Das war’s also mit dem Urlaub. Wir sind wieder zu Hause angekommen, die Waschmaschine läuft bereits zum vierten Mal und wir gammeln in der 31 Grad heißen Wohnung herum, in der Hoffnung, dass es bald Schlafenszeit wird. Denn der Tag dauert schon ziemlich lange.
Die letzte Nacht in Kanada war ähnlich wie die zuvor. Zwar ohne gröbere Unterbrechungen, aber trotzdem ein wenig holprig. Wir sehnten uns bereits wieder nach unserem breiten Bett, der jeweils eigenen Bettdecke und weniger Sirenenwecker in der Nacht.
Beim letzten Walmart Besuch kauften wir bereits einen dritten Koffer und in der Früh schien selbst der zu wenig. Vielleicht hatten wir doch ein wenig übertrieben, was das Shopping anging. Aber was soll’s, ein Koffer beinhaltete nun eben hauptsächlich Lebensmittel und Zeug, das es bei uns nicht gibt. Beim Einpacken stellte sich plötzlich die Frage, wo denn meine AirPods seien. Ohne Kopfhörer würde der Flug etwas mühsam werden. Ein kurzer Check zeigte das Ergebnis. Und das war ernüchternd. Letztes aktives Signal vor zwei Wochen. In 772 Kilometern Entfernung. Ungefähr genauso weit entfernt war in diesem Moment auch meine gute Laune.

Aber ändern konnte ich es ohnehin nicht mehr und setzte alles darauf, dass sie einfach irgendwo im Koffer dazwischen gerutscht wären. Dann wäre zwar der Flug mühsam, ich würde mir aber knappe 200€ für neue sparen.
Noch ein wenig miesepetrig gelaunt (ein Gefühl, mit dem ich so gar nicht umgehen kann!) checkten wir nach fünf Nächten aus dem Holiday Inn Toronto Downtown aus und spazierten zum nächstgelegenen Spielplatz, der unweit vom Hotel lag. Spielplätze sahen wir in den letzten drei Wochen kaum. Mit dem auf dem wir uns befanden waren es genau zwei. Toronto zeigte sich zum Abschluss nochmals von seiner besten Seite bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen 24 Grad.


Ein paar Gedanken zu Toronto an sich: es ist nunmal eine Großstadt wie jede andere auch, somit zeigt sich auch das wahre, nicht so schöne Gesicht eines Landes. Viele Obdachlose, von denen uns kein einziger angesprochen hatte während die Kids mit uns unterwegs waren, alleine hingegen schon. Aber obwohl es sich um die größte Stadt Kanadas handelt, hatten wir nie das Gefühl, nicht sicher zu sein oder dass uns jemand etwas Böses wollte. Klar roch es hier und da mal nicht nach Rosen, unterm Strich war die Stadt zwar von Baustellen und Lärm geprägt, aber sehr sauber und absolut sehenswert. Ein Tag weniger hätte vermutlich auch gereicht, um dafür einen Tag mehr im Nationalpark verbringen zu können, aber generell sind wir allesamt mit dem Verlauf des Urlaubes und der Reisestrecke sehr zufrieden.

Um 12:30 Uhr marschierten wir zurück zur Garage für unsere letzte Fahrt mit dem bis zur Decke hin vollbepackten GMC Terrain Der Weg zum Flughafen war von gemischten Gefühlen geprägt. Alles fühlte sich irgendwie so extrem weit weg an. Es wirkte, als wären die Einreise, das Whale Watching, der Rundflug, der Vergnügungspark und all die anderen besonderen Erlebnisse bereits vor Ewigkeiten geschehen, dabei waren es gerade mal maximal 20 Tage. Dazu mischte sich noch ein wenig Wiener Grant, da wir natürlich wieder im Stau standen. Die Vorfreude auf zu Hause und die vielen Erinnerungen an das Erlebte hielten sich die Waage.

