Heute erspare ich euch großartige Schlafgeschichten, da tatsächlich – von zwei Pipipausen diverser Zimmergenossen abgesehen – nichts passiert ist.
Eigentlich wollten wir um 10$ pro Person das Frühstück vom Hotel nutzen, da wir aber noch jede Menge Lebensmittel der letzten Einkäufe übrig hatten, haben wir uns dazu entschieden, erstmal diese zu verputzen. Das Hotel war ohnehin nicht besonders toll und entsprechend wenig ansprechend war auch das Frühstück.
Vor uns lagen erneut 3,5 Stunden Fahrt. Scheinbar die Standard-Dauer für all unsere Fahrten. Wieder war die Strecke einmalig schön und selbst der zeitweise heftige Regen konnte meine Freude am Fahren nicht trüben. Einzig die paar toten Tiere am Straßenrand hätten nicht sein müssen. Wir identifizierten die meisten als tote Stachelschweine. Oder Reifenhörnchen. Also Reste von zerfetzten Autoreifen.


Zwischendurch ging der Puls mal schlagartig in Richtung Herzinfarkt, denn am Straßenrand stand ein Polizeiauto. Davor ein Polizist. Wir fuhren in einer kleinen Kolonne ganz vorne. Der Polizist begann zu winken. Ich zu schwitzen. Also bremste ich ab und überlegte mir im Hinterkopf bereits einen Grund, warum er mich nicht gleich erschießen sollte. Wir wurden also langsamer, ich wollte rechts ran fahren, doch dann kam die Erlösung. Er deutete nur, warum auch immer, langsamer zu fahren und winkte uns weiter. Puh.. Glück gehabt. Ich dachte schon, dass wir aufgehalten werden, weil ich zu schnell dran war, wie eigentlich fast durchgehend. Ich bin der Meinung, dass die Anzeigen auf den Schildern eher die Wintergeschwindigkeiten sind. Im Sommer darf man 30km/h dazu rechnen. Glaub ich jedenfalls. Zumindest hält sich niemand an die Beschränkungen, am allerwenigsten die Trucker mit ihren abartig starken Zugmaschinen. Aber wenigstens ist hier alles in normalen Einheiten angegeben, also Kilometer pro Stunde usw. und nicht wie in Amerika in Maiskolben pro Zehennagel oder was weiß ich was für eine absolut idiotische Maßgebung die Nachbarn haben.
Apropos idiotisch: Bin eigentlich nur ich so, dass ich mir denke wenn ich einen Polizisten sehe „Fuck, benimm dich jetzt bloß nicht auffällig, sonst hält er dich auf und findet deine zwei Kilo Kokain und die Pistole, obwohl du beides noch nie besessen hast!“? Ich hoffe mal nicht, sonst gibt’s neues Material für die nächste Therapiesitzung.
Wie auch immer. Umso weiter wir fuhren, desto mehr normalisierte sich der Puls wieder und desto dringender wurde der Wunsch nach einer Pipipause. Nicht bei den Kids, denn die schliefen die meiste Zeit. Sondern bei mir. Also beim nächsten Tim Hortons, der am weitesten verbreiteten Fast Food Kette in Kanada, eingekehrt, ausgeleert, Riesenportion Koffein eingepackt und das letzte Stück hinter uns gebracht.

Am heutigen Programm stand der Zoo Sauvage in St. Félicien. Mit 250 Öcken weniger am Konto betraten wir das riesige Areal, das in verschiedene Zonen geteilt ist. Den Anfang machten die Eisbären in der arktischen Tundra.

Gleich zu Beginn fiel auf, dass die Gehege allesamt riiiiiesengroß waren und es teilweise schwierig war, überhaupt Tiere zu finden. Gut für die Tiere, schlecht für ungeduldige Kinder. Oder mich. Wir durften die Fütterung von Roten Pandas beobachten, sahen zahlreiche Nutztiere wie Esel, Ziegen und Ponys (die hier übrigens Miniaturpferd heißen) und andere lokale Arten, wie Luchse und Grizzlybären.



