Kids ohnehin nur Deutsch sprächen und er sich keine Gedanken machen sollte. Er war beruhigt, ich einem Bauchstich entgangen und die Kinder hatten ein neues Wort gelernt. Tripple Win!

Mir ist übrigens aufgefallen, dass ich zwar immer mal wieder ein paar Namen erwähnt, aber unsere Reisegruppe noch nicht vorgestellt hab. Da wäre mal Anita, meine Frau, die für jedes Wetter und jeden Zwischenfall stets vorbereitet ist und das richtige Gewand oder Mittel parat hat. Vom Schneesturm bis zum plötzlichen Keuchhusten sind wir also auf alles vorbereitet. Emilia, unsere 7-jährige Tochter übernimmt den sportlichen Part in der Familie und hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Ende des Urlaubs ein Rad ohne Hände zu schaffen. Julia ist 4 und hat das Temperament einer 12-köpfigen spanischen Familie, abgerundet mit einem engelsgleichen Gesicht, mit dem sie manch Fremden um den Finger wickelt. Mit an Bord ist auch Kerstin, Anitas Schwester. Bei den ersten Gesprächen sagte sie „Geil, Kanada, ich komm mit!“. Ich dachte „Geil, ein Babysitter, der sich die Reise auch noch selbst zahlt!“. So ist es natürlich nicht und wir freuen uns, dass sie uns auf diesem Abenteuer begleitet. Der fünfte im Bunde bin dann wohl ich: Vater, Fahrer, Grobplaner, Schreiber. 

So, liebe Leser, anhand der Ausführlichkeit des heutigen Berichts merkt man, dass der (oder das?) Energielevel wieder ein wenig höher ist als gestern. Und somit habt ihr am Montagmorgen einen Grund mehr schon zeitig total konzentriert in den Arbeitslaptop zu starren. 

Schönen Wochenstart euch!

Ein paar Schnappschüsse von heute:

Die Schickeria von morgen beim Flanieren am Hafen
Wäre Fallout hier gedreht worden, hätte es genauso gepasst!
Griass di a! ❤️
Der erste LSD-Trip für Kids – Science Center sei Dank!
Die immersive Dinnerexperience inkl. Dufteinspeisung – hat mich ehrlich gesagt ziemlich beeindruckt!
Brutal ist doch ein gutes Wort für solche Betongiganten, oder?
Brutalobau meets Brutaloampel mit den gestern angesprochenen fünf Anzeigen.

2 Antworten zu „Die ersten vollen 24h in Kanada”.

  1. Avatar von sublimehappilye31a6ada3e
    sublimehappilye31a6ada3e

    Man kann so herrlich mit euch mitleben! Grandios geschrieben, wie immer!!!
    Alles Liebe, Eveline

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  2. Liebe Urlauber! Danke Chris für den unglaublich tollen Bericht über eure Aktivitäten. Wir freuen uns schon sehr auf die weiteren Berichte. Genießt die Zeit. GLG von SuI 🤗😘

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