Mit der Västtrafik Färja von Saltholmen Richtung Vrångö über Styrsö nach Donsö. Und retour!

Schwedisch ist schon irgendwie eine witzige Sprache. Doch was war das heute bitte für ein Tag? Wir sind allesamt hundemüde und werden uns früher als sonst ins Land der Träume verabschieden. Aber nun zu den Gründen, warum das heute so extrem ist. 

Begonnen hat der Tag genauso wie die vorherigen: mit dem wunderbaren Frühstück. Mit ein paar Scheiben Ananas und Orangen habe ich meinen Körper heute mal mit ein paar Vitaminen überrascht. Selbstverständnis nachdem ich mir Palatschinken, Eierspeise und Speck gegönnt hatte. Healthy living ist nix für mich. 

Am heutigen Plan stand jedenfalls der Göteborger Schärengarten, genauer gesagt die Insel Styrsö. Eine Schäre ist übrigens eine kleine Felseninsel, ein Schärengarten einfach eine Ansammlung mehrerer solcher Inseln. Rund um Schweden gibt es übrigens mehrere zigtausend solcher Inseln, allein der Stockholmer Schärengarten besteht aus ungefähr 24.000 dieser Felsformationen, von denen manche bewohnt sind.

Mit der Straßenbahnlinie 11 fuhren wir in knapp 30 Minuten die 20 Stationen bis zur Endstation Saltholmen und wenig später legte auch schon die Fähre 281 ab, die uns zu unserem Ziel bringen sollte. Das Coole ist, dass die Fähre Teil des öffentlichen Verkehrsnetzes ist und somit kein eigenes Ticket erforderte. Unsere 90 Minuten gültigen Tickets um ungefähr 9 Euro für alle vier reichten also gerade so aus, um auf Styrsö an Land zu gehen. 

Unser Schiff umgeben von zahlreichen Felseninseln

Wir marschierten zuerst die eine Richtung an der Küste entlang, um sich einen kleinen Überblick zu verschaffen. Da es auf der Insel mehrere Sandstrände gab, hatten wir natürlich unsere Badesachen eingepackt. Da gab es nur zwei Probleme:

  1. Die Sandstrände hatten eine ungefähre Breite von 12 Zentimetern. 
  2. Das Wasser hatte eine ungefähre Temperatur von 1,2 Zentimetern. 

Das hielt die schwedischen Jugendlichen aber nicht davon ab, trotzdem in die Ostsee zu springen, als wäre es das Mittelmeer an der Küste von Catania. Oi, jetzt hab ich mir selbst einen Ohrwurm gepflanzt.. „zum Frühstück Canapés und ein Wildberry Lillet“.

Julia am Sandstrand mit Pulli und Jacke, im Hintergrund die Beachboys und -girls beim fröhlichen Planschen.

Irgendwann standen wir an und so wählten wir einen anderen Weg retour zum Ausgangspunkt. Dort waren die Kids höchst erfreut, als sie einen großen Spielplatz entdeckten, auf dem sie sich ein wenig austoben konnten, bevor wir im Lokal direkt am Wasser fürs Mittagessen einkehrten. 

Also kinderfreundlich sind die Schweden definitiv!

Irgendwie konnten wir es doch nicht lassen und mussten zumindest unsere Zehen ins Wasser des Kattegats stecken. So kalt war es eigentlich gar nicht. Die ersten Erfrierungsanzeichen nach einigen Minuten machten es tatsächlich irgendwie erträglich.  Die Kids beschränkten sich daher aufs Muscheln suchen und Quallen beobachten. 

Der größte Sandstrand auf Styrsö.
Oben windig, unten eisig.
Wenigstens lachte uns die Sonne ins Gesicht.

Nachdem die Zehen wieder getrocknet und vom Sand befreit waren, spazierten wir die Straße der Küste entlang und genossen die Ruhe und die wunderschöne Aussicht. Die gesamte Insel wurde als autofreie Zone deklariert, somit fahren die meisten Bewohner mit Golfcaddys herum. 