Meisterin der Schlichtkünste

Insgesamt haben wir auf kanadischem Boden mit 271.603 Schritten 183,46 Kilometer zu Fuß hinter uns gelassen und sind viele, viele Kilometer mit dem Auto gefahren. Wie viele es insgesamt waren? Das war die Frage unseres letzten Schätzspiels:
- Anita: 3.300 Kilometer
- Emilia: 4.500 Kilometer
- Julia: 1.600 Kilometer
- Kerstin: 6.100 Kilometer
Gewonnen hat diesmal Anita, denn es waren insgesamt 2.892 Kilometer, die wir in den drei Wochen abgespult haben.
Die Rückgabe am Flughafen bei Alamo funktionierte viel problemloser und schneller als gedacht, also zerrten wir unsere Taschen und alle Habseligkeiten aus dem SUV, der uns in den letzten drei Wochen so zuverlässig begleitet hatte. Fast ein bisschen wehmütig ließen wir ihn zurück, inhalierten noch ein letztes Mal kanadische Garagenluft und wanderten Richtung Gepäckabgabe. Mein Koffer war zuerst dran und schon kam die erste Warnmeldung: Too Heavy. War mir nicht sicher, ob ich oder der andere Koffer gemeint war, aber ein freundlicher Flughafenmitarbeiter gab uns den guten Tipp, den Koffer umzupacken, da es sonst relativ teuer werden würde. Gesagt, getan. Neue Chance, neues Glück. Und siehe da, es hatte funktioniert. Er war zwar immer noch über der Grenze von 23 Kilo, aber scheinbar im akzeptablen Rahmen.

Von den Koffern befreit, war die nächste Hürde die Sicherheitskontrolle. Wir hatten insgesamt acht oder neun Plastikschalen, in die wir unser Zeug für den Scan legten. Vier davon wurden zur weiteren Kontrolle aufs Abstellband geschickt, um genauer kontrolliert zu werden. Emilia schmuggelte den – wie von ihr versichert wurde – schönsten Stein der Welt im Rucksack. Anita hatte eine ganze Wasserflasche eingesteckt. Von mir wurde das Tablet auf Sprengstoff untersucht. Und am verdächtigsten war Julias Plüsch-Robbe, die sie in Tadoussac bekommen hatte. Denn die wiegt ungefähr einen halben Kilo, also eigentlich viel zu viel für ein Stofftier. Und wer würde schon eine Vierjährige verdächtigen, ein paar hundert Gramm Kokain zu schmuggeln? Nach tiefergehender Kontrolle durfte sie die vermeintliche Koksrobbe wieder in die Arme schließen und wir suchten unser Gate auf dem riesigen Flughafen. Wir hatten noch knappe drei Stunden Zeit, da wir ausreichend Puffer einplanen wollten wegen Stau, Verzögerung bei der Rückgabe und so weiter. Da wir ohnehin noch ein paar Dollar übrig hatten, verbrachten wir die Zeit mit Shopping und einem letzten Burger, bevor es überpünktlich mit dem Boarding losging.

Der Flug mit Air Canada war sogar noch entspannter als der Flug zu Beginn unserer Reise mit Austrian nach Montreal. Man hatte ein wenig mehr Beinfreiheit, das Essen war besser (okay, die Kids haben’s wieder nicht gegessen) und das Bordentertainment ließ keine Wünsche offen. Ich schaute den meiner Meinung nach zurecht hochgelobten Film Oppenheimer, wollte schlafen, konnte nicht, somit danach noch den neuesten Teil aus der Tribute von Panem-Reihe, den ich als okay bezeichnen würde. Emilia und Julia schliefen jeweils ungefähr drei Stunden, was natürlich für eine normale Nacht viel zu wenig wäre.


Die Einreise in Wien war schnell abgewickelt, ebenso die Schadensmeldungen für unsere Koffer, da der von Anita und meiner beim Flug beschädigt wurden. Mit der Schnell-, U- und Straßenbahn waren wir kurz vor 10 Uhr endlich zu Hause und ich konnte sie schon durch die geschlossene Wohnungstür ganz laut rufen hören: meine Kaffeemaschine!