Um kurz vor 15 Uhr wurde es Zeit für das absolute Highlight des heutigen Tages: Eine Safari durch das enorm große „Freigehege“ des Zoos. Dabei handelt es sich um ein riesiges Gebiet, in dem sich zahlreiche Tiere frei bewegen können. Von Moschusochsen, über Dammwild (das Handy wollte gerade zweimal Darmwind daraus machen) bis hin zu Elchen war alles dabei. Mit Abstand am beeindruckendsten waren aber die Schwarzbären, die ihre Runden zogen.






So stell ich mir einen Zoo vor. Wo du hinter Gittern bist und sich die Tiere in einem gigantischen, geschützten Areal hinbewegen können, wohin sie möchten. Die Tour rechtfertigte auch den doch recht hohen Eintritt.
Tierische Highlights aus dem Zoo:
Kerstin: Die roten Pandas und die Bären
Anita: Die Schwarzbären aus der Nähe zu sehen
Julia: Die Dame mit dem Hut
Emilia: Alle, ich kann mich nicht entscheiden
Chris: Definitiv die Schwarzbären
Gegen 17 Uhr starteten wir wieder das Navi und fuhren eine knappe Stunde lang denselben Weg wie zuvor wieder zurück bis nach Chambord, wo sich das Hotel für heute Nacht befindet. Wobei, eigentlich ist es kein Hotel. Denn bei der Ankunft wurden wir davon überrascht, dass sich das Maison Zacharie direkt neben einer Kirche befand. Und aussah wie der Zubau ebendieser. Na grüß Gott. Ich in einem Kloster? Zwischen Betbrüdern und Nonnen? Und zum Frühstück nach dem Morgengebet dann eine Hostie mit Erdbeermarmelade? Halleluja, das kann ja was werden. Wir bezogen unsere Zimmer im ersten Stock, die sporadisch, aber gemütlich eingerichtet sind.



Kurz in der Willkommensmappe nachgelesen beruhigten sich meine aufgestellten Nackenhaare wieder, da einiges über die Geschichte des Hauses nachzulesen war. Unter anderem, dass es sich tatsächlich um die Gemäuer eines Klosters handelte, das aber vor einigen Jahren aufgegeben wurde und von einem Pärchen, das selbst nicht zur Kirche geht, zum Hotel umgebaut wurde. Sie haben sich für diese Location entschieden, da Kirchengebäude früher immer an den besten Plätzen der Stadt und von den besten Handwerkern in massiver Bauweise errichtet wurden. Und schließlich sollte das Hotel ja auch viele Jahre Gästen Unterschlupf bieten. Einiges ist von der Kirchengemeinschaft aber noch geblieben. So gibt es beispielsweise nur ein Gemeinschaftsbad pro Stock für etwa sechs Zimmer und im Erdgeschoss einen großen Bereich, der von allen genutzt werden kann. Genauso wie die Küche. Hier kann jeder selbst kochen und werken was und wie er will, solange er niemand anderen stört und seinen Mist wieder wegräumt. Fürs Abendessen holten wir uns aus dem Supermarkt gegenüber Nudelsalat, Weckerl und ein Sandwich und setzten uns damit an einen der vielen Tische im gemütlich eingerichteten Wohnzimmer.

Irgendwie gefiel mir diese Zusammenkunft vieler fremder Personen, die sich einander respektvoll begegneten und gemeinsam eine – wenn auch kurze – gute Zeit hatten. Jetzt schauen wir mal, wie die heutige Nacht wird und wann die Kirchenglocken hysterisch versuchen werden, uns doch dazu zu bewegen, eine Messe zu besuchen. Wir hoffen mal, nicht all zu früh, denn ein bisschen erholsamer Schlaf wäre schon was Feines.
Grüß Gott, mit‘nand!
Wie gewohnt noch ein paar Schnappschüsse:










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