Die zwei einzigen Fortbewegungsmittel hier: Golfcaddys und Schiffe.

Das Wetter schwankte zwischen Kälte bei Wind und Hitze bei Sonnenschein. Doch spätestens als wir auf den Weg zum Aussichtspunkt einbogen, trieb es uns die Schweißperlen auf die Stirn. Durch den Wald und über Felsen führte uns der Weg hinauf zu einer kleinen Picknick-Bank, von der wir die Aussicht genießen konnten. Heftige Kanada-Vibes machten sich breit, da uns vieles an die zahlreichen Wanderungen letztes Jahr erinnerte. 

Kaum Leute, kein Verkehr, einfach Ruhe und Gemütlichkeit: genau das, was wir gebraucht haben!
Die Bergziegen in ihrem Element

Die Insel Styrsö ist mittels Brücke mit der Nachbarinsel Donsö verbunden und wir dachten uns, wenn wir schon mal hier sind,  nehmen wir dieses Eiland auch gleich noch mit. Auch dort bestimmten die typischen roten Häuschen das Landschaftsbild. 

Da die Fähre nicht nur Styrsö, sondern auch ein paar weitere Inseln anfuhr, nutzten wir den Halt auf Donsö und legten gegen 15:00 Uhr Richtung Festland ab. Nach nur 17 Minuten waren wir wieder in Saltholmen angekommen und fuhren mit der Straßenbahn zurück zum Hauptbahnhof. Die Zwerge nutzten die Zeit zum Bücher lesen und ein kleines Nickerchen. 

Generell ist zu sagen, dass der öffentliche Verkehr in Göteborg wirklich super funktioniert. Die Stationen sind gut ausgeschildert, die Anzeigen in den Straßenbahnen und Schiffen klar und verständlich und auch die App Västtrafik To Go funktioniert sehr gut. Vor allem für die Streckenplanung und den Ticketkauf ist sie sehr zu empfehlen. 

Was uns heute sonst noch aufgefallen ist:

  • Es gibt verdammt viele Baustellen in der Stadt. Offensichtlich werden die kurzen Sommer intensiv für Erneuerungen genutzt. Eigentlich eh logisch, wenn man sich die frischen Temperaturen außerhalb von Juli und August ansieht. 
  • Inklusion wird groß geschrieben, vor allem wenn’s um die Rollstuhlfreundlichkeit geht. Die Gehsteigkanten sind abgeflacht, die Tische im Park auf einer Seite extra länger, um mit dem Rollstuhl auch bequem dem Geschehen bei Tisch  Kanten und lange Tische im Park beiwohnen zu können. 
  • Göteborg ist voll von Straßenkunst. Es gibt kaum eine graue, unbemalte Wand. Die Kunstwerke sind offensichtlich von begabten Menschen erstellt worden im Vergleich zu unseren Graffitis, die zu 80% aus einem Penis oder dem Namen der aktuellen Liebe bestehen. 

Insgesamt waren wir heute über zehn Kilometer unterwegs und es war der erste Tag in Schweden, an dem selbst das Schlafengehen ohne großartigen Diskussionen funktionierte. Dass es morgen wieder so sein wird, darf bezweifelt werden. Und das, obwohl wir noch nicht wissen, was wir machen sollen. Entweder in den Slottskogen. Oder in den botanischen Garten. Oder ins maritime Museum. Oder doch in den Vergnügungspark, der aber erst um 15 Uhr aufsperrt. Wie ihr seht, haben wir noch viel vor und ihr könnt uns beinahe auf Schritt und Tritt begleiten. Ganz bequem von zu Hause aus. Oder vom Büro. Oder vom Wartezimmer des Zahnarztes. Oder von wo auch immer. 

Göte Nacht! 

Eine Antwort zu „Mit der Västtrafik Färja von Saltholmen Richtung Vrångö über Styrsö nach Donsö. Und retour!”.

  1. Herrliche Aufnahmen 😍

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