Nach einem ruhigen Tag zum akklimatisieren heute, wartet auf die Mädels morgen eine Familiengrillfeier und auf mich abends das Coldplay-Konzert im Stadion, bevor es am Montag wieder ab ins Büro geht, um Kohle für den nächsten Trip zu scheffeln. Man munkelt, dass es 2026 eventuell nach Japan gehen soll, so zumindest die erste Grundidee. Aber bis dahin ist ja noch ausreichend Zeit, um alles im Detail zu planen.
Nun möchte ich mich bei euch fleißigen Lesern herzlich bedanken. In den letzten drei Wochen hat der kleine Reisebericht über 3.300 Aufrufe erzielt und ich hoffe, dass ich euch damit mitnehmen konnte auf unseren Trip und die Reiselust geweckt habe, dieses wunderbare Land auch mal besuchen zu wollen. Wir können es jedenfalls nur wärmstens empfehlen! Vielen Dank auch für die zahlreichen Kommentare, von denen ich mich über jeden einzelnen sehr gefreut habe.
Wir haben öfters nachgedacht, was denn so die jeweiligen Highlights gewesen sein könnten und der einhellige Tenor war, dass es viel zu viele gab. Müssten wir uns aber für eines oder zwei entscheiden, wäre es folgendermaßen ausgefallen:
- Anita: Die drei Tage im Algonquin Nationalpark
- Emilia: Canada’s Wonderland und Santa’s Village
- Julia: Canada’s Wonderland
- Kerstin: Die Niagara Fälle
- Chris: Das Kanufahren im Nationalpark und Canada’s Wonderland
Hier noch ein paar lose Infos zu Kanada, die ich nicht unerwähnt lassen möchte:
Der Verkehr:
Es gibt stets zwei Extreme: entweder Stau und kompletter Stillstand am Highway oder kilometerlang kein einziges anderes Auto im Hinterland. An Geschwindigkeitsbeschränkungen hält sich kaum jemand, da Schnellfahren in manchen Bundesstaaten gar nicht strafbar ist. Teuer wird’s erst, wenn es aufgrund des Rasens zu einem Unfall kommt. Apropos Unfall: wir haben in all den drei Wochen keinen einzigen gesehen, und das, obwohl sie auf den Straßen teilweise fahren wie die Geistesgestörten. Generell sind die meisten kanadischen Fahrer aber sehr zurückhaltend, lassen viel Abstand (vermutlich dem längeren Bremsweg im Winter geschuldet) und zeigen Verständnis, wenn man mal die falsche Spur erwischt hat.
Die Leute:
Kanadier sind durch die Bank äußerst freundlich und bei weitem nicht so künstlich wie es die Amerikaner sind. Man ist hilfsbereit, nimmt Rücksicht aufeinander, respektiert einander. Man kommt schnell ins Gespräch und findet auch immer sofort irgendein Thema, das einen verbindet oder beide interessiert.
Das Aussehen:
Viele Kanadier haben einen ganz eigenen Style, den ich als gewagt bezeichnen würde. Dass Crocs generell als festes Alltags-Schuhwerk angesehen werden, habe ich bereits als schwierig erwähnt. Wenn sie dann allerdings noch mit Schnauzer und Vokuhila gepaart sind, wird’s ganz schwierig. Aber ich finde gut, dass jeder zu seinem Geschmack steht und darauf pfeift, was andere davon halten. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und das ist auch gut so! Außer es geht um die Burger von Wendy’s…
Das tägliche Leben:
Was beim Einkaufen nach wie vor für Europäer komisch ist, sind die Preise, die überall angegeben werden. Die beinhalten nämlich stets keine Steuer, man zahlt also an der Kasse immer ein bisschen mehr als man auf den ersten Blick sieht. Wie hoch die Steuern sind weiß man (oder zumindest ich) meist nicht, aber nachdem man ohnehin primär bargeldlos unterwegs ist, muss man auch nicht im Vorfeld schon kontrollieren, ob man denn genug Geld mit hat.
Angenehm hingegen ist, dass es zahlreiche Möglichkeiten gibt, wenn man mal dringend muss. So gut wie jeder Supermarkt hat eine eigene Toilette und was zusätzlich positiv auffiel war, dass fast in allen Männerklos Wickeltische zu finden waren.
Die Unterschiede zu Amerika:
Vor ein paar Jahren war es in Amerika noch undenkbar, mit einem kleineren Auto als einem SUV zu fahren. Mittlerweile dürfte aber auch dort angekommen sein, dass der Sprit was kostet und ein Kleinwagen etwas kostengünstiger in der Erhaltung ist. Aber natürlich ist die Anzahl an Dodge Ram, Ford Pickups und anderen Straßenschlachtschiffen immer noch um ein Vielfaches höher als bei uns. In Amerika ist auch die Dichte an Fast Food Läden weit höher und es gibt mehr Auswahl. Am öftesten kehrten wir bei Tim Hortons und A&W ein, beides Ketten, die wir in Amerika kein einziges Mal besuchten, sofern es sie damals dort überhaupt gab.
So, nun warte ich darauf, dass die letzte Ladung Wäsche fertig wird und stöbere nebenbei in den Angeboten für neue AirPods , denn die waren in keinem der Koffer zu finden. Somit werden die neuen wohl noch ins Reisebudget mit eingerechnet. Weil‘s eh schon wurscht war..
Bis bald und Servus!
PS: Meine AirPods sind am Tag nach dem Heimkommen in einer Seitentasche der zahlreichen Reisetaschen doch noch aufgetaucht. Die Freude war groß und die Neubestellung konnte zeitgerecht storniert werden. Also war zum Schluss das Glück nochmals auf unserer bzw. im speziellen auf meiner Seite!
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