Nachdem wir gestern den ganzen Tag in Canada’s Wonderland verbracht hatten, gibt’s heute einen etwas ausgedehnteren Beitrag. Keine Sorge, ich verschone euch mit detaillierten Ride-Reviews und picke nur ein paar Highlights raus. Generell hat der Park unglaublich viel zu bieten, sodass es trotz der wirklich kurzen Fahrzeiten pro Attraktion schlichtweg unmöglich ist, alles auszuprobieren. Allein der Achterbahnzähler steht bei 18! Dazu kommen jede Menge Flatrides und Spielbuden.

Die Menschenmassen verteilten sich anfangs gut, später merkte man allerdings, wie voll es wurde, somit standen wir bei zwei Kinderattraktionen jeweils eine knappe Stunde. Den ersten der drei großen Coaster Leviathan absolvierten Anita und ich alleine, da wir das (natürlich noch teurere) Fast Lane Plus Armband hatten, während die anderen drei Mädels das normale Fast Lane Band hatten.


Durch einen glücklichen Umstand durften wir sogar Front Row fahren, was uns natürlich extrem freute. Der höchste und schnellste Coaster Kanadas, mit nur 15 Minuten anstehen und dann auch noch in der ersten Reihe. Holy Moly, da drückte es einem ordentlich die Tränen aus den kleinen Schweinsaugen, wenn man mit fast 150 Kilometern pro Stunde fast senkrecht (der First Drop hat ein Gefälle von 80 Grad!) 93 Meter tief dem Erdboden entgegen rast.
Bei Yukon Striker, einem Coaster mit einer 90 Grad steilen Abfahrt, bei dem man für den ultimativen Nervenkitzel direkt an der Kippe oben für einen Augenblick stehen bleibt, warteten wir dank Fast Lane kaum 20 Minuten. Klingt erst mal nach langer Wartezeit, wenn man aber die normale Warteschlange sah, wusste man, dass man die richtige Entscheidung getroffen hatte. Denn ohne kleinen Aufpreis von ca. 150$ (das Eintrittsticket kostet ca. 50$) betrug die Wartezeit mehr als zwei Stunden.

Zum Video:
Der dritte große Coaster war Behemoth, quasi der kleine, nicht ganz so sanfte Bruder von Leviathan. War okay, aber kommt wohl nicht in meine Top 5 der besten Rollercoaster.
Besonders erwähnen möchte ich noch, dass ich unglaublich stolz auf Emilia war, weil sie ordentlich Mut bewiesen hat. Beim letzten Praterbesuch gab es nämlich Tränen, weil sie mit dem Shuttle Looping Coaster nicht fahren durfte, da sie noch zu klein war. In Canada’s Wonderland gab es ein baugleiches Modell mit Schulter- statt Schoßbügeln und somit durfte sie auch mitfahren. Und sie war begeistert! Drei Loopings vorwärts und dasselbe dann nochmals rückwärts!

Zwischendurch haben wir jede Menge andere Attraktionen ausprobiert und hatten einen superspaßigen Tag. Den Abschluss unseres Achterbahn-Marathons bildete Flight Deck, ein Modell eines Herstellers, der nicht gerade für seine sanften Fahrten bekannt war. Und genau so war es auch. Einer der brutalsten und schmerzhaftesten Achterbahnen, die ich je gefahren bin. Ich hatte zuvor schon zwei Kopftabletten als kleinen Snack zwischendurch eingeworfen, doch nach dieser Fahrt kamen sie ungefähr 18-fach zurück. Dass ich danach sogar den Kiddiecoaster freiwillig ausgelassen hab, sprach für mich Bände.
Sieht am Video gar nicht so schlimm aus:
Insgesamt verbrachten wir sagenhafte 11 Stunden in dem Park und trotzdem waren viele Dinge übrig, die man noch ausprobieren hätte können. Aber nachdem uns der Tag alleine ungefähr 700€ gekostet hatte, ließen wir es dabei bleiben und erklärten den Tag für beendet. Die Kids schon im Auto, ich sobald ich die Decke bis zu meinem zufrieden lächelnden Gesicht hochgezogen hatte.








