Montreal, du schöner, eigenartiger Fleck!

Hab ich gestern eigentlich tatsächlich geschrieben, dass wir unseren Schlafrhythmus gefunden haben? Da hat wohl jemand den Tag vor dem Abend gelobt, denn heut war wieder um 5 Uhr Tagwache. Aber wir hoffen mal, dass wir das auch noch hinbekommen. 

Gestern war übrigens noch eine Fehlinformation im Blog, nämlich dass wir die riesige Kuppel, die Biosphere, besuchen würden. Wir waren der Meinung, dass Biosphere und Biodome nebeneinander liegen müssten, was sich relativ schnell als falsch herausstellte. Somit wurde in der Früh umdisponiert und wir entschieden uns dafür, doch die öffentlichen Verkehrsmittel Montreals auszuprobieren. So marschierten wir zur nächstgelegenen Metro-Station, löhnten 6$ für die Scheckkarte, auf die das Guthaben bzw. die Anzahl an Fahrten aufgebucht werden und zusätzlich 7$ für ein 2-Fahrten-Ticket. Dadurch dass die Metro auf Reifen fährt, hört man sie schon lange bevor man sie überhaupt sieht, da sie einfach unfassbar laut ist. In Montreal sieht übrigens jede Station anders aus. Jede auf ihre Art abgefuckt.

Das L in Metro steht übrigens für Leise…

Die Distanzen zwischen den Stationen sind eher gering und so erreichten wir nach wenigen Minuten unseren Halt „Viau“. Relativ problemlos fanden wir den Weg zum Biodome und konnten so kurz nachdem sich die Tore öffneten unsere Tickets holen und in das ehemalige Velodrom eintreten. Das Bauwerk ist Teil des olympischen Dorfes, das damals 1976 für sportliche Bewerbe aus dem Boden gestampft wurde und nach den Spielen wie üblich keinen weiteren Zweck erfüllen konnte. Vor einigen Jahren entschied man sich dann eben für die Umwandlung in eine zooähnliche Anlage, die in vier Bereiche geteilt ist und typische Tiere vom amerikanischen Kontinent zeigen. Von verspielten Fischottern und bunten Pfeilgiftfröschen über Papageientaucher bis hin zu meinem neuen Seelentier, dem Capybara, war alles dabei. Während es im subpolaren Bereich eisig kalt war (richtig kalt, nicht kerstinkalt*) konnten wir uns im Bereich des tropischen Regenwalds wieder herrlich aufwärmen. Bis auf die gelbe Anaconda konnten wir alle Tiere auf der Liste abhaken und begaben uns wieder in Richtung Metro. Alles in allem waren es nette zwei Stunden, Highlight oder Must-See war es jetzt nicht unbedingt. 

Imposantes Bauwerk von außen
Papageientaucher
Der tropische Regenwald war wohl das Highlight des Biodome
I feel you, Brother! ❤️

Da wir nach wie vor öffentlich unterwegs waren, brachte uns die Metro wieder retour in die Stadt, wir stiegen in den Bus um und fuhren zum Parc du Mont Royal, einem riesigen Park am Hausberg von Montreal. Hier gibt es nämlich die Regelung, dass kein Gebäude höher sein darf als der Berg. Nach einem kurzen Picknick beim Teich spazierten wir zu einem Aussichtspunkt beim Kondiaronk Belvedere, der einen super Ausblick über die ganze Stadt bot. 

Aussicht von oben
Ein Moment von Geschwisterliebe
Kondiaronk Belvedere

Wenn man auf einem Berg ist, muss man natürlich auch wieder runter und der Weg Bestand aus gemeinschaftlich geschätzten 255** Stufen. Bergab war es ja machbar, aber die Leute, die bergauf stiegen schnauften durch die Bank wie eine Schwadrone alter Dampfloks. 

Bergab definitiv leichter als bergauf!

Es begann wieder leicht zu tröpfeln, aber wir waren ohnehin bereits am Weg Richtung Hotel. Die Kids wollten ein Eis (der Papa eigentlich auch, aber das hätte er nie zugegeben!), somit kehrten wir noch schnell bei Ben & Jerry‘s ein und löhnten stolze 35$ für vier Becher mit Sorten, die man weder aussprechen noch die Inhaltsstoffe erahnen konnte. Die Verkäuferin bezeichnete meine versuchte Umschreibung der gewünschten Sorten schlichtweg als „cute“ und versicherte uns, dass bisher noch niemand seine Wünsche so beschrieben hatte. Der Regen wurde stärker und so wanderten wir die paar hundert Meter zum Hotel zurück, um uns ein wenig zu entspannen, da wir merkten, dass es für die Kids an der Kippe zur Überforderung war. 

Regeeeeen!

