Unterwegs im Mauricie Nationalpark

Juhu, ich hab’s überlebt! Meine Seele wurde nicht unter ewigen Qualen ins Fegefeuer gezogen und die Nacht im Kloster war überraschend erholsam. Nicht mal die Kirchenglocken haben geläutet. Selbst die Morgentoilette inkl. Dusche hat hervorragend geklappt. Leider bekam ich eine Nachricht von der Betreiberin unserer nächsten Unterkunft, dass die Zufahrtsstraße behördlich gesperrt wurde, da es scheinbar durch den Starkregen zu Einschränkungen kam. Blöderweise war dies aber die einzige Straße dorthin. Und noch blödererweise wollten wir heute wohin, wo es keinen Empfang geben würde, um informiert zu werden, ob es denn nun überhaupt möglich wäre anzureisen oder nicht. Aber was soll’s.. ein wenig Abenteuer soll schließlich auch dabei sein. 

Nach dem inkludierten Frühstück drehten wir noch eine kleine Runde durch den Garten und die umliegenden Wege des Klosters und drehten nach geschätzten 100 Metern wieder um, da wir ja nicht wissen konnten, ob es irgendwelche Bären dort gab. Das erzählten wir zumindest den Kindern, um sie dazu zu bewegen, Richtung Zimmer zu marschieren. 

Apropos Bären, hier eine kleine Bärenkunde, die mir Stefan dankenswerterweise noch mit auf die Reise gegeben hat: 

  • If it‘s black: Fight back!
  • If it‘s brown: Lay down!
  • If it‘s white: Good Night!

Normalerweise würden wohl die meisten gleich gute Nacht sagen, wenn sie einem Bären gegenüber stünden. Anders wäre es allerdings, wenn Julia auf den Bären treffen würde, egal welcher Rasse. Sie würde ihn vermutlich mit ihrer verständnisvollen und zurückhaltenden Art in Rekordzeit domestizieren und ihn dazu bringen Virgin Margaritas zu mixen und ihr die Füße zu massieren. 

Alles zusammengepackt schnappten wir unsere 38 Taschen, beluden das Auto und navigierten zu unserem Tagesziel, nämlich den La Mauricie National Park of Canada. Fahrzeit: wie immer 3,5 Stunden! Wir fuhren durch nette Ortschaften, pure Wildnis und vereinzelte Häusersiedlungen, vor denen manchmal sogar Leute anzutreffen waren. Irgendwie merkte man schon am Aussehen ebendieser, dass der Handyempfang dort eher mies bis gar nicht vorhanden war und man jetzt nicht sooo vielen Beschäftigungen nachgehen konnte. In den Südstaaten würde man sie wohl als klassische Rednecks bezeichnen. Oder die Eltern waren einfach in zwölfter Generation Geschwister. Wenn der Stammbaum zum Kreis wird. 

Ebenso mies wie der Handyempfang war auch der unseres Autoradios. Da sich mein Handy gerade nicht mit dem Auto verbinden lassen wollte, war Anita primär damit beschäftigt, einen Radiosender zu finden, der nicht rauschte. Fündig wurden wir bei Country Classics. Optimaler Soundtrack für die Gegend. Der Vorteil an dieser Musikrichtung ist, dass die Interpreten davon singen könnten, wie toll es doch ist, kleinen Babyhasen den Kopf abzubeißen und trotzdem hätte man den Drang, dazu mit dem Fuß zu wippen und sich zu denken „Joa, geht schon ins Ohr!“. 

Die Fahrt verlief relativ ruhig und polizeifrei, einzig der eine oder andere Tesla-Fahrer blockierten die Straße. Meist genau dann, wenn man 15 Kilometer lang nicht überholen konnte. Ich schätze mal, dass sie deshalb so langsam fahren, weil sie Akku sparen müssen, um auch wirklich dort hin zu kommen, wo man hin will. Denn in der Gegend gab es nicht jeden Kilometer einen Supercharger, wo man das Auto aufladen könnte, während man sich schnell einen Iced Toffee Latte Frappucino mit nicht zu kalter Löwenzahnmilch holt. 