Der heutige Tag begann wieder einmal viel zu früh, dafür dass wir ja eigentlich auf Urlaub sind. Aber wie schon öfters erwähnt: wer braucht schon Schlaf? Am Programm stand bereits das nächste Highlight: Tagesausflug zu den Niagara Fällen! Aus 90 Minuten wurden dank Staus erneut 120 Minuten. Dadurch, dass sie nochmals umdrehen mussten, da wir was vergessen hatten, wurden daraus dann überhaupt 220 Minuten. Aber was soll’s, Staustehen waren wir ja mittlerweile gewohnt. Inzwischen klappte auch das Fahren in der Großstadt schon sehr gut und ich fand stets den richtigen Weg. Ja, da schwingt schon auch ein bisserl Stolz mit!

In Niagara angekommen parkten wir unseren Schlitten für 20$ am riesigen Parkplatz und stürzten uns ins Getümmel. Im Grunde genommen spielte sich alles auf der kurzen Vergnügungsmeile Clifton Hill ab, vergleichbar mit einer Mini-Version des Strips in Las Vegas. Alles blinkte, leuchtete, bewegte sich. Laute Musik dröhnte aus den Lautsprechern, Minigolf hier, Wachsfigurenkabinett da, Horrorlabyrinth dort. Dazwischen Souvenirshops, Fastfood-Läden und Hotels. Kitsch pur, aber irgendwie doch passend und schön anzuschauen.





Und dann stand sie plötzlich vor mir. Mit ihren roten Haaren, den kessen Sommersprossen und dem Kragen, der aussieht, als hätte sie eine Kette um, auf der MOM steht. Wendy! Es war zwar erst 11 und ich hatte eigentlich gar keinen Hunger, aber ich konnte mir die Chance nicht entgehen lassen. Und das war eine hervorragende Entscheidung. Das war definitiv der beste Burger, den ich in den letzten drei Wochen hatte. Das Besondere bei Wendy’s ist, dass das Fleisch und die Pommes nicht tiefgefroren werden und somit frisch sind. Und den Unterschied merkt man!

Wir hatten Tickets für die Niagara Cruise um 12:30 Uhr, aber versuchten unser Glück einfach schon eine Stunde früher, da die Boote alle 15 Minuten ablegten. Und auch bei der Ticket-Kontrolle war es komplett egal, für wann gebucht wurde, somit durften wir direkt zum Boarding und bekamen unseren roten Regenponcho. Wie die Rinder am Weg zur Schlachtbank walzte sich eine riesige Menschenmenge, bestehend aus hunderten rot beflatterten Individuen in Richtung des Bootstegs.

Die Niagara Fälle liegen direkt an der Grenze von Kanada zu den USA und verbinden den Eriesee mit dem Ontariosee. Oder wie es bei uns heißt: das Meer mit dem anderen Meer. Von dort aus fließt das Wasser dann übrigens weiter und wird zum St. Lawrence Strom, den wir ja bereits aus Montreal kannten, und dann weiter in den atlantischen Ozean. Also so falsch sind wir gar nicht mit unserer Aussage, dass jedes Wasser hier das Meer ist. Das Wasser ist einfach nur noch nicht soweit.
Natürlich werden auch auf amerikanischer Seite Bootsfahrten direkt zu den Fällen angeboten, mit dem einzigen Unterschied, dass deren Ponchos blau sind. Insgesamt dauerte die ganze Fahrt knapp 20 Minuten, aber die waren es definitiv wert. Die Gischt war unglaublich und man spürte richtig die Kraft des Wassers. Unfassbar, welche Menge an Wasser dort jede Sekunde runter donnerte. Die Montmorency Falls waren zwar höher, aber die Niagara Fälle definitiv spektakulärer.




Bei Nacht wird die Wassermenge übrigens gedrosselt und am Morgen quasi wieder eingeschalten. Ein Teil des Wassers wird zu einem Kraftwerk umgeleitet und zur Stromerzeugung genutzt.
Nachdem wir wieder an Land waren wollten wir die Nähe zu den Staaten nutzen und natürlich auch die Amerikaner besuchen. Also zahlten wir pro Person einen Dollar und spazierten wir über die Rainbow Bridge in die Vereinigten Staaten. Oder zumindest bis zur Grenzkontrolle, denn wir wollten nicht das ganze Einreiseprozedere durchmachen mit Fingerabdrücke abgeben und so weiter. Aaaaber wir haben unsere Füße auf amerikanisches Festland gesetzt. Das gilt!