Nach einer knapp zweistündigen wohltuenden Pause ging’s weiter und so starteten wir kurz vor 18 Uhr wieder in der Lobby. Die kurzen Hosen wurden gegen ein langes Beinkleid und Regenjacke getauscht und wir spazierten im gerade leichter werdenden Regen zur Montreal Underground City. Hierbei handelt es sich um unterirdisch durch mehr als 32 Kilometer lange Tunnel verbundene Gebäudekomplexe, die es ermöglichen, alle nötigen Dinge unter der Erde zu erledigen. Das macht das ganze Konstrukt mit insgesamt ungefähr 12 Quadratkilometern Fläche zur größten Untergrundstadt der Welt. Angebunden sind nicht nur etwa 80% aller Büroflächen der Innenstadt, sondern auch zehn Metrostationen und die beiden Hauptbahnhöfe. Dieses Netzwerk an Wegen und Gängen ist also gigantisch! Hintergrund ist eigentlich, dass man den Leuten die Möglichkeit geben wollte, sich nicht den extremen Wetterbedingungen aussetzen zu müssen, was vor allem in den langen Wintern ein großer Vorteil ist. Nähere Infos zur Underground City findet ihr auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Untergrundstadt_Montreal

Dadurch dass wir nicht ganz so viel Zeit und Energie hatten, um alle Wege abzuschreiten, konzentrierten wir uns auf das Eaton Center, da wir auf der Suche nach einem passenden Abendessen waren und Lust auf Pizza hatten. Natürlich wurden wir fündig und so spülten wir die ohnehin schon fettige Pizza mit meinem geliebten Mountain Dew runter. Weils eh schon wurscht ist!

Mit der Pizza im Bauch und Julia auf den Schultern machten wir uns auf den Rückweg ins Hotel, um die streichfähigen Kids ins Bett zu stecken. Viel länger werden wir allerdings auch nicht munter bleiben, war es ja doch wieder ein erfolgreicher und anstrengender Tag. Morgen werden wir Montreal verlassen und zum ersten Mal seit drei Tagen wieder unser Auto starten, das hoffentlich immer noch dort steht wo wir es abgestellt hatten. Der Weg führt uns knapp 3,5 Stunden in die nächste Großstadt: Quebec!

Generell kann man zu Montreal sagen, dass es definitiv eine sehenswerte Stadt ist, die man nicht auslassen sollte. Sie kann sich zwar nicht so recht entscheiden, in welche Richtung sie sich entwickeln will, aber genau dieses Potpourri an Prachtbauten, abgefuckten Flecken und purer Moderne macht die Stadt interessant. Überall gibt’s was zu entdecken, sei es eine kleine Skulptur, die man auf den ersten Blick gar nicht sieht oder ein Mural an einer riesigen Häuserwand: Kunst ist hier omnipräsent. Mir hat die Stadt jedenfalls gut gefallen und war meiner Meinung nach ein optimaler Einstieg für unsere Tour. 

Hier noch unsere Highlights des Tages:

  • Julia: „Mir hat eigentlich der blaue Frosch gefallen.“
  • Emilia: „Die schlafenden Pinguine, die fand ich lustig.“
  • Kerstin: „In der Früh aufzuwachen und nicht krank zu sein und der Ausblick vom Mont Royal.“
  • Anita: „Das gemeinsame Picknick im Park.“
  • Chris: „Die schönen Fotos, die am Mont Royal entstanden sind.“

In diesem Sinne… Voestalpine! 

Bis bald!

* Kerstin friert im Normalfall so gut wie immer und hat eine eigene Temperaturbewertung:

  • Alles unter 23 Grad: arktisch kalt
  • 23 bis 26 Grad: kerstinkalt 
  • 27 bis 30 Grad: grenzwertig zu kalt (die Temperatur wo man die Haube auch mal weglassen kann)
  • Alles ab 31 Grad: halbwegs akzeptabel

** Hier die jeweiligen Schätzungen:

  • Anita: 520 Stufen 
  • Kerstin: 500 Stufen 
  • Julia: 10 Stufen 
  • Emilia: 150 Stufen 
  • Chris: 750 Stufen

Einer kurzen Internetrecherche nach sind es angeblich insgesamt 520 Stufen, somit hat Anita eine punktgenaue Schätzung abgegeben! Applausoooo! 👏

Und wie gewohnt noch ein paar Schnappschüsse des Tages:

Kein Wunder dass die Reifen so einen Lärm machen!
Wohl wahr
Oft ist man in Montreal nicht sicher, ob ein Gebäude verfallen ist oder ob sich einfach keiner darum schert.
Kanada ist eindeutig eine Hockeynation: Versperrbare Schuhschränke neben einem kleinen Teich am Mont Royal.
Schon wieder ein Einhörnchen
Penis!

Eine Antwort zu „Montreal, du schöner, eigenartiger Fleck!“

  1. Großartig!!! Vor allem die Kälte Tabelle – wieder was dazugelernt 👍🏻

    und Anita beweist ihr mathematisches Gespür 😃

    Gute Fahrt nach Quebec und bleibt gesund!

    GLG von Sul

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