Endlich im Nationalpark angekommen holten wir uns im Visitor Center einen Parkplan und Tipps, welche Routen mit Kids denn empfehlenswert wären. Beim Schranken schnell 17,50$ für das Familienticket gezahlt und schon konnten wir damit beginnen, den 536 Quadratkilometer großen Nationalpark zu durchqueren. Im Grunde genommen führt nur eine knapp 60km lange Straße durch den gesamten Park, an der sich regelmäßig links und rechts Seitenstraßen befinden, die zu Seen, Aussichtspunkten oder Wanderwegen führten. Wir starten ganz im Osten und das erste Ziel war der Lac Bouchard für eine kleine Wanderung. Die Dame im Besucherzentrum empfahl und diesen Weg zu gehen, da er leicht und kindgerecht war, da es sich um einen normalen Waldweg handelte, der auch mit jedem normalen Auto befahren werden hätte können. Am Wendepunkt angekommen hatten wir die Wahl zwischen langweiligen Weg, also dieselben zwei Kilometer wieder retour, oder den Abenteuerweg über Stock und Stein, der ein bisschen anspruchsvoller aussah. Für welchen wir uns entschieden muss wohl nicht erwähnt werden. Aufgrund des angesprochenen Starkregens war natürlich auch der Waldboden teilweise stark aufgeweicht und gatschig. Und mit dem feuchten Wetter kamen natürlich auch eine Menge Gelsen. Gut, dass wir ausreichend Insektenspray mit hatten. Schlecht, dass das alles im Auto lag. 

Links der normale Weg, rechts der Abenteuerweg retour
Julia gibt das Tempo vor..
Über Stock und Stein.. nur die falschen Schuhe haben Mama und Papa eingepackt
Suchbild: Finde den Frosch!
Seit ich diese Pilze gekostet hab kann ich Farben riechen!
Soooo schön

Die Kids waren unglaublich tüchtig und haben den kompletten Weg ohne großartigem Jammern mitgemacht, sind über umgestürzte Bäume geklettert, haben sich am Seil hochgezogen und über riesige Gatschfelder gesprungen. Ich war echt stolz auf diese Leistung. Insgesamt haben wir 9,2 Kilometer zurück gelegt, somit hat Kerstin das heutige Schätzspiel gewonnen!

Kerstin: 9 km

Emilia: 8,6 km

Julia: 11 km

Chris: 7,2 km

Anita: 7,3 km

Wieder beim Auto angekommen gab’s erst mal Belohnungsgummibärchen und einen kleinen Snack, bevor wir zum nächsten Hotspot fuhren, nämlich zum Lac Edouard. Der erste Weg führte uns nicht zum Strand, sondern zum Kanuverleih. Um den See mit dem Boot zu erkunden war es bereits zu spät, aber bei der Hütte hab es als einzigen Ort im Nationalpark WLAN. Nicht, weil ich schon süchtig nach unlustigen – und damit genau meinen Humor treffenden – Memes oder unfassbar schlecht gespielten Reels war, sondern um herauszufinden, ob wir für die heutige Nacht ein neues Hotel brauchen würden oder nicht. Und siehe da, wir hatten Glück. Die Straße war wieder offen und so konnten wir endlich entspannt zum Strand, um kurz unsere Füße in den Lac Edouard zu stecken. 

Der Lac Edouard
Das ist Kanada, so wie ich es mir vorgestellt habe. Nur besser!

Eigentlich wären wir gerne länger geblieben, da wir aber bereits spät dran waren und noch zwei Aussichtspunkte besuchen wollten, mussten wir uns von dort los reißen und weiter fahren. Trotzdem hielt ich noch schnell einen Moment inne und versuchte, die Atmosphäre aufzusagen. Das war nämlich genau das Kanada, das ich erwartet habe. Das war der Grund, warum wir beschlossen haben, hierher zu kommen. Das war schon irgendwie ein besonderer Moment. 

Zwischenstopp beim Aussichtspunkt
So mag ich Parkplätze: Leer!