Emilia hatte ein wenig Sorge, dass sie keiner verstehen würde, aber Anita beruhigte sie..
Emilia: „Aber ich kann kein amerikisch!“
Anita: „Macht nix, dort spricht man eh englisch wie hier in Kanadien“
Man merkte also bereits die ersten Verluste der Muttersprache nach fast drei Wochen in Kanadien.
Wieder auf der kanadischen Seite angekommen wurden die Pässe kontrolliert, also hatte es sich doch ausgezahlt, in der Früh nochmals umzudrehen, denn genau das hatten wir im Safe vergessen. Wir strawanzten ein wenig durch die Gegend und beschlossen, eine etwas eigenartige Attraktion auszuprobieren, nämlich die kleine Achterbahn namens Frank‘n‘Coaster, die direkt am Dach einer Burger King Filiale gebaut wurde. Dass es an die Bahnen von gestern nicht rankommen würde war klar, aber lustig war er trotzdem. Zwar auch nicht gerade sanft, aber im Vergleich zu Flight Deck gestern war dies wie ein Ritt auf einem mit Gänsefedern gefüllten Seidenkissen, das auf einer Wolke schwebte.


Es war bereits kurz vor drei und somit wurde es Zeit für eine Miause. Zur Erinnerung: zu spät fürs Mittagessen, zu früh für eine Jause! Und dafür konnte es nur eine Location geben: IHOP! Das war die einzige Filiale, die keinen stundenlangen Umweg erfordert hätte und somit lief uns schon beim Anblick der Plakate im Aufzug zum Lokal das Wasser im Mund zusammen.

Und dann sahen wir dieses Schild. Nur bis 14 Uhr geöffnet. Es war 14:48 Uhr. Was. Zur. Hölle. Wie konnte man nur so ein Pech haben? Vor allem Anita war traurig und Emilia versuchte liebevoll, sie zu trösten.

Der Alternativvorschlag war einfach und doch brillant: Wendy’s! Vielleicht haltet ihr uns jetzt für komplett geisteskrank (also noch mehr als zuvor), aber wenn man die Chance hat, bei Wendy’s zu essen, dann muss man diese auch nutzen. Und auch beim zweiten Mal an diesem Tag schmeckte es hervorragend.

Die heutige Schätz- oder eher Rätselfrage war, warum Wendy’s denn Wendy’s heißt, wenn der omnipräsente Gründer doch scheinbar Dave Thomas hieß?
- Emilia: benannt nach seiner Enkelin
- Anita: nach seiner Frau
- Kerstin: nach seiner Tochter
- Julia: weil er Peter Pan gerne mochte
- Chris: nach der Enkelin
Gewonnen hat heute Kerstin, denn die Kette wurde nach seiner damals achtjährigen Tochter Melinda Lou benannt, deren Spitzname Wendy war.
Mit einem zufriedenen Gefühl im Bauch genossen wir noch eine Weile das bunte Treiben von Clifton Hill, besorgen ein paar Souvenirs und setzten uns in unsere Karre.
Die Anzeige am Navi: tiefrot.
Die Fahrzeit: 2:51
Die Stimmung: irgendwo zwischen mies und ganz mies.


Mittlerweile ging mir das Autofahren schon ein wenig auf die Nerven, da rund um die Großstädte aufgrund der vielen Baustellen einfach immer und überall Stau war. Und da die letzten Tage auch ziemlich anstrengend und mit nicht ausreichend viel Schlaf verbunden waren, setzte mir auch die Müdigkeit ein wenig zu. Die längere Fahrzeit kam auch davon, dass wir einen 20-minütigen Umweg zu Walmart machten, da wir für die Heimreise noch ein paar Dinge besorgen wollten, wie etwa einen dritten Koffer, um all das Zeug unter zu bringen. Während des Shoppings dürfte sich der eine oder andere Stau gelöst haben und die Fahrzeit verringerte sich um 20 Minuten, einige Zeit später nochmals um acht. Somit kamen wir doch früher als erwartet in unserem Hotel Holiday Inn Toronto Downtown an und parkten wieder an unserem Stammplatz in der nach toten Menschen riechenden Garage. Und wenn ich mir die Schilder da unten genauer ansehe, könnte dies tatsächlich der Grund dafür sein…
Nun werde ich noch schnell etwas machen, was unweigerlich darauf hindeutet, dass sich unsere Reise dem Ende nähert: ich werde für unserem Heimflug einchecken. Morgen ist bereits der letzte ganze Tag in Kanadien. Mal sehen, was der noch so bringt.
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