Während wir die letzten Kilometer im Nationalpark herunterspulten, versuchte ich immer wieder eine Verbindung zu bekommen, um die Route zur Unterkunft berechnen zu können. Beim ungefähr 82. Versuch gelang es dann auch endlich und meine innere Unruhe ließ nach. Wir hatten noch eine knappe Stunde Fahrzeit vor uns, was diesen Tag auch gleichzeitig zu dem Tag machte, an dem wir die meisten Kilometer hinter uns brachten, nämlich knapp über 400. Entsprechend froh waren wir auch, dass sich die Restfahrzeit relativ schnell verringerte. Unterwegs sahen wir ein Streifenhörnchen mitten auf der gegenüberliegenden Straßenseite sitzen. Sicherheitshalber bremste ich noch ab. Und was machte dieses suizidale Kamikazehörnchen? Es läuft genau im falschen Moment los in unsere Richtung. Gut, dass ich noch sagte „Schaut’s Kinder, ein Streifenhörnchen“, gefolgt von einem kurzen Rumpeln und einem unangenehm, leisen „Oh!“. Happy Tree Friends ließen grüßen. Die darauffolgende Diskussion mit den Kindern war von Vorwürfen geprägt, gespickt mit Lösungsvorschlägen, was ich doch alles machen hätte können, um dieses unschuldige Wesen eben nicht platt zu machen. Ich hab versucht, ihnen einzureden, dass es eh schon ein altes Hörnchen war, das noch dazu krank ausgesehen hat. Funktioniert hat das aber nicht…

Kurz vor dem Ziel sahen wir dann jedenfalls, warum die Straße gesperrt wurde, denn links und rechts der Straße lagen riesige Steinbrocken und eine Menge Schlamm. Ein paar Minuten später zeigte das Navi endlich an, dass wir an unserem Ziel angekommen waren. Blöderweise war an dieser Stelle aber nix, außer einer alten versperrten Holzhütte. Also drehten wir noch einmal um, vergewisserten sich, auch nichts übersehen zu haben und fragten schließlich bei einem freundlichen Eingeborenen nach. Die kannten die Unterkunft nicht, gaben uns aber den Tipp, die Straße ein Stück weiter zu fahren. Nach einer weiteren Ehrenrunde haben wir es dann aber doch noch gefunden und waren unglaublich positiv überrascht. Es handelt sich hierbei um ein ganzes Apartment oberhalb des Gastgeber-Hauses das unglaublich liebevoll eingerichtet ist. Die Gastgeberin hat bereits per WhatsApp im Vorfeld angekündigt, dass sie extra für uns einen Kuchen gebacken hatte und alles vorbereitet wäre für unsere Ankunft. Jedes Zimmer ist unheimlich detailreich gestaltet, wir haben drei getrennte Schlafzimmer plus Wohnzimmer, Bad und jede Menge Platz. 

Die super eingerichtete Küche
Willkommenskorb als Begrüßung
Zimmer der Kids mit leuchtenden Bäumen und Wasserspiel.
Das Mama-Papa-Zimmer mit Massagebett

Jetzt genießen wir mal das Massagebett und hoffen auf einen engelsgleichen, tiefen Schlaf. Hoffentlich nicht ganz so tief wie das Suizidhörnchen, aber zumindest weg sein werden wir genauso schnell. ZzZzzZzz 

PS: Sollten heute mehrere Fehler im Blog sein, liegt es daran, dass ich nach 5,5 Stunden Autofahren, einer halben Flasche Was-Auch-Immer-Im-Korb-Drin-War und nach 23 Uhr nicht mehr die Energie hatte, den Text Korrektur zu lesen. Vielleicht sollte ich auch einfach weniger schreiben, wenn selbst mir schon meine eigenen Texte zu lang werden.

5 Antworten zu „Unterwegs im Mauricie Nationalpark”.

  1. Avatar von lieblingsschwestermichi
    lieblingsschwestermichi

    Hmmmmmm… Mimosa aus der Flasche! Hätte mir vermutlich auch geschmeckt! 😋🥂

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  2. Avatar von lieblingsschwestermichi
    lieblingsschwestermichi

    Hmmmmmm… Mimosa aus der Flasche! Hätte mir vermutlich auch geschmeckt! 😋🥂

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  3. Hab den Frosch gefunden! 😎

    Danke für deine täglichen Updates! Macht richtig Spaß euch in Kanada zu begleiten.

    LG Kathi

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  4. Heute habe ich erst nach dem Frühstück den Bericht gelesen und wie immer sehr genossen! Ja, den Frosch hab ich gefunden!! Danke für die traumhaft schönen Kanada – Aufnahmen, das stärkt für den Tag. Eure Unterkunft sieht sehr gemütlich aus, da möchte man bestimmt länger Urlaub machen.

    genießt die Zeit

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  5. So schöne Aufnahmen! Die Fotos sind echt unglaublich!
    Liebe Grüße von den Pusniks

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